Dortmunder Chor-Festival Klangvokal endet mit Operngala im Westfalenpark
03.07.2011 | 17:29 Uhr 2011-07-03T17:29:00+0200
Dortmund.Zum Abschluss des Chor-Festivals "Klangvokal" erlebten am Wochenende tausende Menschen die Italienische Operngala mit Adina Aaron und Thiago Arancam im Westfalenpark Dortmund.
Pace, pace, mio Dio, singt die junge US-Sopranistin Adina Aaron in den bewölkten Abendhimmel, die Töne wie an einer feinen silbernen Schnur gezogen, mühelos, makellos.
Man kann es auch als eine Beschwörung deuten, die Bitte um drei trockene Stunden, da unten im Westfalenpark, über der Seebühne im Buschmühlenteich, über Wiese und Bänken, wo ein paar Tausend Menschen die Italienische Operngala erleben, die das Dortmunder Chor-Festival „Klangvokal“ beenden soll.
Macht des Schicksals – die Bitte wird erhört. Es bleibt trocken, den ganzen Abend. Dass der Wind in den Notenblättern der Philharmoniker raschelt und die Technik auch dieses Rascheln überträgt und verstärkt – wen stört’s? Ein bisschen klingt es dann wie eine alte Schallplatte, aber die mag man ja.
Es ist ein großer Abend. Es gibt keine Open-air-Nachlässigkeiten, Jac van Steen leitet sein Orchester, als wolle er Giuseppe Verdi und Giacomo Puccini zur vergleichenden Analyse auf den Seziertisch des Hörens legen.
Wärme, Geheimnis, Geschmeidigkeit
Mit Adina Aaron und ihrem brasilianischem Kollegen Thiago Arancam hatten die Veranstalter dazu eindeutig das richtige Gespann ins Geschirr geholt. Beide robust. Er, auch das ist Singen, muss seine Stimme wie von sich selbst befreien, um sie am Ende in den strahlenden gefestigten Glanz der Cavaradossi-Arie „E lucevan le stelle“ zu führen, dieses absolute Stück Opernweltliteratur und -herausforderung. Aarons Stimme gewinnt an Wärme, Geheimnis, Geschmeidigkeit und Emotionalität, wenn sie sich dem Mezzo-Bereich nähert. Puccini liegt ihr näher, auch wenn Verdis „Aida“ als Aarons Glanzpartie gilt.
Das Programm ist geschickt gebaut. Es enthält, von Zugaben abgesehen, ausschließlich Werke von Verdi und Puccini. Es führt aus einer gewissen Distanz bis an die Opernsüffigkeit. Die und das Mitsingen sind in die Zugaben ausgelagert, Oper besteht eben nicht nur aus Zugaben.
Höhepunkt bleibt der dritte „Tosca“-Akt, die Engelsburg-Szene, das letzte Duett, ehe Cavaradossi erschossen und Tosca springen wird, was man konzertant natürlich nicht zu sehen bekommt.
Den Philharmonikern öffnet die Dramaturgie des Abends so manches Fenster zur Selbstprofilierung. Wenn hinter der Bühne das Feuerwerk gezündet wird, haben die Menschen vor der Bühne fünf Ouvertüren, Vor- und Zwischenspiele aus ebenso vielen Opern zu hören bekommen. Und genießen dürfen.
0mitdiskutieren