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Dortmunder Stadt-Chefs fahren jetzt Mercedes E 300

15.08.2012 | 09:00 Uhr
Dortmunder Stadt-Chefs fahren jetzt Mercedes E 300
Die künftigen Dienstwagen der Dortmunder Stadtspitze: Ein Mercedes vom Typ E 300 Blue Tec Hybrid.Foto: Daimler AG

Dortmund.   Die Stadt Dortmund spendiert der Stadtspitze neue Dienstwagen: OB Sierau und Kollegen werden jetzt im Mercedes E 300 BlueTec Hybrid zu Terminen chauffiert. Nicht jeder ist von der Notwendigkeit der Neuanschaffungen überzeugt — aber eine Verkleinerung der Chefwagenflotte hat die Stadt verworfen.

Die Stadt spendiert ihrem Spitzenpersonal neue Dienstwagen vom Allerfeinsten. Künftig rollen Oberbürgermeister Ullrich Sierau, Bürgermeisterin Birgit Jörder, Bürgermeister Manfred Sauer sowie der gesamte Verwaltungsvorstand mit allen fünf Dezernenten und Wirtschaftsförderungschef Udo Mager standesgemäß hinter dem guten Stern zu ihren Terminen. Jeder im eigenen Dienstfahrzeug, mit dem eigenen Fahrer am Steuer. Eine Verkleinerung der Chefwagenflotte hat die Stadt verworfen.

Insgesamt neun Fahrzeuge der Daimler-Modellreihe E 300 BlueTec Hybrid werden es also sein, die sukzessive nach dem turnusmäßigen Auslaufen der üblicherweise auf ein Jahr angelegten Leasingverträge der Alt-Flottille angeschafft werden. Damit endet erstmals die automobile Zwei-Klassengesellschaft innerhalb der Stadtspitze. Während der OB derzeit mit einem Audi A6 von Termin zu Termin kutschiert wird, mussten die Dezernenten und Bürgermeister mit dem kleinsten 5-er-Diesel von BMW Vorlieb nehmen. Immerhin kommt OB Ullrich Sierau als erster Mann der Stadt auch zuerst in den Genuss des neuen Gefährts.

Listenpreis 51.795 Euro

Für den E 300 BlueTec Hybrid hat sich die Stadt nach eigenen Angaben entschieden, weil die jüngste Mercedes-Entwicklung als sparsamster Oberklassen-Wagen der Welt gilt (Mercedes-Werbung). Der Schadstoffausstoß der künftigen Dienstwagenflotte soll sich denn auch um jährlich vier Tonnen CO2 reduzieren, heißt es bei der Stadt. Auch die Ausgaben für Sprit und Kfz-Versicherungen hofft man, mit dem Edel-Hybrid, der einen Diesel- und einen Elektromotor unter der Haube vereint, drücken zu können.

Trotzdem: Preiswert geht anders. Bei einem Listenpreis ab 51.795 Euro kommen bei den neun neuen Daimlern sicher erkleckliche Leasingraten zusammen. Allerdings gewähren die Hersteller bei Dienstwagen für Politiker und den öffentlichen Dienst teils enorme Rabatte auf den Normalpreis, was auch das Leasing billiger macht.

28.000 Kilometer pro Jahr und Fahrzeug

Überlegungen, die Fahrzeugflotte dennoch zu verkleinern und auf eine Fahrbereitschaft umzustellen, habe die Stadt geprüft, aber aus organisatorischen Gründen verworfen, teilte Stadtsprecher Thomas Kampmann auf WAZ-Nachfrage mit. Die Laufleistung bezifferte Kampmann im Durchschnitt auf 28.000 Kilometer pro Jahr und Fahrzeug.

Die Entscheidung, es nicht doch mit ein paar Wagen weniger zu probieren und den klammen Stadtetat wenigstens um einen Teil der Leasingkosten zu entlasten, stößt übrigens durchaus auf Unverständnis - sogar unter den Nutznießern des komfortablen Fahrzeugparks selbst. Nicht jeder ist von der Notwendigkeit der Zuteilung je eines eigenen Wagens plus persönlichem Fahrer überzeugt. „Ein Fahrzeugpark, auf den man bei Bedarf zurückgreifen kann, tut es doch auch“, sagte ein Mitglied der Stadtspitze jetzt im vertraulichen Gespräch mit unserer Zeitung. Auch sei die Laufleistung einzelner Fahrzeuge teils erheblich niedriger, als der Durchschnitt es vermuten lasse. In einem Fall ist von nur rund 1700 Kilometern pro Jahr und Wagen die Rede.

