Dortmunder stößt Bahn AG auf Programmierfehler bei Ticket-Automaten

Ticketautomaten der Bahn stellen Kunden immer wieder vor Rätsel. Jetzt hat die Bahn einen Programmierfehler eingeräumt.
Ticketautomaten der Bahn stellen Kunden immer wieder vor Rätsel. Jetzt hat die Bahn einen Programmierfehler eingeräumt.
Foto: Kerstin Kokoska/WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Ein Programmierfehler bei den Fahrkartenautomaten hat Bahn-Kunden über mehrere Wochen verärgert. Im Detail ging es um Bahncard-Nutzer, die auf bestimmten Verbindungen ein "Cityticket" nutzen wollten. Erst auf Beschwerde eines Kunden räumt die Bahn den Fehler ein - nach längerem Schriftverkehr.

Essen/Dortmund.. Die Bahn ist unfehlbar. Natürlich. Insofern prallte die Beschwerde des Dortmunder Bahn-Kunden Michael Schreiber (Name geändert) bei der Bahn AG auch erstmal ab. Schreiber wollte im Januar - wie schon öfter zuvor - an einem DB-Automaten eine Intercity-Fahrkarte von Dortmund nach Köln lösen.

Und weil er Inhaber einer "Bahncard 50 " ist, dazu die 'Cityoption' in Anspruch nehmen. Die ist eine Art Bonus für Bahncardnutzer, die bei Verbindungen ab 100 Kilometer Länge auch ein "Cityticket" erhalten. Mit dem kann man an Abfahrtsort und Reiseziel, sofern sie auf einer Liste von 120 deutschen Großstädten stehen, den örtlichen Nahverkehr ohne Zuzahlung nutzen.

Bahn Aber das Cityticket, schilderte Schreiber der Bahn, mochte der Automat auf einmal nicht mehr anbieten, sondern nur die etwas teurere Option "City mobil". Vor dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember 2012 hatte Schreiber das Problem nicht. "Offenbar handelt es sich um einen Fehler in Ihrem Buchungssystem", schloss Schreiber daraus und bat die Bahn, dies zu prüfen: "Ich hoffe auf eine schnelle Antwort".

Kundenservice empfielt Trick bei Ticket-Buchung

Bereits einen Tag später antwortet das "Team vom bahn.bonus comfort-Service". Schreibers Vermutung mochte man nicht bestätigen: "Unsere Recherchen haben ergeben, dass Sie auch weiterhin die City+ Option für Ihre Strecke Dortmund – Köln und zurück nutzen können". Dazu aber sollte Schreiber nicht die direkte Verbindung von Dortmund nach Köln buchen, sondern den etwas längeren Weg über die Ruhrschiene. Sollte die Strecke Dortmund-Köln via Wuppertal plötzlich um ein paar Kilometer kürzer geworden sein, wo Schreiber dort doch bis dato immer das Cityticket buchen konnte?

Schreiber wunderte sich und schrieb erneut eine Mail an die Bahn.

Die beharrte daraufhin nach wie vor, dass bei den Automaten alles okay sei. Auch Schreibers Verweis auf das elektronische Kursbuch - immerhin die Bibel der Eisenbahner - prallte am "Team vom bahn.bonus comfort-Service" ab. Da ist festgehalten, dass die Strecke von Dortmund über Hagen und Wuppertal nach Köln genau 104 Kilometer misst. Und der Weg über Duisburg 117 Kilometer. Beides also deutlich mehr als die geforderten 100 Streckenkilometer, um ein Cityticket angeboten zu bekommen. Und was antwortet die Bahn?

Wurden auf der Strecke Dortmund-Köln ein paar Kurven begradigt?

Kursbuch? Der Kundenservice schien das Kursbuch nicht zu kennen: "Die Bahnkilometer für die Verbindung Dortmund Hauptbahnhof nach Köln Hauptbahnhof können wir Ihnen nicht mitteilen", antwortete das Service-Team auf Schreibers zweite Mail.

Und überhaupt, was bedeuten schon Kilometerangaben? "Baumaßnahmen" und anschließende "Streckenneuvermessungen" würden "mitunter" dazu führen, "dass sich die Kilometer ändern". In Schreibers Fall sollte das wohl heißen, dass auf der Strecke Dortmund-Köln über Hagen nach dem Fahrplanwechsel ein paar Kurven begradigt worden sind.

Für Michael Schreiber war das Anlass für Mail Nummer drei. Die erzeugte bei der Bahn ein wundersames Einlenken.

Fernbus-Netz Vier Tage nach Schreibers erster Mail räumte der Bahn-Kundenservice schließlich einen Fehler ein: "Unsere erneuten Recherchen im Fachbereich haben ergeben, dass in unserem Buchungssystem derzeit vereinzelt Fehler bei der Buchung von Strecken, die an die 100 Kilometergrenze heran reichen, bestehen." Einen "genauen Zeitpunkt für die Beseitigung, können wir Ihnen momentan leider noch nicht nennen". Bis dahin empfahl das Service-Team seinem Dortmunder Bahncard-Kunden Schreiber einen Buchungs-Trick: Er möge doch bitte vorerst Tickets nach Köln "mit Umstieg in Düsseldorf" buchen. Er müsse sich bei der Fahrt letztlich nicht an diesen Weg halten: "Selbstverständlich steht es Ihnen mit einer Normalpreisfahrkarte mit BahnCard 50-Rabatt frei, eine alternative Verbindung ohne Umstieg zu nutzen."

Bahn sagt, der Programmierfehler sei behoben

P.S. 6800 Fahrkartenautomaten hat die Bahn bundesweit und insgesamt 4,9 Millionen Bahncard-Kunden, davon - wie Schreiber - 1,6 Millionen Kunden mit Bahncard 50. Laut Bahn betraf der Programmierfehler ein Dutzend Verbindungen in allen Buchungssystemen - angeblich fast ausschließlich nur solche mit Start- bzw. Ziel in Dortmund und in Köln. Betroffene Kunden "sollen sich bitte eine Fahrkarte für den ÖPNV kaufen und sie anschließend beim Bahncard-Service zur Erstattung einreichen. Natürlich bekommen sie dann auch das Porto erstattet. Dem Kunden soll kein finanzieller Schaden entstehen", erklärte eine Bahn-Sprecherin auf Anfrage.

Bahn-Check Den "Ticket-Trick", der Schreiber vom Kundendienst ans Herz gelegt wurde, mag die Bahn jedoch auf keinen Fall empfehlen: "Es gibt keine derartigen Tricks. Die Aussage des BahnCard-Service beruht leider auf einem Missverständnis", sagte die Sprecherin. Etwa ein Dutzend Beschwerden habe die Bahn in gleicher Sache gezählt.

Der Fehler, teilte die Sprecherin nun mit, sei inzwischen behoben: "Wir haben in der Nacht zu diesem Freitag die Software aktualisiert". Derartige Kunden-Hinweise seien der Bahn "sehr wichtig", aber auch "selten": "In den meisten Fällen fallen Fehler schon in der Testphase auf und werden behoben". Die Bahn ist ja unfehlbar. So ziemlich.