Dortmund-Rückblick — das ist das Wichtigste aus 2012

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Was wir bereits wissen
Was waren die Schlagzeilen des Jahres 2012 in Dortmund? Der SPD-Sieg bei der Wiederholungswahl? Der Endlos-Prozess um Envio? Die Ermordung der drei Kinder in der Fichtestraße? Oder doch der BVB? Wir haben die wichtigsten Nachrichten zusammengestellt.

Dortmund.. Na, wie war das Jahr denn so? Eins steht jedenfalls fest: Für Dortmund gehen zwölf ereignisreiche Monate zu Ende, obwohl die Stadt in der Vergangenheit auch schon turbulentere Jahre durchgestanden hat. Aber keine Angst: Neben Skandalen und schlechten Nachrichten gab es natürlich auch ein paar Lichtblicke. Und eine Wiederholungswahl, die sich gewaschen hat.

Wir haben die wichtigsten Nachrichten 2012 aus Dortmund zusammengestellt!

Wiederholung der Ratswahl 2009

Am Ende siegt doch die SPD

Finale um Wahlwiederholung schockt CDU — Ex-OB büßt mit 30 000 Euro

Von Gregor Beushausen

Drei Jahre nach der Ratswahl 2009 und langen Auseinandersetzungen vor insgesamt drei Gerichten gehen die Dortmunder im August zur Wiederholungswahl. D i e Dortmunder? Von wegen. Die Bürger machen den Politikern im Rathaus mehr als deutlich, dass sie das Theater um Haushaltslügen und Wahlwiederholungen satt haben: Sie verweigern sich. Nicht einmal jeder Dritte (knapp 33 Prozent der Wahlberichtigten) gibt seine Stimme ab - Minusrekord.

[kein Linktext vorhanden] So ist zu erklären, dass sich die SPD über ihr ungeahntes Ergebnis von 43,7 Prozent zwar ausgiebig freut, gleichwohl mischt sich auch Nachdenklichkeit in den Jubel. Die Genossen , die eigentlich keine zweite Wahl wollten, holen zwar 5,9 Prozent mehr als vor drei Jahren. Aber bedingt durch die miserable Wahlbeteiligung, sind sie eben nur scheinbar erstarkt.

Bei der CDU sieht’s vollkommen düster aus. Ihre Strategen hatten geglaubt, aus dem Hickhack um die Haushaltslüge von Ex--SPD-OB Langemeyer in Dortmund wenigstens etwas Kapital herauszuschlagen. Das Gegenteil war der Fall: Entsetzt muss CDU-Parteichef Steffen Kanitz zusehen, wie seine Farben im Vergleich zu 2009 nochmals 1,5 Prozent verlieren und auf 27,2 Prozent sacken.

Die Grünen hingegen köpfen am Wahlabend die Sekt- und Orangensaftflaschen: 17,2 Prozent ist ein gutes Ergebnis - und überdies eines, das um 1,8 Prozent höher ausfällt als vor drei Jahren. Bestätigt werden dagegen die düsteren Ahnungen, die die Frontleute von FDP/Bürgerliste Wochen vor der Wahlwiederholung beschlichen haben: Gerade noch 2,6 Prozent der Dortmunder Wähler haben bei den Liberalen ihr Kreuz gemacht, das sind 3,7 Prozent weniger. Auch die Linken müssen einsehen, dass sie ihren Zenit wohl überschritten haben: Sie verlieren 2 Prozent und rutschen auf 3,5 Prozent.

Während SPD-Parteichef Franz-Josef Drabig am Wahlabend im Überschwang des SPD-Sieges für 2014 bereits eine Neuauflage von Rot-Grün ausruft, bleibt es im Rat bei der Politik wechselnder Mehrheiten Immerhin: Mit der Wiederholungswahl kann nun endlich der Schlussstrich gezogen werden unter die leidige „Haushaltslüge“ von 2009, als Langemeyer und Ex-Stadtkämmerin Christiane Uthemann einen Tag nach der Kommunalwahl entgegen vorherigen Auskünften eben doch ein drohendes Defizit im Stadtetat einräumten.