Michael Kohlstadt



Kommentare
24.08.2012
10:04
Ich denke Dortmund fährt "elektrisch"..
von Finnjet | #38

OB Sierau hat am 23.8.2012 öffentlichkeitswirksam von der RWE Effizienz GmbH die Autoschlüssel für insgesamt 13 Elektrofahrzeuge übernommen:
Zitat: "Als Förderprojekt des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) erprobt „metropol-E“ den Einsatz von elektrischen Dienstfahrzeugen in der Metropolregion Ruhr. Als Leuchtturm zählt das kommunale Lade-, Flotten- und Mobilitätskonzept zu den 13 herausragenden Projekten in Deutschland, um die Elektromobilität auf die Straße zu bringen. Ullrich Sierau: „Allein in unserer Region leben rund fünf Millionen Menschen. Der Umstieg auf Elektrofahrzeuge ist ein wichtiger Schritt für uns, um den CO2-Ausstoß zu senken. Wir wollen mit diesem Beispiel Schule machen.“ Ziel von metropol-E ist es, ein Geschäftsmodell zu entwickeln, das andere Städte für ihre kommunale Flotte übernehmen können."

Toll, und warum lässt sich Sierau dann im Benz kutschieren????

17.08.2012
02:51
Was für ein Bomben-Artikel...
von vaikl2 | #37

Herr Kohlstadt: es fehlt die Info, ob mit den neu angeschafften Benzen die "turnusmäßige" Leasing-Vertragszeit wieder ein Jahr beträgt oder spaßes- und Mercedeshalber mal verlängert wurde. Es fehlt das Nachhaken, was denn die "organisatorischen Gründe" sind, die einen verkleinerten Fahrzeugpool für Dortmunds Verwaltungschefs angeblich unmöglich machen. Es fehlt die Namensnennung des Stadtspitze-Mitglieds, ohne die diese "vertrauliche" Äußerung ungefähr so interessant ist wie eingewachsene Fußnägel.

Für eine echte Neidwut-Bürgeraufregung im Wahlkampf also nur ein "Mangelhaft" in der B-Note.

Was sich dem Artikel allerdings entnehmen lässt - Sierau und Kollegen scheren sich einen Sch..ßdreck um moderne Verwaltung, Transparenz und Bürgerwillen. Bestimmt ist Sierau schon neidisch auf seinen Partei- und Amtskumpel in Berlin, der mit Doofheit nun auch noch Bundeshilfe für völlig missratene Hauptstadtprojekte erhält...

17.08.2012
01:37
Dortmunder Stadt-Chefs fahren jetzt Mercedes E 300
von Vorstecher | #36

Echte Taxis sind preiswerter und zu jeder Tageszeit verfügbar. Ich kauf mir auch keine Kuh für den täglichen Liter Milch . Hier kocht bald der Volkszorn.

16.08.2012
14:43
@ kronenschmeckt - Kostenrechnung -
von casella | #35

Der Listenpreis des E 300 Hybrid liegt bei 51 900 Euro und mit der Standard-Zusatzausstattung kostet das Fahrzeug ca 55 000 Euro. das macht bei 9 fahrzeugen 495 000 Euro. Dazu kommen (ADAC-Tabelle) Betriebskosten (Vollkostenrechnung) von ca 0,75 Cent/km, was bei durchnittlicher Fahrleistung laut Pressestelle der Stadt Dortmund von 28 000 km/Jahr und Fahrzeug noch einmal ca 189 000 Euro pro Jahr macht. Dazu kommen 9 (!) Planstellen für die Fahrer, die bei ca 55 000 Euro pro Jahr und Fahrer liegen und somit - pro Jahr - weitere 495 000 Euro erfordern.

Neben einmaligen Beschaffungs oder Leasingkosten über mehrere Jahre in Höhe von ca 495 000 Euro sind also jährlich 684 000 Euro aus der leeren Stadtkasse für die "Mobilität" des Verwaltungsvorstandes aufzubringen. Und - spätestens da - schlägt es einem den Kronen-Kronkorken ins Gesicht - oder?

4 Antworten
Dortmunder Stadt-Chefs fahren jetzt Mercedes E 300
von Kronenschmeckt | #35-1

Nein casella, nur solltest Du nicht alles glauben was Du liest, oder was Du meinst zu wissen.
Nur soviel. Die Daimler-Benz Niederlassung in DO ist die größte in ganz Deutschland und ist mit DO ziemlich stark verwurzelt.
Sie tun eine ganze Menge für unsere Stadt, dass bekommt halt nicht jeder mit und das ist auch ganz gut so.
Ich weiß dass, weil ich selbst viele Jahre für den guten Stern gearbeitet habe, bevor ich mich selbstständig gemacht habe.

Dortmunder Stadt-Chefs fahren jetzt Mercedes E 300
von Kronenschmeckt | #35-2

Habe zwei "s" zuviel geschrieben, wenn Du sie findest, schenke ich sie Dir. ;-)

@ kronenschmeckt
von casella | #35-3

Mercedes kann" verwuzelt" sein mit wem es will - das kann allenfalls den Beschaffungs- oder Leasingpreis etwas günstiger gestalten. An den Betriebskosten der Fahrzeuge und an den städtischen Personalkosten ändert das aber gar nichts. Da hat der "Stern" keinen Einfluss.

