Dortmunder schreiben private Anzeigen gegen Falschparker

Parkchaos am Montag im Oerlinghauser Weg in Dorstfeld. Gehwege sind zugestellt. Für ein großes Feuerwehrfahrzeug würde es eng.
Parkchaos am Montag im Oerlinghauser Weg in Dorstfeld. Gehwege sind zugestellt. Für ein großes Feuerwehrfahrzeug würde es eng.
Foto: Stephan Schütze
576 Anzeigen haben Dortmunder Bürger binnen sechs Wochen gegen Falschparker geschrieben und ans Ordnungsamt weitergeleitet. Wir erklären die Gründe.

Dortmund.. Binnen sechs Wochen haben Dortmunder Bürger in Eigeninitiative 576 Anzeigen gegen Falschparker geschrieben und ans Ordnungsamt weitergeleitet. Das Vorgehen stößt auf breite Zustimmung.

Demnach wehren sich die Bürger mit Anzeigen in der Regel gegen rücksichtslose Falschparker, die andere behindern, wenn nicht gar gefährden, weil sie Bürgersteige, Radwege und Einfahrten blockieren. Mit Ermahnungen und guten Worten sei solch uneinsichtigen Verkehrsteilnehmern nicht beizukommen.

Mehr private Anzeigen binnen eines Jahres

Erst Mitte des Jahres hat das Ordnungsamt damit begonnen, diese Privatanzeigen von den originären des Ordnungsamtes zu unterscheiden und zu zählen. Deshalb gibt es keine Vergleichszahlen zu Vorjahren. "Jedoch bestätigen die Mitarbeiter aus dem zuständigen Fachbereich, dass in den vergangenen zwölf Monaten vermehrt private Anzeigen im Rahmen der Verkehrsüberwachung geschrieben wurden", berichtet Stadtsprecher Maximilian Löchter auf Anfrage.

Unter anderem klagen Bürger, dass Rettungswagen und Müllautos nicht durch das Parkchaos in ihren Straßen kommen, dass Mütter es nicht mit dem Kinderwagen aus der Haustür schaffen, weil Autos so dicht davor parken. Menschen mit Rollatoren würden ebenfalls durch Falschparker behindert. Ein User berichtet in einem Kommentar gar von einem Blindenhund, der völlig irritiert vor einem Gehwegparker gestanden habe.

Was kann behinderndes Falschparken für die Blockierer für Folgen haben?

Böse - bis hin zur Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung oder gar fahrlässiger Tötung, nämlich dann, wenn ein Rettungswagen oder Feuerwehrauto nicht durchkommt und dadurch Menschenleben gefährdet werden.

"Dieses Blockieren ist gefährlich. Das kostet Zeit", sagt Oliver Nestler, Leiter der Einsatzabteilung bei der Feuerwehr. Zu Zeitverzögerungen bei Anfahrten wegen falschparkender Autos komme es häufiger. Dabei sinke bei Herz-Kreislauf-Notfällen die Überlebenswahrscheinlichkeit pro Minute um zehn Prozent.

Wie sieht es bei Bränden aus?

Bei einem Vollbrand in einem Mehrfamilienhaus, wo Menschen aus Furcht vor den Flammen schon in den Fenstern hingen, würde die Feuerwehr auch Autos mit Gewalt zur Seite schieben. Solche dramatischen Maßnahmen seien zwar selten, doch er habe das schon selbst erlebt, so Nestler. Wie der Einsatzleiter letztlich entscheide, das sei eine Ermessensfrage und komme immer auf die einzelne Situation an. Die Verhältnismäßigkeit müsse gewährleistet sein.

Für Blockierer kann es mitunter teuer werden, denn die müssen nicht nur den Schaden am eigenen Auto zahlen, sondern auch die am Feuerwehrwagen und möglicherweise an unbeteiligten Autos, die bei der Aktion ebenfalls beschädigt werden.

Was macht die Müllabfuhr?

Am häufigsten komme es in der Innenstadt zu Problemen, berichtet EDG-Sprecherin Petra Hartmann. Sei ein ganzer Straßenzug zugeparkt, versuchten die Müllwerker es bei einer Tour später ein zweites oder drittes Mal, sofern sie auf der Fahrt durchs Revier in der Nähe blieben. Oder sie bemühten sich, die Straße von der anderen Seite anzufahren.

Einzelne Müllbehälter, die nicht zugänglich sind, bekommen einen sogenannten Störanhänger, auf dem das Kennzeichen des falschparkenden Autos notiert ist, so Petra Hartmann: "Der Schwarze Peter liegt dann beim Kunden." Denn die Nachleerung kostet für einen 120-Liter-Behälter 5,56 Euro, für einen Großbehälter 42,93 Euro. Der Kunde könne dann versuchen, sich das Geld beim Verursacher wiederzuholen. Wohnungsgesellschaften zum Beispiel täten das auch. Von Januar bis Ende Juli mussten die EDG-Mitarbeiter 4600 Störanhänger an Mülltonnen hängen.

Die Kosten für behinderndes Parken sind sehr unterschiedlich. Nach dem bundeseinheitlichen Tatbestandskatalog kostet behinderndes Parken auf einem Geh- und/oder Radweg 30 Euro Strafe. Parkt man an einer engen oder unübersichtlichen Straßenstelle und ist bei der vorhandenen Restfahrbahnbreite eine Durchfahrt für Rettungsfahrzeugen im Einsatz nicht mehr gewährleistet, kostet das ein Bußgeld von 40 Euro.

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