Schlussstrich? Noch nicht ganz: Langemeyer und seine frühere Kämmerin sollen für die Kosten der Wiederholungswahl aufkommen. Um ihre Ansprüche zu wahren, stellt die Verwaltung ihren früheren Spitzenleuten eine erste Kostennote von insgesamt 570 000 Euro zu, die Wochen später nach genauer Rechnung auf insgesamt 60 000 Euro gesenkt wird. Lange-meyer und Uthemann erklären sich bereit, je 30 000 Euro zu überweisen. Die Ex-Kämmerin ist aus dem Schneider, während der Ex-OB abwarten muss, ob die Arnsberger Bezirksregierung disziplinarische Maßnahmen folgen lässt.

Gleichzeitig endet mit der Konstituierung des neuen Rates das Comeback des Jahres: Harald Heinze, früherer Oberstadtdirektor und bis 2006 Vorstandschef der Dortmunder Stadtwerke, hatte als Landesbeauftragter seit 24. Mai den aufgelösten Stadtrat ersetzt und anstelle seiner alle notwendige Entscheidungen getroffen. Heinze, ein Mann mit hoher Reputation, verabschiedet sich vor dem neuen Rat mit einem Paukenschlag, aber die Ratsvertreter stellen ihre Ohren auf Durchzug: Heinze wirbt dafür, den Rat zu verkleinern.

Klinik-Landschaft in Bewegung

Turbulente Zeiten in Klinik

Krankenhaus-Szene mächtig in Bewegung

Von Gerald Nill

Alles andere als ruhig ist das zu Ende gehende Jahr für die Krankenhäuser gewesen. Die allermeisten Häuser sind chronisch unterfinanziert und müssen sich nach der Decke strecken. Außerdem dreht sich das Fusions-Karussell immer schneller.

[kein Linktext vorhanden] Den Anfang machten zu Jahresbeginn die Evangelischen Krankenhäuser in Lütgendortmund und das Bethanien in Hörde. Für die defizitären Häuser war schon länger ein neuer Träger gesucht worden. Die beiden Krankenhäuser sind von der Evangelischen Stiftung Volmarstein übernommen worden. Für die 650 Beschäftigten in den beiden Häusern gebe es eine Arbeitsplatzgarantie bis 2013. Mit einer Ausnahme: Die rund 150 Servicekräfte. Der Umsatz soll um 10 bis 20 Prozent gesteigert werden. Den Mitarbeitern wurde in der Belegschaftsversammlung angekündigt, dass sie einen „steinigen Weg“ vor sich hätten, um die Krankenhäuser in Hörde und Lütgendortmund profitabel zu machen.

Erstmals defizitär wirtschaftete auch der „Musterknabe“ aus der Johannesstraße. Das St. Johannes-Hospital musste seinen Beschäftigten auf einer Belegschaftsversammlung einen Abbau von Stellen im Pflegebereich mitteilen.

Die Freude über den ersten Gewinn am Klinikum seit zehn Jahren währt nur kurz. Schon in diesem Jahr rutscht das kommunale Krankenhaus wieder tief in die roten Zahlen. Mit einem Defizit von 6,5 Millionen Euro wird nun gerechnet. Das trübte die Freude über die Eröffnung des neuen Zentral-OPs im Wert von 93 Millionen Euro.

Positiv steht die Knappschaft in Brackel da. Sie hat nach der Fusion mit Lünen auch den Nachbarn in Kamen übernommen.

Verbotener BVB-Grabstein

Ärger um einen BVB-Grabstein

Eltern kämpfen für letzten Wunsch ihres Sohnes

[kein Linktext vorhanden] Ein Grabstein mit Fußball und BVB-Logo – auf einem katholischen Friedhof. Das gab im November mächtig Streit. Jens Pascal, der mit gerade einmal neun Jahren gestorben war, hatte sich einen solchen Grabstein gewünscht. Die katholische Kirche verwies hingegen auf die Friedhofsordnung, nach der nur christliche Symbole auf den Gräbern verwendet werden dürfen.

Unsere Zeitung vermittelte. Am Ende einigten sich die Vertreter der Kirchengemeinde und die Eltern des kleinen Jungen auf eine neue Variante: Der Ball darf bleiben, aber er thront nicht mehr auf dem Stein. Und eine eingravierte Taube schenkt nun Frieden.

