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2006 getöteter Kioskbesitzer

Dortmunder Kubasik-Mord heute Thema im NSU-Prozess

19.09.2013 | 02:15 Uhr
Mehmet Kubasik wurde 2006 ermordet.
Mehmet Kubasik wurde 2006 ermordet.Foto: dpa

Dortmund/münchen.  Im NSU-Prozess vor dem Münchener Oberlandesgericht wird ab heute der Fall des ermordeten Dortmunders Mehmet Kubasik verhandelt. Fünf Dortmunder Polizisten werden aussagen - Gamze Kubasik, die Tochter des Ermordeten, nicht. Grund ist ein Streit ums Geld.

Mittwoch war der Tag, an dem Gamze Kubasik endlich vor Gericht über ihren Vater reden wollte. Über den Menschen, der ihrer Familie durch einen Mord genommen wurde: Mehmet Kubasik, erschossen am 4. April 2006 in seinem Kiosk in der Nordstadt.

Der 39-Jährige war das achte Opfer des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) - die Anklage im Münchner Prozess ist überzeugt, dass Kubasik von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt erschossen wurde.Im Saal des Oberlandesgerichts sitzt auch die einzige Überlebende des rechtsextremen Trios: Beate Zschäpe. Gerne hätte Gamze Kubasik ihr gesagt, wie ihre Familie gelitten hat - unter dem Verlust, aber auch unter den Unterstellungen der Ermittler, die Mehmet Kubasiks Mord zunächst im Drogen- und Mafiamilieu verorteten. Auch seine Witwe Elif sollte in den Zeugenstand treten.

Befangenheitsanträge

Doch dazu kam es nicht: Beate Zschäpes Verteidiger stellten am Dienstag zwei Befangenheitsanträge gegen die Richter - Aufhänger dafür war, dass Anwalt Wolfgang Stahl sich unterbezahlt fühlte.

Stahl hatte für die Zeit des Ermittlungsverfahrens vor der Anklageerhebung einen 77.000- Euro-Vorschuss gefordert, doch nur 5000 bekommen.In ihrem Befangenheitsantrag argumentierten die Verteidiger, die Richter wollten sie mit finanziellen Mitteln "kurz halten und disziplinieren".

Das Gezerre um die Anträge dauerte den ganzen Dienstag. Die Sitzung für Mittwoch wurde gestrichen.

Unverständnis bei Kubasik-Tochter

Nun kann es dauern, bis Gamze Kubasik aussagen wird. Die Sitzungen des Strafsenats sind über lange Zeit festgelegt - was ausfällt, wird hinten angereiht.

Die Tochter habe die Entscheidung mit "aus ihrer Sicht nachvollziehbarem Unverständnis" aufgenommen, sagt ihr Anwalt Sebastian Scharmer, "sie weiß aber auch, dass viele Dinge in einem solchen Prozess schwer planbar sind". Als Nebenklägerin hat Kubasik die vielen Verzögerungen in den Verhandlungen mitbekommen.

Fünf Dortmunder Polizisten sagen aus

Dennoch beginnt in dieser Woche die Aufarbeitung des Falls: Am Donnerstag sagen fünf Dortmunder Polizisten und ein BKA-Ermittler aus.

Sie werden sich unangenehmen Fragen der Nebenkläger-Anwälte stellen müssen - vor allem, warum sie selbst fünf Jahre nach dem ersten Mord der Serie nicht ernsthaft ein rechtsextremes Motiv in Betracht zogen. Erst vor kurzem hatte ein Mitglied der Sonderkommission "Bosporus" ausgesagt, spätestens ab 2005 sei "offensichtlich" gewesen, dass ausländerfeindliche Täter am Werk seien.

Nun beginnt die Aufklärung nicht mit Kubasiks Leben - sondern mit seinem Tod. Zu den Zeugen gehören auch die Polizisten, die zuerst am Tatort waren und die erste Spuren sichteten. Wahrscheinlich werden im Gerichtssaal Fotos des Toten an die Wand projiziert. Gamze Kubasik wird im Saal sitzen.

Von Tom Sundermann

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Dortmunder Kubasik-Mord heute Thema im NSU-Prozess
Dortmunder Kubasik-Mord heute Thema im NSU-Prozess
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2013-09-19 02:15
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