Dortmund setzt Zeichen gegen Rechts
31.12.2011 | 17:02 Uhr 2011-12-31T17:02:00+0100
Dortmund. Seit sieben Jahren missbrauchen die Nazis den Antikriegstag im September für ihre menschenverachtende Propaganda. So auch in 2011. Doch dieses Mal stellte sich dem rechten Demo-Zug ein breites Spektrum an Gegen-Demonstranten entgegen.
Schon elf Jahre muss Dortmund es ertragen, dass Nazis in der Stadt aufmarschieren. Im Jahre 2000 erfolgten die ersten braunen Demonstrationen, die damals noch der Rechtsextreme Christian Worch aus Hamburg angemeldet hat. Und seit sieben Jahren missbrauchen die Nazis den Antikriegstag im September für ihre menschenverachtende Propaganda. So auch in 2011.
Im Vorfeld des Demonstrations- geschehens nahm die Zahl der Anschläge durch die rechte Szene zu . Meldungen über Bedrohungen und Farbanschläge in den letzten zwei Wochen vor dem Aufzug waren an der Tagesordnung.
Doch anders als in den Vorjahren herrschte in diesem Jahr erstmals eine gewisse Einigkeit über den „zivilen Ungehorsam“, mit dem man die rechten Horden stoppen wollte. Da stellten sich urplötzlich auch OB Ullrich Sierau oder auch NRW-Minister Guntram Schneider an die Spitze einer „Blockade“-Bewegung . Da wollte man nicht nur antifaschistischen Gruppen, die seit Jahren Blockaden fordern, das Feld überlassen. Aus der Mitte der Gesellschaft formte sich der Widerstand. Zuviel war in den letzten Jahren passiert, zu viele Bedrohungen, zu viele gewalttätige Übergriffe.
Nordstadt komplett abgeriegelt
Die Polizei reagierte prompt, kriminalisierte trotz unterschiedlicher Rechtsprechungen diese Versuche des zivilen Ungehorsam. Und wertete sie schon vor der ersten Sitzblockade als Straftat. Mit einer bisher noch nie dagewesenen Plakataktion, die das thematisierte, goss die Behörde noch Öl ins Feuer. Der Gegenprotest ließ nicht lange auf sich warten. Das Bündnis „Wir stellen uns quer“ reagierte ebenfalls mit einer Plakataktion.
Am 2. September wurde dann das gesamte Saarlandstraßenviertel wegen einer rechten Vorabenddemonstration hermetisch abgeriegelt, vereinzelte Sitzblockaden wurden von der Polizei friedlich aufgelöst.
Einen Tag später dann riegelten rund 4700 Polizisten die Nordstadt ab. Kein Durchkommen mehr. Selbst Anwohner hatten - wie schon in den Vorjahren - Problem, ihre Wohnungen zu erreichen.
Doch hatte das Wachrütteln vor den Demonstrationen gefruchtet. Weit über 14 000 Menschen beteiligten sich am Widerstand gegen die Nazis, deren Zahl mit gut 700 weit hinter deren Erwatungen zurückblieb. Vor allen Dingen auswärtige Gewalttäter nutzten die Plattform, um die Polizei anzugreifen. Es gab Verletzte.
Im Nachhinein wurde von vielen auch das übertrieben harte Eingreifen der Polizei thematisiert. Erfolg hatte der Protest gegen die Nazis vor allem auch durch eine Sitzblockade, organisiert durch Dortmunder Grünen-Politiker, in Höhe der Pauluskirche, durch die die Nazis eine andere Route als geplant nehmen mussten. Freudestränen wurden hinterher vergossen. Und die Polizei ließt trotz der Ankündigungen diese aufzulösen, die Menschen gewähren.