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Dortmunder Container-Terminal schürt bei Anwohnern Ängste

14.02.2016 | 17:20 Uhr
Dortmunder Container-Terminal schürt bei Anwohnern Ängste
Das neue Container-Terminal im Dortmunder Hafen ist in Betrieb genommen worden.Foto: DSW21

Dortmund.   Die neue Container-Verladeanlage im Dortmunder Hafen für 28 Millionen Euro ist eröffnet. Anwohner fürchten über 600 Lkw-Fahrten täglich durch nördliche Stadtteile.

Seit Jahren sorgt der Bau eines großen Container-Terminals im Dortmunder Hafengebiet für Unruhe. Große Unternehmen wie Ikea können die Fertigstellung kaum erwarten. Anwohner indes sorgen sich um den sprunghaften Anstieg von Lkw-Fahrten durch benachbarte Wohngebiete.

Schlimmste Befürchtungen gehen von über 600 durch die neue Anlage verursachte Lkw-Fahrten aus, die sich durch den Dortmunder Norden bis zu den Autobahnen quälen – pro Tag. Die Erfahrung lehrt: Wenn die Wirtschaft auf Wutbürger trifft, führt das am Ende oft zu einer explosiven Mischung.

Bürgerdialog beruhigt Gemüter

Jetzt wurde der erste Bauabschnitt des Terminals, das im Endausbau die bisherigen Container-Kapazitäten im Dortmunder Industriehafen auf einen Schlag nahezu verdoppeln wird und auch die Terminals im Duisburger Hafen entlasten soll, mit großem Pomp eingeweiht. Die Anwesenheit von gleich zwei Landesministern, einem Abgesandten von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel sowie ein buntes Feuerwerk sollten die Bedeutung des 28-Millionen-Euro-Projekts für den Logistikstandort im östlichen Ruhrgebiet ins rechte Licht rücken.

Die Wut der Bürger hielt sich angesichts der Zeremonie freilich in engen Grenzen. Eine Explosion der Emotionen blieb aus. Der vom Bauherrn, den Dortmunder Stadtwerken, angestoßene Bürgerdialog hat offenbar die Gemüter beruhigt. Zusätzlich gab es salbungsvolle Worte. „Nordrhein-Westfalen ist die wichtigste Logistikdrehscheibe Europas“, sagte NRW-Verkehrsminister Michael Groschek. Der SPD-Minister war zusammen mit seinem Düsseldorfer Partei- und Kabinettskollegen, Arbeitsminister Rainer Schmeltzer, eigens zur Eröffnung angereist. Dahinter steckt wirtschaftspolitisches Kalkül: Mehr als 20 000 Menschen sind laut Groschek allein im Raum Dortmund in der Logistikbranche tätig, viele Unternehmen investierten in die Region. Die Logistik gilt als einer der Jobmotoren im Strukturwandel des Reviers. Auch die Landesregierung setzt auf die Branche. Laut Logistik-Cluster NRW arbeiten 314 000 Beschäftigte im Kernbereich Logistik und weitere 645 000 Menschen in der erweiterten Logistikbranche (inklusive Industrie und Handel).

Steigendes Güteraufkommen

Groschek verbreitete in Dortmund entsprechenden Optimismus: „Wir schaffen die Voraussetzungen, um das weiter steigende Güteraufkommen zu bewältigen, entlasten die Straßen, festigen den Wirtschaftsstandort Dortmund und schonen zudem noch die Umwelt“, so der Minister. Folglich gebe es bei der neuen Anlage in Dortmund „nur Gewinner“.

Ob das stimmt? Zumindest kann man sagen: Logistik ist ein Flächenfresser. Die Dortmunder KV-Anlage – KV steht für kombinierten Verkehr aus Straße und Schiene – braucht Platz. In der ersten Ausbaustufe sind es 70 000 Quadratmeter, später soll das Container-Depot um weitere knapp 30 000 Quadratmeter erweitert werden. Das BVB-Trainingszentrum im Dortmunder Stadtteil Brackel mit seinen sechs Fußballfeldern für schwarz-gelbe Übungseinheiten könnte hier locker fünfmal hineinpassen.

150 000 Container pro Jahr

Zehn Beschäftigte finden auf dem alten Eisenbahngelände zunächst Arbeit, am Ende sollen es 40 sein. Ein Jobmotor sieht sicher anders aus. Logistikanlagen produzieren zudem Verkehr. Das gehört sozusagen zu ihrem Wesen. Bis zu 150 000 Container sollen hier einmal pro Jahr verladen werden, vom Lkw auf die Schiene und umgekehrt. Kritiker der Anlage wie die Dortmunder Grünen-Ratsabgeordnete Ursula Hawighorst sorgen sich, dass dies am Ende über 600 Brummifahrten am Tag auslöst, auch am Wochenende. Zwar gibt es ein Verkehrskonzept, um den Weg der Laster zu den Autobahnen anwohnerverträglich zu gestalten. Neue Ampelschaltungen sollen in einer ersten Phase dazu beitragen.

Doch Ursula Hawighorst bleibt skeptisch. Flüsterasphalt, ein neuer Kreisverkehr im Hafengebiet, eine zusätzliche Auffahrt auf einen Autobahnzubringer, Brückenertüchtigungen – all das sei nötig, um den Verkehr von den dicht besiedelten Stadtteilen fernzuhalten. „Das kostet viel Geld“, sagte die Grünen-Politikerin. Geld, das eine finanziell nicht gerade auf Rosen gebettete Stadt wie Dortmund möglicherweise gar nicht habe.

Michael Kohlstadt

Kommentare
15.02.2016
16:17
Dortmunder Container-Terminal schürt bei Anwohnern Ängste
von steamead | #3

Und was bewirkt der "Bürgerdialog" und die ach so kritischen Bezirksvertretungen? Wird dadurch ein Container weniger umgeschlagen oder fährt deswegen...
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Dortmunder Container-Terminal schürt bei Anwohnern Ängste
Dortmunder Container-Terminal schürt bei Anwohnern Ängste
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http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/dortmunder-container-terminal-schuert-bei-anwohnern-aengste-id11564083.html
2016-02-14 17:20
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