Dortmunder Fußballmuseum "räuberte" bei Franz Beckenbauer

Von außen kann das noch unfertige Fußballmuseum in Dortmund durchaus schon beeindrucken.
Von außen kann das noch unfertige Fußballmuseum in Dortmund durchaus schon beeindrucken.
Foto: Ralf Rottmann
Was wir bereits wissen
Im August 2015 will das Deutsche Fußball-Museum in Dortmund seine Pforten öffnen. Dessen Direktor "räuberte" unter anderem bei Franz-Beckenbauer.

Dortmund.. Sogar das Wetter ist museumsreif. Es regnet, typisches Fritz-Walter-Wetter. Der Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft dirigierte sein Team im Sommer 1954 in seinem geliebten Regen in Bern zum 3:2-Finalsieg gegen Ungarn und damit zum ersten WM-Titel.

Doch an diesem Morgen stört der Regen.

Wolfgang Niersbach öffnet eine Tür, schaut hinaus, tritt aber nicht in den Matsch. Er schließt die Tür wieder und sagt: „Tiefes Geläuf.“ Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes sieht sich auf einem Rundgang die Baustelle des Fußballmuseums an, das vor dem Dortmunder Hauptbahnhof wächst.

7700 Quadratmeter Ausstellungsfläche, 1800 Exponate, 36 Millionen Euro Baukosten, geplante Eröffnung: Sommer 2015.

Zwischen Stadion und Baustelle

Niersbach gähnt. Es ist früh, die Sonne kämpft gegen die Dämmerung. „Tschuldigung“, sagt Niersbach, „ging nur um diese Zeit.“

Wetter Der DFB-Boss hat einen engen Terminplan. Am Abend zuvor hat er bei Borussia Dortmunds 1:1 gegen Anderlecht auf der Tribüne gesessen. „Als ich dabei die Rückkehr von Ilkay Gündogan nach so langer Verletzungspause erlebt habe, ging mir das Herz auf“, sagt er.

Dann eine kurze Nacht in einem Dortmunder Hotel, um 9.30 Uhr eine Sitzung in Dortmund, zwischen Frühstück und Sitzung bleibt Zeit für die Baustelle.

Als Niersbach kommt, setzt das Schweigen der Lärmer ein

Dort hämmern und bohren die Handwerker, doch als Niersbach kommt, setzt das Schweigen der Lärmer ein. Die Arbeiter schauen, Niersbach lächelt zurück. Der gelernte Journalist ist einer, der auf dem Teppich geblieben ist. Was kann er dafür, dass der Teppich plötzlich fliegt. Deutschland ist Weltmeister, und der Fußball ist der Gesprächsstoff Nummer eins in den Büros und Kneipen. Niersbach ist der Chef der ganzen Nummer.

Museums-Direktor Manuel Neukirchner durchbricht die Stille und führt über die Baustelle. „Hier“, sagt er, „hier steht später der Bus.“ Der „Bus“ ist der Mannschaftsbus, in dem die Weltmeister im vergangenen Sommer vom Berliner Flughafen zur Festmeile am Brandenburger Tor gefahren sind. Joachim Löw saß vorne rechts in der ersten Reihe auf Platz eins.

Und wo saß der Präsident?

Präsident darf nicht in den Bus

„Der darf nicht mehr in den Bus“, antwortet Niersbach. „Ist aber nicht schlimm. Ich war 13 Jahre lang Pressesprecher beim DFB und habe die ganze Zeit im Bus in Reihe zwei gesessen. Immer neben Sepp Maier.“ Pause. „Das prägt!“

Maier, als Torwart 1974 Weltmeister und später Torwarttrainer, gilt als gnadenloser Witzeerzähler.

Die Sehreise geht weiter.

Durch einen Spielertunnel gelangen die Besucher ab dem kommenden Sommer in den ersten Bereich, Museums-Direktor Neukirchner nennt das: „Erste Halbzeit.“ Dort werden die Helden aus dem Jahr 1954 warten und auch der Ball aus dem Endspiel, den Helmut Rahn – natürlich aus dem Hintergrund – zum 3:2-Siegtreffer ins ungarische Tor schoss.

Eine Etage tiefer – „zweite Halbzeit“ – geht es um die Bundesliga. Von den 1800 Exponaten hat das Museum bereits 80 Prozent eingelagert. Kosten? „Die Sachen kosten nichts“, sagt Niersbach. Man braucht Beziehungen.

Museum "räuberte" bei Franz Beckenbauer

Beispiel: Franz Beckenbauer, der Fußball-Kaiser, hat in seinem Haus in Österreich eine Vitrine stehen. Museums-Direktor Neukirchner besuchte den Franz, und der wiederum telefonierte später mit Niersbach. „Hilfe, die Räuber waren da“, rief er, und Niersbach lachte. Die Stücke aus der Vitrine landeten durch Überredungsgeschick im Fundus des Museums. „Beckenbauer hat gesagt, bei ihm zuhause würden es nur er und seine Frau sehen“, erzählt Neukirchner, also hat er alles zur Verfügung gestellt.

Die Stars sorgen für die Geschichten, aber der Fußball hat eine Geschichte. Deshalb hat der DFB-Chef keine Sorge, dass das Museum ein Erfolg wird.

1000 Besucher pro Tag kalkuliert

1000 Besucher pro Tag sind kalkuliert, dann rechnen sich die Baukosten, die sich das Land NRW, der DFB und Sponsoren teilen. Der Preis der Eintrittskarten ist noch ein Geheimnis. „Es wird nicht so teuer wie ein Ticket für Disneyland, aber ganz umsonst können wir leider auch niemanden reinlassen. Wir sind ein nicht subventioniertes Haus“, so Neukirchner.

Daher wird es am Eingang eine Würstchenbude geben; Umsatz mit der Stadionwurst für Museumsbesucher. Zu genießen: Ab Sommer 2015. Und regnen soll es dann angeblich auch nicht...