Dortmunder Nachwuchsbands rocken die Ruinen
06.02.2012 | 18:22 Uhr 2012-02-06T18:22:00+0100
Dortmund. Die Bands „Angry White Elephant“ und „The Klit Korea“ haben sich einen Startplatz fürs Dortmunder Rockfestival erspielt. Am 28. April wollen sie dem Publikum richtig einheizen.
„The Duke“ und seine Kollegen von „The Klit Korea“ haben sich an der Deusener Straße mittlerweile eingelebt. Im Hochbunker mit Schräglage versucht sich das Sextett, für kommende Gigs einzustimmen. Frontmann „The Duke“, der speckigen Cowboy-Hut mit BVB-Schal und Sonnenbrille kombiniert, baut sich vor dem Mikrofon auf, als die Tür zum Proberaum aufgeht. Herein kommen die Männer von „Angry White Elephant“.
„Hi zusammen und Glückwunsch euch allen“, ruft Christian Jesse zur Begrüßung in die Runde. Der Sänger der weißen Elefanten gratuliert der anderen Band, schließlich verbindet sie ein Erfolgserlebnis. Bei einem Nachwuchsband-Wettbewerb überzeugten die beiden die Jury. Der Lohn: Am 28. April stehen sie beim Festival „Rock in den Ruinen“ auf der Bühne. Dort sollen sie als sogenannte „Local Acts“ dem Publikum vor den Auftritten von Saxon und Philipp Boa einheizen.
Die beiden Gewinner verbindet die purer Leidenschaft für handgemachte Musik. Beim ersten Aufeinandertreffen fachsimplen die insgesamt elf Mitglieder über ihre Vorlieben. Es ist wie eine musikalische Zeitreise, in der Alben von „The Who“ über „Kiss“ bis hin zu „Rage against the machine“ verrissen und gefeiert werden.
Musik als Lebensgefühl
Sie sprechen gerne über Musik, viel lieber machen sie welche. „Für uns ist Musik ein Lebensgefühl. Deswegen wollten wir auch bei dem Wettbewerb zocken“, erklärt Tobias Lihl, Schlagzeuger bei „Angry White Elephant“. Von „The Duke“ und seinen Mitstreitern erntet er zustimmendes Nicken.
Und doch merken die Musiker im Gespräch, dass es viele Unterschiede gibt. Der erste ist offensichtlich: das Alter. „The Klit Korea“ passt eigentlich nicht in die Kategorie Nachwuchsband, im Durchschnitt sind die Mitglieder Mitte 40. Da es die Band aber erst seit zwei Jahren gibt, durften sie beim Wettbewerb mitmachen. Unbeschriebene Blätter sind die Männer von „The Klit Korea“ im Ruhrgebiet jedoch nicht. Die Gitarristen „Chris van Helsing“ und „Andy Million“ sowie „The Duke“ machten sich schon in den 90er-Jahren einen Namen – da waren die Jungs von „Angry White Elephant“ in der Grundschule. Zwischendurch legten die Männer ihre Instrumente beiseite -- bis zu einem verhängnisvollem Umtrunk. „Da wollten wir meinen Sohn auf die Bühne bringen. Am Ende standen aber wir oben und haben gerockt“, erzählt „The Duke“. Das war die Geburtsstunde von „The Klit Korea“.
Ein wenig Provokation
Ihren Stil bezeichnen die sechs Männer als Punk’n’Roll, wobei sie es eigentlich nicht mögen, in eine Schublade gesteckt zu werden. Die Texte siedeln sie oft unterhalb der Gürtellinie an, ein wenig Provokation gehöre eben dazu.
„Angry White Elephant“ geht die Sache anders an. Sie prangern in ihren Texten das in ihren Augen „perfide politische Weltgeschehen“ an. Deshalb haben sie ihren Stil „AngryCore“ genannt. Stehen sie auf der Bühne, feuern sie eine unglaubliche Portion Wut ins Publikum. Und das gefiel auch der Jury.
Dabei sind die Bandmitglieder durch die Bank blutige Anfänger. So hatte Bassist Luis Lopes vor der ersten Probe noch keinerlei Erfahrung mit dem Instrument. „Für uns kam der Erfolg auch deshalb überraschend. Wir hätten nicht gedacht, dass wir unter den besten Zehn landen. Und jetzt das“, erzählt ein euphorischer Christian Jesse „Wir haben uns so gefreut, als ob wir zu fünft die Weltmeisterschaft gewonnen hätten“, ergänzt Tobias Lihl.
Jetzt gilt es für sie, „Rock in den Ruinen“ einfach zu genießen. Der Auftritt ist für die beiden Gewinner auch eine Art Bewährungsprobe, ob ihre Songs massenkompatibel sind. „Bei dem Festival spielen wir ja nicht vor unseren Leuten. sondern vor einem kritischen Publikum. Die gilt es dann erstmal zu begeistern“, betont „The Duke“.
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