Evakuierungen im Klinikviertel

Bombe hält Klinikviertel in Atem

Bauarbeiten finden Blindgänger an der Friedrichstraße

Stunden lang hieß es Zittern und Bangen. Um 23.58 Uhr am 29. November gaben Karl-Friedrich Schröder und Uwe Pawlowski dann endlich Entwarnung: Die Fliegerbombe im Klinikviertel war entschärft.

BOMBEN-ENTSCHÄRFUNGEN IN DORTMUND Seit dem frühen Morgen hatte der explosive Fund die Stadt in Atem gehalten. Muss die Bombe gesprengt werden, weil der Zünder bei Ausschachtungsarbeiten beschädigt wurde? Muss der Evakuierungsradius wirklich einen Kilometer groß sein? Nach und nach konnten die Evakuierungsmaßnahmen für Kinderklinik, Städtische Kliniken und St. Johannes-Hospital zurückgefahren werden. Immerhin leben rund 7000 Menschen in dem betroffenen Bereich. Schließlich geht Feuerwerker Karl-Friedrich Schröder um 23.22 Uhr ans Werk. Einen Versuch gibt er sich selbst bei dem beschädigten Zünder. Und ihm gelingt es, er besiegt die Bombe. Tausende Menschen können nach Hause.

Big Tipi wird saniert

Big Tipi wird bald saniert

Stadt steckt 600.000 Euro in das Indianerzelt

Von Christina Römer

DAS BIG TIPI Seit Oktober 2010 fault das Big Tipi, das riesige Indianerzelt im Fredenbaumpark. Die Politik wollte sich nicht durchringen, 600.000 Euro für die Sanierung aufzubringen. Erst die Drohung, dass dann Fördermittel für die gesamte "Fredenbaum-Erlebniswelt" für Kinder in Höhe von 2,1 Millionen Euro zurück gezahlt werden müssen, brachte Bewegung in die Sache. Am Ende entschied aber nicht der Rat, sondern der Landesbeauftragte Harald Heinze.

BVB wird Deutscher Meister

Dortmund feiert den BVB

Hunderttausende feiern den Double-Sieger

Eine Stadt im Ausnahmezustand: Es war Mai, als das schwarz-gelbe Glück perfekt gemacht wurde. Mit einer nie und nimmer erwarteten Serie holte sich der BVB zum zweiten Mal hintereinander die Deutsche Meisterschaft. Und in Berlin ging es weiter. Mit sage und schreibe 5:2 wurden die Bayern aus München abgefertigt und auch der Deutsche Fußballpokal ging nach Dortmund. Dort fieberten Hunderttausende mit und bereiteten der Mannschaft einen triumphalen Empfang. 2012 war ein schwarz-gelbes Jahr. Die Truppe von Jürgen Klopp begeistert bundesweit und setzte in der Hammergruppe der Champions League noch einen drauf.

Kampf gegen Neonazis

Kein Raum für Nazis

Innenminister verbietet Nationalen Widerstand — Sven K. kommt frei

Von Andreas Winkelsträter

Mit dem 1. Januar 2012 hat in Dortmund eine neue Zeitrechnung im Kampf gegen Neonazis begonnen. Dortmunds neuer Polizeipräsident Norbert Wesseler hat die personalstarke Sondereinheit „Kein Raum für Rechtsextreme“ an den Start gebracht. Ihre Erkenntnisse über die Dortmunder rechtsextreme Szene führten am 23. August zum Verbot des „Nationalen Widerstandes Dortmund“ durch NRW-Innenminister Ralf Jäger. Doch die Gründung der Partei „Die Rechte“ zeigt, dass Dortmund keine Zeit hat, im Kampf gegen die Nazis durchzuatmen.

Dabei hat Dortmunds neuer Polizeichef gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Sein vehementes Auftreten gegen die rechte Szene hat zum einen die notwendigen Informationen gebracht, die schließlich zum Verbot führten. Zum anderen hat er das Image seiner Behörde mächtig aufpoliert und dafür gesorgt, dass die Polizei wieder Teil dieser Stadtgesellschaft geworden ist - und das in rekordverdächtiger Zeit.

