Dortmund-"Tatort" in der Nordstadt - Hektischer Krimi mit Psycho-Kommissar
06.11.2012 | 07:39 Uhr 2012-11-06T07:39:00+0100
Dortmund. Der neue "Tatort" aus Dortmund spielt im Problemviertel Nordstadt. Themen wie Arbeiterstrich, Matratzen-Mieten für Zuwanderer, Kriminalität und Prostitution drängen sich einem Filmemacher auf. Das Problem: Das "Tatort"-Team will alle erzählen. Das Ergebnis: Die Story ist überladen und gleichzeitig oberflächlich - und Kommissar Peter Faber ist weiter rätselhaft.
Der Mord geschieht direkt vor Nora Dalays Haustür. Gegenüber der Wohnung der jungen Kommissarin ist der Drogendealer und Zuhälter Serkan Bürec erschossen worden. Und eine unbekannte Zeugin hat die Tat beobachtet - davon zumindest ist Kommissar Peter Faber überzeugt und schickt seine Kollegen auf der Jagd nach der Unbekannten quer durch die Dortmunder Nordstadt.
Tatort "Mein Revier" ist reichlich überladen
Der zweite Fall des neuen Dortmunder "Tatort"-Quartetts "Mein Revier" (Sonntag, 11. November, 20.15 Uhr, Das Erste) hat die Zutaten, die gute Folgen der Krimi-Reihe auszeichnen: Er erzählt eine glaubhafte Geschichte und spricht gesellschaftliche Probleme an.
Doch es scheint ein wenig, als hätten sich die "Tatort"-Macher nicht festlegen wollen, welches Thema sie in den Vordergrund stellen. Und dadurch wirkt die Episode reichlich überladen. Zumal Hauptkommissar Peter Faber (sehr gut: Jörg Hartmann) auch immer wieder eine große Rolle spielt: Ist er nun psychisch gestört oder nicht?
So führen die Ermittlungen die Kommissare etwa auf den Arbeiterstrich in der Dortmunder Nordstadt, auf dem sich Bulgaren für wenig Geld für jede Arbeit anbieten. Einer von ihnen ist Marek Bojanov, der sich kurz vor dem Tod des Drogendealers und Zuhälters mit ebendiesem gestritten haben soll.
Und Kommissar Daniel Kossik gerät mitten in eine Auseinandersetzung zwischen den Bulgaren und einem Ladenbesitzer, der es nicht länger hinnehmen will, dass sich die Arbeitsuchenden vor seinem Geschäft herumtreiben und damit womöglich Kundschaft abschrecken.
"Tatort"-Dortmund thematisiert Horror-Mieten in der Nordstadt
Nicht nur das aggressive Verhalten des Ladenbesitzers erschreckt Kossik und seine Kollegin Dalay, auch die Lebensumstände der Bulgaren, die zu horrenden Mieten zu Dutzenden in heruntergekommenen Unterkünften hausen, schocken die Kommissare.
Die Dortmunder Nordstadt ist über die Stadtgrenzen hinaus als Problemviertel bekannt. Doch seit Jahren wachsen dort auch soziale und kulturelle Initiativen heran. Hier finden Sie aktuelle Nachrichten und Hintergründe.
Verantwortlich dafür ist in ihren Augen der aalglatte Geschäftsmann Tarim Abakay, der die überteuerten Absteigen vermietet und auch in Drogenhandel und Prostitution verstrickt sein soll. Die Hände hat er sich bislang jedoch nicht schmutzig gemacht - dafür hatte er Serkan Bürec, der nun jedoch tot ist.
Und das völlig zu Recht, wie Streifenpolizist Rainer Polland findet. Typen wie Bürec kann er nicht ausstehen. Ebenso wie seine "zukünftige Ex-Frau" Sonja. Sie, die früher selbst auf den Strich ging, kümmert sich um ausländische Straßenmädchen, die von Bürec zur Prostitution gezwungen werden.
"Tatort"-Kommissare aus Dortmund haben mit privaten Problemen zu kämpfen
Armut, Ausbeutung und Prostitution sind jedoch nicht die einzigen Themen, mit denen sich der neue "Tatort" beschäftigt. Ganz nebenbei hat jeder der vier Kommissare auch noch mit persönlichen Problemen zu kämpfen. Nora Dalay und ihr Kollege Daniel Kossik scheinen immer noch nicht so genau zu wissen, was aus ihrer Beziehung eigentlich werden soll.
Martina Bönisch schlägt sich mit ihrem arbeitslosen Mann und ihrem kiffenden Sohn herum und versucht, sich mit einem Callboy abzulenken. Und Faber wird von einem Unbekannten mit einem Schicksalsschlag aus seiner Vergangenheit konfrontiert.
"Mein Revier" endet düster und kaputt
Reichlich Stoff also für eine einzelne "Tatort"-Folge. Zugleich fehlt der Episode leider ein wenig der Humor der ersten Folge. Und so endet der Fall wie er begonnen hat: ziemlich düster und kaputt.
Ob sich am Sonntag ebenso viele Zuschauer fürs Einschalten entscheiden wie zur Dortmunder "Tatort"-Premiere im September, wird sich zeigen. Den ersten Fall "Alter Ego" hatten nach WDR-Angaben 8,89 Millionen Zuschauer verfolgt. (dapd/tob)

16:04
Irgendwie doch eine wirkliche Erleichertung wenn man sich bedenkt was wir diesem Saison bis heute zu shen bekommen haben. Nur Fälle indem es öfters mal (wieder) um die Ermitlern selbst ginge, für mich wohl die schwerst zu glauben Reihen die mir überhaupt auch nicht gefallen haben. Sogar in der Reihe 110 gabs letzter Woche wieder ein vergleichbaren Fall. Für mich ein Zeichen dafür das die Leute in der Produktion immer weiter von der Realität abgeraten sind.
