Dortmunder müssen noch länger auf Briefe warten

Der Poststreik wirkt - immer mehr Leser melden sich, deren Briefkästen verwaist sind. Die Zusteller haben den Druck in Dortmund am Dienstag noch erhöht: Mittlerweile haben über 270 Mitarbeiter ihre Arbeit niedergelegt. Wir erklären, welche Folgen das hat.

Dortmund.. An zahlreichen Straßen im gesamten Stadtgebiet warten Post-Kunden seit vielen Tagen auf Briefe und Pakete. Britta Patt am Blumenweg in Sölderholz beispielsweise hat seit 14 Tagen "keinen einzigen Brief mehr erhalten". Über "die Floskeln der Post", 80 Prozent der Briefe würden zugestellt, könne sie nur lachen. Leser Michael Linke findet, die Post solle wenigstens zugeben, dass es erhebliche Probleme bei der Zustellung gebe, anstatt zu versuchen, "alles schönzureden".

Zusteller-Bezirke haben Grenzen

Während die Briefkästen am Blumenweg verwaist sind, bekommen Anwohner der angrenzenden Lichtendorfer Straße täglich Briefe. Warum das so ist, erklärt Post-Sprecher Achim Gahr: Alle Zusteller-Bezirke haben Grenzen. Wenn eine Straße zu Bezirk A und die daneben zu Bezirk B gehöre, könne es Unterschiede geben. Die Boten würden jedenfalls nicht bevorzugt an Hauptstraßen Post zustellen und Nebenstraßen vernachlässigen.

Wenn in Bezirk A am Tag 1 wegen vieler Streikender kaum ausgeliefert wird, versuche die Post, dort an Tag 2 mehr auszuliefern. Soviel zur Theorie. Die Post, so Gahr, könne Beamte aber nicht zwingen, von "ihrem" Bezirk in einen anderen zu wechseln. Grundsätzlich kann die Post zwar Beamten versetzen - im Streikfall geht das jedoch nicht. Dann können Beamte nur "freiwillig" in einem anderen Bezirk arbeiten. Wenn also für einen Bezirk keine Beamten zur Verfügung stehen, sei die Post auf Aushilfen angewiesen. Deren Zahl sei "aber auch endlich", sagt Gahr. Wo Leute seit vielen Tagen auf Briefe warten, hat die Post demnach große Probleme, Zusteller zu mobilisieren.

Post selbst abholen geht nicht

Einige Leser haben angeboten, ihre Post auch selbst abzuholen. Das geht aber nicht, wie Sprecher Achim Gahr erklärt. Im Briefzentrum in Marten werden trotz Streiks noch die meisten Briefe sortiert und in die lokalen Stützpunkte gebracht, wo die Zusteller sie abholen. Dort liegen aber nicht alle Briefe für Max Mustermann auf einem Stapel - der Zusteller muss sie noch für seine Tour sortieren. Streikt der Zusteller, bleiben die Briefe unsortiert. Deshalb können Kunden ihre gesammelte Post nicht selbst abholen.

Die Zusteller haben ihren Streik in Dortmund am Dienstag noch ausgeweitet: Es würden nun 150 Zusteller und 120 Mitarbeiter im Briefzentrum streiken, sagte Abdelhak Benayad, für Verdi betrieblicher Arbeitskampfleiter bei der Post Dortmund. Ein Verhandlungstermin, sagte er, sei nicht in Sicht - und ein Ende des Streiks damit nicht absehbar.