Dortmunder Schlagermuseum will in die Hörder Burg ziehen

Dr. Ingo Grabowsky und Nils Jo Jantoß wollen in der Hörder Burg das europäische Schlagermuseum eröffnen.
Dr. Ingo Grabowsky und Nils Jo Jantoß wollen in der Hörder Burg das europäische Schlagermuseum eröffnen.
Foto: WAZ Fotopool
Was wir bereits wissen
Seit über zwei Jahren sucht der Verein nach einem Standort – jetzt scheint ein passender gefunden: Das Europäische Schlagermuseum will in der Hörder Burg eröffnen. Die Stadt als Eigentümerin hat sich noch nicht konkret zu der Idee geäußert.

Dortmund.. Seit über zwei Jahren sucht der Verein nach einem Standort – jetzt scheint ein passender gefunden: Das Europäische Schlagermuseum will in der Hörder Burg eröffnen. Die Stadt als Eigentümerin hat sich noch nicht konkret zu der Idee geäußert. Aber eigentlich will sie das Gebäude verkaufen.

[kein Linktext vorhanden] Mehr als zwei Jahre ist es her, dass Dr. Ingo Grabowsky mit seiner Idee eines Dortmunder Schlagermuseums erstmals an die Öffentlichkeit trat. Inzwischen hat sich viel getan: Die Ausstellung „Schlager! – eine musikalische Zeitreise von A bis Z“ ist auf Wanderschaft gegangen, der Verein „Europäisches Schlagermuseum“ wurde gegründet, die ersten Gelder wurden eingeworben. Und nach langer Standort-Suche meint der der Kulturwissenschaftler, nun auch einen geeigneten Standort gefunden zu haben: die Hörder Burg. Grabowsky und der Vereins-Vorsitzende Nils Jo Jantoß erklären ihr Vorhaben.

Braucht Dortmund wirklich noch ein Museum?

Klar, meint Ideengeber Grabowsky. „Das Schlagermuseum soll ja nicht in der Kreisklasse spielen, sondern in der Champions League. Und je mehr Museen dieser Art es in einer Stadt gibt, desto besser.“ Die Häuser beflügeln sich gegenseitig – wie in den typischen Museumshochburgen wie Berlin auch. Und mit dem neuen DFB-Fußballmuseum gebe es dann schon zwei pop-kulturelle „Leuchttürme“ in der Stadt.

Und der Standort Dortmund ist für die Beiden Ehrensache: „Zum Einen, weil wir selbst aus Dortmund kommen und die Stadt stärken wollen“, sagt Grabowsky. „Zum Anderen, weil Dortmund eine starke Schlagertradition hat.“ Schon in den 20ern sei die Stadt ein Zentrum des deutschen Schlagers gewesen. Alles, was Rang und Namen hat, ist schon hier aufgetreten. Dortmund hat dadurch bei Szene-Kennern einen Ruf als Schlagerstadt. Daher stehe fest: Ein Schlagermuseum dürfe man nur in Dortmund ansiedeln.

Ist ein Schlagermuseum publikumswirksam genug, um sich selbst zu tragen?

Da sind sich die Initiatoren sicher. Bester Beweis: Dr. Grabowsky hat an vier Schlagerausstellungen im Bonner Haus der Deutschen Geschichte mitgearbeitet – und alle waren die mit Abstand erfolgreichsten des Jahres. Schlager sei eben ein Massenphänomen, dass anders als oft behauptet auch vor jungen Menschen nicht Halt mache. Bei Großveranstaltungen wie „Dortmund Olé“ im Westfalenpark sehe man das ganz deutlich.

Außerdem habe man neben dem klassischen Museumspublikum auch eine andere Zielgruppe im Blick: Migranten. Es soll ja ein Museum des europäischen Schlagers werden – und macht daher auch vor Eros Ramazotti, Julio Iglesias und dem russischen nicht Halt.

Woher stammen die Exponate – und sind die nur zum Angucken da?

Jantoß und Grabowsky ist klar: Allein weil ein Haus „Schlagermuseum“ heißt, wird es niemand sehen wollen. Es müsse ein Erlebnismuseum werden. Neben den üblichen Vitrinen und Ausstellungsstücken soll es Mitmachstationen geben – von Karaoke über Schlager-Raten oder ein Duett-Partner-Memory bis zu Foto-Aktionen. Klar, dass man den gläsernen Flügel von Udo Jürgens lieber nicht anfassen sollte...

