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Dortmunder Stahlbauer insolvent - 19 Mitarbeiter statt 350

01.11.2012 | 17:00 Uhr
Dortmunder Stahlbauer insolvent - 19 Mitarbeiter statt 350
Foto: dapd

Dortmund.  Ein Stück bekannter Dortmunder Metallbaugeschichte neigt sich dem Ende entgegen. Denn hinter „ST“ verbirgt sich der Niedergang der traditionellen Firma Fricke Stahlbau aus Wambel. Die hatte einst 350 Mitarbeiter - nun sind es noch 19.

Hinter der Eröffnung des Insolvenzverfahrens der eigentlich unbekannten Firma ST-Metallbau Anfang November steckt ein Stück bekannter Dortmunder Metallbaugeschichte. Denn hinter „ST“ verbirgt sich der Niedergang der traditionellen Firma Fricke Stahlbau aus Wambel. ST-Metallbau gilt Insidern als „Dummy“, als Unternehmen, das eigens gegründet worden ist, um den Namen Fricke aus der Insolvenz herauszuhalten. Den zuletzt 19 Mitarbeitern der vor Jahrzehnten mal 350 Mann starken Belegschaft kann das egal sein - ihr Job ist weg. So oder so.

Als der Betriebsratsvorsitzende Helmut Gusek von der Umbenennung von Fricke in „ST“ erfuhr, verband sich damit überhaupt keine Hoffnung auf einen Neuanfang der Firma. „Mir war klar, dass das in der Zahlungsunfähigkeit endet“, sagte er. Die im übrigen eine Woche nach der Umfirmierung eintrat.

Offensichtliche Anzeichen

Zu offensichtlich seien die Anzeichen gewesen. Darunter so deutliche, dass sich die Geschäftsführung der Firma Fricke sogar um Aufträge, die sie aus Sicht der Arbeitnehmer hätte kriegen können, nicht weiter gekümmert hätte. Hinzu sei noch gekommen, dass das Arbeitsgericht das Unternehmen zur Zahlung ausstehender Weihnachts- und Urlaubsvergütungen aus den letzten zwei Jahren verdonnerte. Auch seien Tariferhöhungen zurückgehalten worden. Fricke legte Berufung ein. „Möglicherweise hat man dann die Notbremse gezogen“, so Gusek. Insolvenz - ohne zu zahlen.

White & Case-Insolvenzverwalter Dr. Markus Wischemeyer relativierte den Vorwurf, die Geschäftsführung habe sich nicht ausreichend um Aufträge gekümmert. „Aus unserer Sicht gibt es keine Anhaltspunkte dafür“, meinte er. Manchmal müsse man auch bedenken, dass es bei einer wirtschaftlichen Schieflage besser sei, mal keinen Auftrag anzunehmen, „weil man ja auch gewährleisten muss, dass man den erledigen kann. Sonst lässt man ja den Auftraggeber vor die Wand laufen.“

Keine Zukunftschance

Eine reelle Chance auf Zukunft hätte es für Fricke/ST nicht gegeben. Dem Unternehmen fehle ein Alleinstellungsmerkmal, ein Patent oder so etwas. Grundstück und Maschinen gehörten einer anderen Gesellschaft, „und nur das Personal wollte kein Investor übernehmen“. Grundstück und Maschinen sollen, diese Info ist nicht von Wischemeyer, aber einer anderen Fricke-Gesellschaft gehören.

IG Metall-Sekretär Michael Niggemann hofft nun, dass die Mitarbeiter, die gestern ihren letzten Arbeitstag hatten, eine neue Stelle finden. Etwa die Hälfte der Leute hätten ihren Einsatzort seit Jahr und Tag bei Hoesch Spundwand und Profile, „und ich habe die Hoffnung, dass HSP sie übernimmt“. Etwas trügerisch, wie Gusek findet, denn bei HSP gebe es einen Einstellungsstopp.

Über all die Umstände ließ sich mit der Familie Fricke nicht reden. „Wir geben keine Auskunft“, so Thomas Fricke. Man möge sich bitte mit dem neuen Geschäftsführer der Firma ST-Metallbau, Prof. Dr. Manfred Hunkemöller, unterhalten. Hun­ke­möl­ler ist laut Internetauftritt Grün­dungs­ge­sell­schaf­ter der Firma UDM. Sein Tä­tig­keits­schwer­punkt liege u.a. im Be­reich des „st­ra­te­gi­schen Sa­nie­rungs- und In­sol­venz­ma­na­ge­ments“. „Der war zweimal in der Firma, einmal davon hat er die Freistellungspapiere vorbeigebracht“ meint Helmut Gusek, „er hat uns echt super saniert.“

Da stand der Betriebsrat gerade vor dem Schalter der Arbeitsagentur in Unna.

Dirk Berger



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