Dortmunder Duo findet den Weg zwischen Elektro und Jazz

About Aphrodite (Gilda Razani und Hans Wanning) aus Dortmund verbinden Jazz und Techno auf gekonnte Weise.
About Aphrodite (Gilda Razani und Hans Wanning) aus Dortmund verbinden Jazz und Techno auf gekonnte Weise.
Foto: About Aphrodite
Was wir bereits wissen
Dem Dortmunder Duo About Aphrodite gelingt die Fusion zweier auf den ersten Blick nicht zusammenpassender Musik-Genres: Elektro und Jazz.

Dortmund.. Es gibt keine Schublade, in die die Musik von Gilda Razani and Hans Wanning auf Anhieb passt. Die Bässe wummern monoton, Elektroklänge flirren und weisen ganz klar die Richtung: Hier handelt es sich um Techno. Doch plötzlich durchbricht ein Saxophon die Monotonie. Klavier-Passagen, mal klassisch warm, mal jazzig verspielt, nehmen den Zuhörer an die Hand in ein Genre, das es so noch gar nicht gibt: Techno-Jazz.

Der Fokus von About Aphrodite liegt ganz klar auf elektronischen Sounds, nachdem sich die beiden Musiker unter dem Projektnamen Sub.Vision in der Jazz-Szene einen Namen gemacht hatten. Hans Wanning spielt seine Synthies sehr technolastig. Gilda Razani, eigentlich Saxophonistin, verleiht den Stücken mit dem Theremin, einem ganz besonderen elektronischen Instrument, eine ganz besondere Note. So ist "Faktor X", das aktuelle Album der beiden Dortmunder, zwar ganz eindeutig ein Elektro-Album, doch auch Jazz-Fans könnten auf den Geschmack kommen und lernen, die musikalischen Vorzüge von Techno schätzen zu lernen.

Live verbinden die beiden Musiker ihre Wurzeln und ihre neue musikalische Leidenschaft noch viel intensiver als auf dem Album. Gilda Razani spielt mehr Saxophon, Wanning wechselt fliegend zwischen seinen Synthies und einem Flügel hin und her. Das volle Programm wird improvisiert, ohne für Elektro-Fans zu jazzig zu werden.

Im Interview sprechen Gilda Razani und Hans Wanning über ihren Weg, elektronische Musik in Jazz zu verknüpfen und was sie über musikalische Schubladen denken.

About Aphrodite: "Auf Festivals wären wir der besondere Act"

Im Interview sprechen Gilda Razani und Hans Wanning über ihren Weg, elektronische Musik in Jazz zu verknüpfen und was sie über musikalische Schubladen denken.

Gilda und Hans, Wie kam es zu dem Projekt?

Gilda Razani: Das hat sich aus unseren anderen Projekten entwickelt. Wir hatten vorher das Projekt Subvision, das war noch ein bisschen jazziger. Dann fing ich an, Theremin zu lernen und mich für elektronische Musik zu interessieren. Bei Hans war es parallel ebenso. So sind wir in das neue Projekt übergegangen und konnten uns auch nicht mehr um das alte Projekt kümmern.

Wie kamst du auf die Idee, Thermin zu lernen?

Gilda: ich bin eines Morgens aufgewacht und hatte das Gefühl, ich müsste jetzt Theremin lernen. Ich bin ja eigentlich Saxophonistin und eigentlich reicht das ja auch. Aber irgendwie kam es so über mich.

Was macht das Instrument so speziell?

Gilda: Es ist ein tolles Gefühl, berührungslos zu spielen und die Töne zu erfühlen.

Welche Fertigkeiten werden benötigt?

Gilda: Man braucht einen festen Stand und darf nicht wackeln. Sonst hat man einen anderen Ton. Die Töne verändern sich, wenn man sich im elektromagnetischen Feld des Theremins bewegt. Das ist nicht gerade einfach.

