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Rechtsextremismus

Dortmunder Nazi-Szene drangsaliert Aussteiger

30.03.2011 | 17:38 Uhr
Dortmunder Nazi-Szene drangsaliert Aussteiger
Der Ausstieg aus der Nazi-Szene von Dortmund ist besonders schwer. Foto: Clemens Bilan/dapd

Dortmund/Berlin.Aus der Dortmunder Nazi-Szene auszusteigen ist schwer. Die Szene ist stark, mit hoher sozialer Kontrolle und einem festen Regelwerk. DerWesten sprach mit Bernd Wagner von der Aussteigerorganisation Exit, die mit der Stadt zusammenarbeitet.

Ausstiegshilfe aus der rechten Szene – das ist deutlich mehr als individuelle Hilfe für ausstiegswillige Einzelpersonen. „Die Einzelfallhilfe ist nur ein Baustein in einer ganzen Reihe von Maßnahmen“, erklärt Bernd Wagner. Der Diplom-Kriminalist ist Geschäftsführer der Gesellschaft Demokratische Kultur (ZDK) aus Berlin und damit auch Chef der Aussteigerorganisation Exit Deutschland.

Exit arbeitet mit der Stadt Dortmund eng zusammen, um im geplanten „Aktionsplan gegen Rechtsextremismus“ einen Ausstiegs-Baustein zu integrieren – einen aktiven Baustein, den Wagner als ebenso bedeutsam erachtet wie die eher theoretische Vorbeugung: Wertevermittlung in Schulen, politische Bildung, alternative Freizeitangebote.

Im Pilotjahr 2011 wird theoretisch vorgearbeitet

Besonders weit seien die Planungen der Ausstiegshilfe in Dortmund aber noch nicht. Im aktuellen Entwurf des Aktionsplans ist lediglich angedeutet: „Ausstiege aus der rechten Szene werden erleichtert und die bestehenden Ausstiegsangebote weiterentwickelt.“

Logo der Aussteigerorganisation Exit Deutschland, die Aussteigern aus der rechten Szene hilft.

„Die Stadt ist erst vor einem halben Jahr auf uns zugekommen. Dieses Jahr müssen wir erst einmal zusammen mit allen Akteuren ein theoretisches Modell entwickeln: Welche Ausstiegs-Angebote braucht Dortmund? Wie funktioniert die Dortmunder Szene? Und wie reagiert die Szene auf unsere Bemühungen?“ Im Laufe der Pilotphase wolle man „Partner gewinnen, lokale Strukturen erkennen, Aufgaben und Funktionen verteilen“.

Zudem müsse in einem ersten Schritt eine Ansprechperson bestimmt (oder neu eingestellt?) werden, die über die nötigen Erfahrungen und Kontakte verfüge. Wie viele Stellen später für eine schlagkräftige Ausstiegshilfe im „Dortmunder Modell“ nötig sind, kann Wagner noch nicht beziffern. Auch bei der Zahl der möglichen Ausstiegswilligen tappen Exit, Stadt, Polizei, Staatsanwaltschaft und Co. noch völlig im Dunkeln.

Konkreter geht’s derzeit eben nicht. Fest stehe bis dato nur: Bis Ende des Jahres soll es ein oder zwei Veranstaltungen in Dorstfeld geben, die über die Szene informieren. Zudem haben einige Ehrenamtliche ihre Hilfe angeboten, deren „Eignung“ über ihre reine Motivation hinaus aber noch geprüft werden müsse, so Wagner.

„Ideologische De-Radikalisierung“ als Ziel der Ausstiegshilfe

„Ideologische De-Radikalisierung“nennt Wagner das Ziel aller Ausstiegs-Bemühungen: Jugendlichen die Brutalität ihres Systems bewusst machen, die Szene mit demokratischen Ideologien unterwandern, Dissidenz schaffen, Eltern unterstützen. Und natürlich denen helfen, die aussteigen wollen – von der ersten anonymen Info bis zur Suche nach einem sicheren Ort zum Leben.

Denn die starke Dortmunder Szene , die sich laut Wagner als „Elite der Bewegung“ versteht, macht es Aussteigern besonders schwer. Zum einen gibt es die Alt-Szene der klassisch erkennbaren Nazis (Glatze, Bomberjacke, Runen-Tattoos) – zum anderen die moderne Szene (Autonome Nationalisten, jung, hintergründig, sozial engagiert).

„Die Dortmunder Szene ist ideologisch extrem scharf, mit festem Regelwerk und hohem normativem Druck. Und die soziale Kontrolle innerhalb der Gruppe ist enorm“, weiß Wagner. Schon der geringste Ausdruck von Zweifel oder Kritik könne zum Eklat führen. Klar, dass ein Ausstieg da als Hochverrat gilt – sanktioniert mit Strafen, die in roher Gewalt enden können. Dabei gelte: Je höher der Stand im Organisationsgefüge, desto härter die Strafe beim Ausstieg.

DerWesten

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