Die ersten Exponate ziehen derzeit als Wanderausstellung „Schlager! – eine musikalische Zeitreise von A bis Z“ durch die Lande. Auch im MKK hat die Schau schon Halt gemacht. Die meisten Ausstellungsstücke sind Leihgaben von Sammlern oder den Künstlern selbst. Mit vielen Musikern hatte Grabowsky schon beruflich zu tun, was die Beschaffung spannender Exponate einfacher macht – wie einen Sombrero von Rex Guildo, die Uhr aus der ZDF-Hitparade, ein Bühnenoutfit von Michael Holm, Nicoles weiße Gitarre, Udo Jürgens’ Glas-Flügel, eine viersaitige Peter-Kraus-Selbstlerngitarre... Und einen Bass von Paul McCartney könnte sich Grabowsky auch gut vorstellen.

Was ist am Standort „Hörder Burg“ so reizvoll?

Anfangs haben die Museumsmacher einen Standort im Brückstraßenviertel gesucht. Auch die Stadt wollte es so. Eine „Museumsmeile“ sollte entstehen. Aber in der Innenstadt sind passende Gebäude rar – es war nichts zu machen.

Die Hörder Burg liegt zwar außerhalb, bringt dafür aber gleich mehrere Vorteile mit. Der augenscheinlichste: „Die Burg ist ein architektonisch markantes Gebäude – und das ist für ein Museum essenziell wichtig“, weiß Grabowsky. Zudem sei der Phoenix-See touristisch geprägt und bringe die nötige Infrastruktur mit. Ein Vorteil sei auch das Innenleben. „Die Burg ist nur von außen saniert“, erklärt Jantoß. Von innen muss viel gemacht werden – für das Schlagermuseum gebe es also einen Neuanfang. Auch Platz wäre genug da. Insgesamt hat das Gebäude eine Fläche von 5000 Quadratmetern. Für das Museum wären 1500 nötig.

Und die Rolle der Stadt?

„Wir hoffen wir auf das Einsehen, das Gebäude nicht für Büros zu nutzen“, appelliert Grabowsky an die Verwaltung. Die Architektur schreie geradezu nach einer musealen Nutzung – auch, weil in der Burg neben einigen Büros schon die Musikakademie Phoenix-See untergebracht sei. Die zweite Bitte der Museumsmacher an die Stadt: Sie soll als Vermittler dienen, wenn es ans Einwerben von Förder- und Sponsorengeldern geht. Eine Reaktion auf den Standort-Vorschlag habe es seitens der Stadt habe es noch nicht gegeben, so Grabowsky. Er rechne aber bald damit.

Derzeit steht allerdings überhaupt nicht fest, was mit dem Gebäude geschehen soll. Die Stadt hat es vor wenigen Jahren gekauft und versucht seit Längerem, es an einen Investor weiterzuverkaufen. Daher werden nur kurzzeitige Mietverträge vergeben. Das gestaltet sich schwierig

Ach ja – und was ist eigentlich ein „Schlager“?

Kurz gesagt: „Man könnte das Museum auch ‘Museum des erfolgreichen, gesungenen europäischen Unterhaltungsliedes’ nennen - aber das geht natürlich nicht“, meint Jantoß. Denn das sei ein Schlager: Ein Hit, meist in der Landessprache gesungen. Auch die Toten Hosen seien also Schlagersänger, oder all die deutschsprachigen Bands in den aktuellen Charts. „Aber zu weit fassen darf man es für ein Museum natürlich nicht“, schränkt Grabowsky ein. Eine gewisse historische Relevanz müsse schon gegeben sein., wie beim One-Hit-Wonder „Ein Stern, der deinen Namen trägt“, der 1998 zur meistverkauften deutschsprachigen Single wurde. Oder eben bei Heino, der Valente und Hans Albers.

„Wir wollen mit dem Museum auch das ramponierte Image des Schlagers polieren“, erklärt Grabowsky. Denn spätestens seit den 68ern gelte die Gattung als altmodisch und verstaubt. Das ändere sich gerade langsam. Und mit Schlagermuseum würde es wahrscheinlich ein wenig schneller gehen.

Sponsoren oder Sammler, die Exponate zum Museum beisteuern wollen, können sich unter kontakt@europaeisches-schlagermuseum.de melden.