Bei Auftritten wechselst du aber oft zwischen Saxophon und Theremin hin und her.

Gilda: Das macht es noch schwieriger. Aber bis jetzt bleibe ich auch dem Saxophon treu.

Hans, dein Piano-Spiel klingt nach klassischer Ausblidung.

Hans Wanning: Ich bin an allem interessiert, ein Allrounder. Als Kind habe ich natürlich klassische Stücke gespielt, aber schon damals habe ich darüber auch improvisiert. Das ist in mir offenbar so angelegt. Ich habe die Genre-Grenzen nie eingehalten.

Woher kam dann das Interesse an Elektro?

Hans: Eigentlich habe ich mich schon seit meiner Jugend dafür interessiert, was mit Synthesizern möglich ist. Schon zu meiner Studentenzeit hatten wir mit drei Keyboardern alles Mögliche auf einen Dachboden gepackt und aufgebaut. Wir hatten etliche Keyboards, Computer, dann kam noch ein Gitarrist dazu, der auch unheimlich viel Zeug hatte. Da hat das schon begonnen. Dabei hat mich die elektronische Musik selbst gar nicht so angezogen. Eher das Keyboardspiel von Leuten wie Joe Zawinul.

Das Interesse an elektronischer Musik kam jetzt durch meine plötzliche Faszination für Berliner Techno. Das hat eine ganz eigentümliche Ästhetik und Dinge, die für mich früher überhaupt keine Rolle gespielt haben.

Was zum Beispiel?

Hans: Techno lässt die Grenzen zwischen Klan, Lärm und Rauschen verschwimmen. Es ist wesentlich, dass man daraus eine Klangskulptur formt, die sich dann über die Zeit ausdehnt. Das finde ich unheimlich attraktiv.

Wisst ihr schon, in welche Richtung sich eure Musik entwickeln soll? Auf eurem Konzert und auch auf dem aktuellen Album „Faktor X“ wirkt ihr noch etwas unentschlossen.

Hans: Wir sind uns natürlich nicht immer einig, wie groß der Anteil der unterschiedlichen Elemente sein soll. Aber es ist nicht so, dass wir in unterschiedliche Richtungen streben. Wir versuchen live möglichst viel zu improvisieren. Live spiele ich viel mehr Klavier als auf dem Album. Das wird sich auch nicht ändern. Man muss aber immer genau schauen, wo es passt. Es ist unheimlich schwierig, einen melodischen Verlauf in eine Techno-Atmosphäre zu bringen, weil eine Melodie ein Subjekt ist. Viele Arten von Techno sind aber frei davon und funktionieren eher als Kollektiv. Wir wollen aber einen Weg finden, melodisch zu arbeiten, weil das unsere Stärke ist.

Geschieht die Improvisation auf der Bühne tatsächlich vollkommen ohne Absprache?

Gilda: Was wir machen, ist ohne Absprache. Innerhalb eines Stückes gibt es aber gewisse Eckpunkte, an denen wir ansetzen können. Was wir dann aber genau machen, ist nicht abgesprochen.

Elektro ist oft sehr durchgestylt und programmiert. Improvisation spielt da meist keine Rolle.

Gilda: Das versuchen wir hinzukriegen. Wir haben einzelne Bausteine, die wir unterschiedlich zusammensetzen können.

Hans: Der improvisierte Anteil wird größer. Es ist schwierig, mit den ganzen Bausteinen so zu jonglieren, dass es gut zusammenpasst und unserem Anspruch gerecht wird. Das ist anspruchsvoll, aber wir haben großen Spaß daran. Natürlich kann das auch mal in die Hose gehen. Aber Miles Davis hat gesagt, wenn man einen Fehler macht, soll man ihn zweimal machen – vielleicht wird etwas Gutes daraus. In dem Sinne sind wir auch weiterhin Jazzmusiker.

Bei vielen Elektro-Acts kehren akustische Instrumente wie Schlagzeuge und Gitarren zurück ins Studio und auf die Bühne. Könnt ihr euch vorstellen, diesen Weg auch zu gehen?

