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2. Ruhr-Biennale

Dortmunder Biennale-Ausstellung gewährt Barbie Zuflucht unter der Burka

02.10.2012 | 06:00 Uhr
Dortmunder Biennale-Ausstellung gewährt Barbie Zuflucht unter der Burka
Die Ausstellung zeigt Kinetik und Maschinenkunst - wie die „Low-Tech-Maschinen“ der Münchener Künstlerin Charly-Ann Cobdak. Gerhard Hendler (rechts) ebnete der Ausstellung den Weg ins alte RAG-Institut.Foto: Kevin Schrief

Dortmund-Huckarde.   Die Hauptausstellung der zweiten Ruhr-Biennale in Dortmund widmet sich dem "homo ludens", dem spielenden Menschen. Die Ausstellungsstücke im ehemaligen Arbeitsmedizinischen Zentrum der Ruhrkohle AG in Huckarde laden zum Mitspielen und zum Mitdenken ein.

Ein altes, ausgedientes Verwaltungsgebäude wird plötzlich zum Ereignisfeld, zum Spielplatz für die Sinne: Im ehemaligen Arbeitsmedizinischen Zentrum der Ruhrkohle AG am Hülshof eröffnet am Sonntag die Hauptausstellung der 2. Ruhr-Biennale . Der „homo ludens“ steht im Mittelpunkt: der spielende Mensch. Eine Einladung zum Mitspielen – und Mitdenken. Oder: „Es ist die größte Kunstausstellung, die in Huckarde zu sehen war“, sagt Gerhard Hendler, Vorsitzender der Hansa-Gesellschaft für Industriekultur.

Sie sind das Gegenteil von Hightech: die verspielten Installationen von Charly-Ann Cobdak. Maschinen, zusammengefügt aus einem Sammelsurium an Materialien. Alte Fahrradräder, Grammophonteile, zerschnittene Backformen. Dazu Kleinmotoren und Antriebsriemchen, die auf Knopfdruck die „Low Tech Instruments“ der Münchener Künstlerin in Gang setzen. Etwa die zensierte „Moving Sculpture“: eine vielleicht flaschengroße Venus-Figur dreht sich, auf einem durch eine Bohrmaschine angetriebenen Teller – allerdings mit einem Balken über den Brüsten. „Holz vor der Hütt’n“, heißt der Untertitel.

In anderen ihrer Installationen beschäftigt sich Cobdak mit Kindheitserinnerung an Tschaikowskys „Nussknacker“ oder mit einer „Alternative zur exotischen Tierhaltung im eigenen Heim“. „Running Edward“ heißt das Werk, bei dem der Betrachter mit leichtem Streicheln einen Elefanten in Gang setzt.

Barbiepuppen als „Zufluchten“ genannt

Nicht nur verspielt, vielleicht sogar schon provokant, mag mancher die „kinetischen Objekte“ von Detlef Hänsel (Dipl.-Ing.), der sich „Orenda“ nennt, halten: Seine quietschbunte Krippendarstellung, deren Figuren sich mit einer Kurbel in Bewegung setzen lassen, ist „Spielzeugkunst und Kunstspielzeug“. „Zufluchten“ hat Sabine Reyer ihre 100 Barbiepuppen genannt, die in tiefschwarze Burkas gehüllt auf einem schwarzen Kubus, der Kaaba in Mekka gleich, aufgereiht stehen. Sie thematisiert die (Zu-)Flucht in die Uniformität und die Aufgabe der Individualität.

Dortmund mit zwei Spielorten

Die Spielorte der 2. Ruhr-Biennale sind Bochum, Duisburg und zwei Mal Dortmund: das Casino Hohensyburg und das alte Institut der RAG, Hülshof 28, in Huckarde.

„Homo ludens: Spiel, Traum & Trauma“ im alten Institut der RAG, Eröffnung am Sonntag, 7. Oktober, um 15 Uhr. Geöffnet freitags - sonntags, 12 - 18 Uhr, (bis 29. Oktober).

Raumhohe Mobilees, Anzüge aus Schweinehaut, Videoinstallationen und Textcollagen: Es sind Spiele des Lebens, die die Ausstellung auf zwei Etagen zeigt. „Es werden spielerisch Geschichten erzählt“, urteilt Kurator Herbert Scharo vom Verein Aortakunst.

Ausstellung lebt von leer stehenden Räumen

Dabei lebt die Ausstellung zusätzlich von den seit mehreren Jahren leer stehenden Räumen: mit ausgeräumten Schränken, abgewetztem Linoleumboden, Kacheln an den Wänden. Diese Nüchternheit verstärkt die Ausdruckskraft der Kunstwerke, potenziert sie sogar.

Ein Zufall. Vorgesehen war, die Ausstellung im Hansa-Hochhaus zu zeigen, wie es noch im Katalog abgedruckt steht. Nur: Die Räume waren doppelt vergeben. Da kam Gerhard Hendler ins Spiel: Er ebnete den Weg ins alte Arbeitsmedizinische Zentrum der RAG. „Um die Ausstellung in Huckarde zu behalten.“

Carsten Menzel

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Dortmunder Biennale-Ausstellung gewährt Barbie Zuflucht unter der Burka
Dortmunder Biennale-Ausstellung gewährt Barbie Zuflucht unter der Burka
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2012-10-02 06:00
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