In etwa so weit entfernt wie Sie von den Grundregeln der Rechtschreibung?
13:57
Ich lasse mich ganz sicher nicht von irgendeiner Rezension im Vorfeld davon abhalten, mir selber ein Bild zu machen. Klar, wird der Tatort am Sonntag geguckt. Und was die Dortmunder Nordstadt angeht: sie ist nun mal eine Gegend mit vielschichtigen Problemen. Warum sollte ein Krimi da etwas beschönigen ? Ich finde auch nicht, dass die Tatort-Krimis früher besser waren. Es gab schon immer gute und schlechte, spannende und langweilige Folgen. In den letzten Jahren sind die Drehbuchschreiber mutiger geworden und die Folgen für mich noch interessanter. Mal hart, realistisch, düster und sozialkritisch. Dann aber auch skurril, voller Humor und abgefahren. Mir gefällt am Tatort, dass man sich was traut und es gibt (bis auf wenige Ausnahmen) hervorragende Schauspieler zu bewundern. Es dürfte für jeden etwas dabei sein - und was dem einen nicht gefällt, ruft vielleicht bei dem anderen Begeisterungsstürme hervor...Und umgekehrt.
19:20
Schön ist anders. Warum macht Jörg Hartmann das mit?
Will die ARD den Tatort wieder absetzen, geht das anders.
Ich schalte nicht ein. Fast alles Psychos.
18:10
Und wieder ein paar Komparsen, die mal v.d. Kamera ihre Gesichtsmuskeln bewegen dürfen
14:54
Nach meinem Geschmack drehen sich zu viele Tatorte um die Kommissare und gesellschaftskritische Themen. Ab und zu ist das ja ok, aber dies ist zu oft der Fall. Ich würde gerne mal wieder einen bodenständigen Krimi sehen. Ohne durchgedrehte Polizisten...
Wieso muss eigentlich schon am Dienstag über den Tatort am nächsten Sonntag berichtet werden? Man könnte ja gleich die Lösung zeigen und eine 60 minütige Videozusammenfassung anbieten.....
14:17
In einer Ausgabe eines Hamburger Nachrichtenmagazins fand man unlängst eine schier seeeensationelle Neuigkeit zum Thema TATORT - ich zitiere mal, wenn auch nicht wörtlich: "Jedenfalls sind die Tatorte mittlerweile unfassbar erfolgreich, weshalb die ARD das Geschäft föderal ausbauen möchte. Sicher ist, dass es einen fränkischen Ableger und - mit Nora Tschirner und Christian Ulmen - einen aus Weimar geben wird. Dem S ... wurde eine Businessplan-Fassung der ARD zugespielt, nach der bis 2017 jede ostfriesische Insel ein Ermittlungsteam stellt. Ebenso das Weserbergland und die Niederlausitz ... Am Ende werden 248 Ermittler-Teams rund um die Uhr für die ARD im Einsatz sein (inklusive Kinder-"Tatörtchen" aus dem Europa-Park) ..." Zitatende.
Na, das lässt doch hoffen. Ich persönlich bin hellauf begeistert - 24 Stunden Tatort pro Tag - was will man mehr. Ironie-Modus aus.
12:39
Ich fand den ersten Dortmunder Tatort ganz ok. Nichts weltbewegendes, konnte man aber gucken. Leider arbeitet die ARD zur Zeit am Niedergang des Tatorts. Zum einen gibt es immer mehr Kommissare in immer mehr Städten, sodaß man schnell den Überblick verliert, zum anderen versucht sich jeder 2. Drehbuchautor oder Regisseur an "abgefahrenen" Stoffen oder Inszenierungen. An gesellschaftskritischen Themen mal in einem Tatort ist sicher nichts auszusetzen, aber jeder 2. Fall behandelt gesellschaftliche Mißstände. In jedem anderen 2. Fall ist der/die Kommissar/in persönlich in den Fall verstrickt (Augenzeuge, tot neben der Leiche aufwachen, Verdächtige ehemalige Freundin etc.). Das langweilt auf Dauer ungemein. Dass die Ermittler auch ein Privatleben haben, sollte jedem Zuschauer klar sein, interessieren tut es oftmals aber nicht. Wenn ich mir die alten Krimis so angucke, da hatten manche Ermittler noch nicht mal einen Vornamen. Ein wenig Besinnung auf alte Tugenden könnte nicht schaden.
12:39
Scheint so, als wären Rezensent und Kommentatoren überfordert.
Muss aber nicht unbedingt am Tatort liegen ...
...ist hier höchstens der Drehbuch-Autor, der ein paar Stichworte aus Lokalzeitungen durch sein Drehbuch-Baukastensystem schwurbelt und - wie immer bei den öffentlich-rechtlichen Gebührenvernichtern - dann hofft, das wird schon Keiner merken.
12:03
... das war - und - wird wohl nix! Wer ist eigentlich auf diese bekloppte Idee gekommen, solche Charaktere zu generieren? Motto: man muss nicht unbedingt bekloppt sein, um in Dortmund zu leben - aber - es erleichtert die Sache schon ungemein!
...wovon er spricht.
11:42
Mein Vorschlag an die ARD:
Bitte die Sendeplätze tauschen. Also die aktuellen Tatort-Folgen irgendwo im Abendprogramm der 3. Programme verstecken und am Sonntag-Abend jeweils eine Wiederholung der teilweise hervorragenden Tatort-Folgen früherer Jahre senden.