Gilda: Wir spielen ja unsere Instrumente und machen sehr viel mit Klavier, Saxophon und Theremin. Ich finde die Techno-Beats, wie sie jetzt bei uns klingen, genau gut. Wenn wir uns noch auf ein weiteres Element beziehen wollen, dann auf Video. Das spielt für uns eine große Rolle.

Hans: Ich glaube eher, dass wir eher sphärischer werden wollen, statt mit einem Schlagzeug noch mehr Power zu erzeugen. Dabei sollen dann auch die Visuals, die wir einsetzen, unterstützen. Wir können auch mal eine Viertelstunde völlig ohne Beat spielen.

Techno lebt von einer bestimmten hypnotischen Eintönigkeit. Wollt ihr noch stärker in diese Richtung oder weiterhin jazzig bleiben?

Gilda: Gerade dieses Hypnotische und immer Wiederholende finde ich gut und reizvoll. Aber das kann ja auch spontan durchbrochen werden.

Hans: Natürlich müssen wir einen Weg finden, dass sich das nicht widerspricht. Es ist völlig ungeeignet, wenn ich mit meinen bisherigen Parametern Klavier dazu spiele. Man arbeitet mehr mit Akkordwiederholungen und Arpeggio, weniger mit Jazz-Patterns. Das ist schwierig, aber eben auch unser Job.

Dortmund ist musikalisch nicht gerade der Nabel der Welt. Ist es ein Vor- oder Nachteil hier in einer Nische zu arbeiten?

Gilda: Ich habe mich auch schon gefragt, ob es nicht besser wäre, in Hamburg zu arbeiten. Aber das wissen wir nicht.

Hans: Ich fahre lieber ab und zu einfach so nach Berlin. Ich habe Kollegen, die es trotz aller Qualität nicht leicht haben. Für Musiker ist es in Berlin nicht einfach.

Hat sich die Plattenfirma gefreut, als ihr die Idee hattet, jetzt Elektro zu machen?

Hans: Wir haben ja jetzt ein neues Label aus Australien.

Warum ausgerechnet australisch?

Gilda: Das hat einfach gut mit denen geklappt.

Hans: Es ist inzwischen ja egal, wo das Label sitzt. Die haben einen guten Distributor, einen guten Layouter – es ist stimmig. Es ist nicht leicht, ein akzeptables und akzeptiertes Label zu finden.

Plant ihr mit der neuen Musik euren Durchbruch oder macht ihr einfach euer Ding und schaut, was kommt? Und wie sähe so ein Durchbruch für euch aus?

Gilda: Jaaaaa, wir wollen den Durchbruch (lacht). Und wir machen unser Ding. Ich bin total von dem, was wir jetzt machen überzeugt. Wir sind authentisch und spielen so, wie wir gerne spielen. Das verbinden wir mit dem Rhythmus, den wir beide gut finden.

Hans: Im Ergebnis würde das bedeuten, dass wir einfach viele gute Konzertmöglichkeiten haben, also mit Flügel und so weiter. Es geht nicht unbedingt darum, in irgendwelchen Clubs aufzutreten, sondern eher darum, ein einigermaßen erfolgreiches Nischen-Konzertprojekt sind. Wir würden auf viele Festivals passen.

Gilda: Wir sind so etwas wie der besondere Act (lacht).

Wo seht ihr euch in der Elektro-Szene? Viele rutschen zum Beispiel irgendwie in die Gothic-Szene, nur weil sie auf der Bühne mal schwarze Klamotten getragen haben...

Hans: Es gibt in der Elektro-Musik unglaublich viele Schubladen. Wir nehmen verschiedenste Dinge in die Hand und passen daher vermutlich in keine Schublade.

Gilda: Für uns ist unsere Musik schlüssig. Über die Schubalde müssen sich die Anderen Gedanken machen.