Und - waren sie schon mal in Berlin? Die Niederlassung am Landwehrkanal hat ganz andere Dimensionen als das Dortmunder Haus. Nur mal so als Anregung.

@casella
von Kronenschmeckt | #35-4

Wenn man bedenkt, dass die Zweigbetriebe im Sunderweg, im Niedersachsenweg,in der Berliner Str. und in Lünen ebenfalls zur NL an der Wittekindstr. gehören, dann relativiert sich die ganze Sache wieder etwas.

16.08.2012
14:09
Dortmunder Stadt-Chefs fahren jetzt Mercedes E 300
von Kronenschmeckt | #34

Ja Donnerwetter, 9 Limousinen für die Stadtspitze einer 600.000 Einwohner Stadt.
Kostenpunkt um die 400.000 Euro. So hoch ist wahrscheinlich gerade mal die monatliche Spesenabrechnung unserer EU Politiker in Brüssel.

16.08.2012
13:09
Dortmunder Stadt-Chefs fahren jetzt Mercedes E 300
von sak1 | #33

ist dortmund nicht pleite, aber troztdem schöpft die sogenannte elite aus dem vollen, wundert euch nicht wenn es eines tages richtig knallt!

16.08.2012
10:35
Dortmunder Stadt-Chefs fahren jetzt Mercedes E 300
von tomatenkiller_neo | #32

Schafft Euch einen Kleinbus an, wenn da ein Unfall passiert, ist wenigstens die
ganze Stadtspitze auf einen Schlag hin :-))))

16.08.2012
10:06
Dortmunder Stadt-Chefs fahren jetzt Mercedes E 300
von H.Koch | #31

Vor wenigen Tagen jammerte die Dortmunder Politikspitze fast einhellig über die Wahlmüdigkeit der Bevölkerung. So lange sich die Spitzen der Politik einig sind, dass völlig überzogene Privilegien, wie z.B. Dienstwagen der E-Klasse mit Fahrer, angemessen sind, muss man sich doch über frustierte Wähler nicht wundern.
Wenn der frühere Umweltdezernent im Wahlkampf mit dem Fahrrad wirbt, anschließend den Radschnellweg im Ruhrgebiet für nicht finanzierbar hält, um kurze Zeit später dann zu zeigen, was für ihn standesgerechte Mobilität ist, muss man sich als Wähler ärgern, dass man Herrn Sierau nicht schon bei der Wiederholungswahl als Mitwisser der Haushaltslüge in die wüste geschickt hat.
Wer für kommunale Politiker und Wahlbeamte derartige Dienstwagenallüren zeigt, der schaue sich das Beispiel des Chefs von Air-Berlin an, der nicht selten persönlich am Steuer eines Smart zu sehen ist. Ich sehe den Vorschlag von OB Sierau als Veruntreuung von Steuergeldern und Vorteilsnahme.
H. Koch, DO

1 Antwort
@ H.Koch
von casella | #31-1

"Moralisch" gesehen ist es Veruntreuung und Vorteilsnahme aber "rechtlich" ist es ein normaler Beschaffungsvorgang der Stadt Dortmund. Und genau da liegt das Dilemma. Und - Sierau hätte für seine bewiesene Mitwisserschaft an der Haushaltslüge durch die Wähler schon im Mai 2010 die "rote Karte" erhalten müssen - aber - er bekam bei zwar nur ca 47 % Wahlbeteiligung eine Mehrheit. Insofern darf sich der Bürger nun nicht beschweren - er hat die Leute an der Spitze, die er gewählt hat bzw die durch seine massige Wahlenthaltung durch eine relative Minderheit der SPD-Stammwähler gewählt werden konnten und die "gönnen" sich nun eben auch Nobelkarossen während der Bürger staunend die immer weiter greifenden Leistungskürzungen und Sparmassnahmen erlebt.

16.08.2012
09:26
Dortmunder Stadt-Chefs fahren jetzt Mercedes E 300
von knueppeljunge | #30

Es reicht ja auch wenn die Bürger sparen - in dieser hoch verschuldeten Stadt.

Da wollte der OB mit seinen gehobene Ansprüchen wohl nicht alleine stehen und hat allen anderen seinen Wunschwagen aufgedrängt. Unnütz und unüberlegt. 1.700 km Laufleistung - da reicht viellicht ein Dienstfahrrad.

Es musste unbedingt "ein Sternenhimmel" vor der Bürotür sein.

16.08.2012
02:49
@mith | #15
von vaikl2 | #29

"Und in der Wirtschaft ist das durchaus üblich"

(Pruuuust/Kaffee verschütt) Das war der Schenkelklopfer des Tages. Danke, weiter so;-)

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