Dortmunder Informatiker entziffern 5000 Jahre alte Schriften

Echte Tonscherben bekommen Dr. Frank Weichert (r.) und Denis Fisseler selten zu Gesicht. Dafür haben sie wunderbare Scans der Keilschrifttafeln, wie dieses Abbild einer hethitischen Landschenkungsurkunde.
Echte Tonscherben bekommen Dr. Frank Weichert (r.) und Denis Fisseler selten zu Gesicht. Dafür haben sie wunderbare Scans der Keilschrifttafeln, wie dieses Abbild einer hethitischen Landschenkungsurkunde.
Foto: Dan Laryea
Was wir bereits wissen
Forscher der TU Dortmund haben ein Computerprogramm geschrieben, das bei der Entschlüsselung antiker Keilschrifttafeln aus dem Vorderen Orient hilft.

Dortmund.. Gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Würzburg und Mainz arbeiten Informatiker der TU Dortmund im interdisziplinären Projekt "3D-Joins und Schriftmetrologie" an der Rekonstruktion uralter Tontafeln und der Entzifferung von Inschriften. Diese Tafeln sind häufig in viele Stücke zerbrochen und müssen aufwändig wieder zusammengesetzt werden.

Mehr als 500.000 solcher Tafeln wurden bereits entdeckt. Die meisten der bearbeiteten Fundstücke stammen aus der Türkei. In den drei Jahrtausenden vor Christi Geburt gab es im Vorderen Orient eine Hochkultur, die eine Fülle von Schriftstücken hinterlassen hat.

Mit traditionellen Mitteln unmöglich zu erfassen

Die gelernten Schreiber drückten keilförmige Holzgriffel in feuchten Ton - in kleine keksförmige Stücke oder größere flache Tafeln. Die Anordnung und Form der Abdrücke ergaben die jeweilige Bedeutung, die Buchstaben oder Worte."Die Eindrücke traditionell zu vermessen, ist fast unmöglich, weil sie sehr klein sind", erklärt Denis Fisseler, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Graphische Systeme der Fakultät. Mit digitalen Methoden dagegen ist das kein Problem.

Die Projektpartner haben sie mit mobilen Scannern in den Museumskellern im Vorderorient erfasst. Einige hundert sind bereits ausgewertet. Dabei kamen faszinierende Details alter Kulturen zum Vorschein - etwa bei hethitischen Tafeln mit den Ritualen zur Besänftigung von Sonnen- und Wettergott, für die man unter anderem den kleinen Hund "zerschneiden" und eine Maus opfern musste.