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Demo-Samstag

Dortmund zeigte Flagge gegen Rechts

05.09.2010 | 18:02 Uhr
Dortmund zeigte Flagge gegen Rechts
Friedlicher Protest am Nordmarkt: Dortmund wehrte sich gegen Rechtsextremismus. Foto: Franz Luthe

Dortmund.Tausende sind am Samstag friedlich gegen die Nazis auf die Straße gegangen. Hier und da kam es zu Randale, doch der große Knall blieb zum Glück aus. Leidtragenden des Polizeieinsatzes mit rund 4000 Beamten waren in vielen Fällen die Bürger, für die es unverständlicherweise oft kein Durchkommen gab. Es gab harsche Kritik am Bundesverfassungsgericht, das das von Polizeipräsident Hans Schulze verhängte Verbot gegen die Nazi-Demo noch am Samstag gekippt hatte.

Schon früh stand die Stadt Dortmund am Samstag unter Hochspannung. Bereits gegen 9.30 Uhr hatte das Bündnis „Wir stellen uns quer“ seine ersten Blockaden gesetzt, und zwar friedlich auf vier Gleisen im Hauptbahnhof. Die Bundespolizei räumte die Blockaden.

Festnahme eines Gegendemonstranten. WR-Bild: Ralf Rottmann

Bärbel Beuermann, NRW-Fraktionsvize der „Linken“, kritisierte hier das Vorgehen der Polizei: „Von den Blockaden ging keinerlei Eskalation aus. Trotzdem waren die Polizisten teilweise überaus aggressiv und wendeten auch schmerzhafte Nasen- und Ohrengriffe an.“ Rund 100 Linke wurden an der Arbeitsagentur festgenommen. Sie hatten, vom Nordmarkt kommend, Polizisten attackiert.

Auf eine harte Geduldsprobe wurden die Bürger gestellt. Schon auf den Einfallsstraßen gab es Polizeikontrollen, der Hauptbahnhof teilweise abgesperrt. Vielen Bürgern wurde der Weg in den Norden versagt, so am Burgtor, wo es phasenweise kein Durchkommen gab. Mehrere hundert Bürger, die auf den Nordmarkt wollten, gaben entnervt auf.

Zwei Nazi-Gruppen

Während sich gegen 13 Uhr 466 penibel kontrollierte Nazis bei der genehmigten Standkundgebung auf dem Park & Ride-Parkplatz an der Speestraße versammelten, wurden kurze Zeit später starke Polizeieinsatzkräfte in Wambel zusammengezogen. Fast 400 Neonazis waren in Scharnhorst bei der Anreise ausgestiegen und Richtung City marschiert. Auf dem Nußbaumweg setzte die Polizei die schwarz gekleideten Radikalen fest. Hierbei kamen auch SEK-Beamte zum Einsatz. Angesichts der Übermacht von Hunderten Polizisten ließen sich die Nazis einkesseln. Anschließend teilte ihnen ein Polizeisprecher mit, dass sie sich nicht an die Auflagen der stationären Kundgebung gehalten hätten. Deshalb löse man ihre Versammlung auf.

Kontrolle der Nazis. Foto: Franz Luthe.

In der Folge sprach die Polizei den Rechten ein Verbot für die gesamte Stadt aus. Einzeln wurden sie zur Personenfeststellung gebracht, dann in einen Polizeibus gesetzt und nach Scharnhorst gefahren. Von dort wurden sie begleitet nach Hamm gebracht.

160 Festnahmen

Die Polizei nahm 160 Personen fest (25 Nazis, 131 „Linke“, davon nur sechs aus Dortmund). Zudem fand die Polizei noch nicht zuzuordnende Chinaböller sowie ein Erddepot mit Chemikalien und Vermummungsmaterial an der ursprünglich genehmigten Nazi-Wegstrecke. Sieben Polizisten wurden verletzt.

Währenddessen gab es große Verkehrsbehinderungen auf dem Wambeler Hellweg. Die Straßenbahnen stauten sich. Im Stadtgebiet kam es immer wieder aufgrund der Kundgebungen zu Unterbrechungen des Verkehrs. Auf zentralen Kreuzungen und Straßen - wie Borsigplatz oder Mallinckrodtstraße - kam der Verkehr zum Erliegen.

Auf der Kreuzung hatten sich bis zu 1000 Gegendemonstranten festgesetzt. Die Polizei schirmte den Weg in die City und zum Nordmarkt ab, reagierte besonnen und fischte zwei Flaschenwerfer raus. Auf der Einkaufsmeile Hellweg konnten die Geschäfte unbehelligt ablaufen. Nur das Geheule der Polizeisirenen störte den Einkaufstrubel.

Gerald Nill, Andreas Winkelsträter

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