Von Beginn an machte die Polizei ihre Ankündigungen wahr, den Rechten auf den Füßen zu stehen, sie so häufig zu kontrollieren wie es eben geht, um so auch wichtige Informationen über die Strukturen der rechten Szene, ihre Vernetzung etwa zur NPD oder zu anderen Gruppierungen, bundesweit zu sammeln.

Am frühen Morgen des 23. August dann der große Schlag gegen den rechtsextremen Nationalen Widerstand. Nachdem Innenminister Ralf Jäger Anfang 2012 mit seinem Acht-Punkte-Programm die Verfolgung der rechtsextremen Szene auf den Weg gebracht hatte, verfügte er das Verbot gegen den „NW DO“.

Keine Demo am Antikriegstag

Hunderte Beamte durchsuchten auch in Dortmund Wohnungen und das „Vereinsheim“ an der Rheinischen Straße. Waffen, Propagandamaterial sowie das gesamte Vereinsvermögen wurden sichergestellt. Zwar gab es keinen eingetragenen Verein, doch habe der NW DO vereinsähnliche Strukturen, argumentierten Jäger und Wesseler. Aus diesem Verbot heraus erfolgte dann auch ein erfolgreiches Nein zu den rechtsextremen Aufmärschen am 1. September, dem von den Rechten so genannten Antikriegstag.

Unverständlich im Herbst die Haftverschonung von Sven K., der sich wegen eines Überfalls auf dem Weihnachtsmarkt vor dem Landgericht verantworten muss. „Keine Wiederholungsgefahr“ hießt es in der Begründung der 31. Strafkammer, als man den Haftbefehl gegen den 25-Jährigen aussetzt, der bereits wegen Totschlags an dem Punker Thomas Schulz fünfeinhalb Jahre in Haft gesessen hatte. Erst eine Beschwerde der Staatsanwaltschaft führte zur erneuten Festnahme von Sven K. am 18. Dezember.

Freispruch für mutmaßliche Rädelsführer

Auf großes Unverständnis stieß im Herbst das Urteil vor dem Amtsgericht gegen die mutmaßlichen Rädelsführer des Angriffs auf die Maikundgebung des DGB aus dem Jahre 2009. Dennis G. und Alexander D. werden freigesprochen. Ihnen können Landfriedensbruch und Verstöße gegen das Versammlungsrecht drei Jahren nach dem Vorfall nicht mehr nachgewiesen werden.

Dass Dortmund keine Ruhe findet im Kampf gegen Rechtsextreme, zeigen die neuerlichen Kundgebungen in Rufweite der Wohnungen von Dortmunder Politikern. Eine neue Dimension des rechten Terrors.

Sex-Täter wird rückfällig

Mädchen (7) missbraucht

Rückfälliger Sexualstraftäter Heinrich K. wieder in Haft

Von Kathrin Melliwa

Er war der Mann, in dem sich alle täuschten: Therapeuten, Polizisten, Bewährungshelfer. Sie alle hatten es bejaht, dass der vorbestrafte Sexualstraftäter Heinrich K., der nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte aus der nachträglich angeordneten Sicherungsverwahrung entlassen werden musste, nicht mehr rund um die Uhr von 24 Polizisten bewacht werden sollte.

Einen Monat später lockt Heinrich K. ein siebenjähriges Mädchen in die Tiefgarage am Hauptzollamt. Ein Abgleich der DNA-Spuren führte die Ermittler zu dem Angeklagten. Am 16. Mai 2012 wird Heinrich K. zu drei Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Die Gutachterin Dr. Marianne Miller hatte den 50-Jährigen zuvor im Prozess als „nicht therapierbar“ bezeichnet.

Neuer "Tatort"

Neuer Dortmund-Tatort

Tatort-Kommissar Faber spaltet die Fan-Gemeinde

Faber heißt der neue Tatort-Kommissar, der in Dortmund zusammen mit seinem Team ermittelt. Manchen Zuschauern der ARD-Serie ist er allerdings noch etwas gewöhnungsbedürftig — vor allem in seinem wenig kompatiblen, eigenbrödlerischen Sozialverhalten. Ansonsten bietet das Team gute Sonntagabend-Unterhaltung.

Gespannt sind die Zuschauer schon jetzt auf das Milieu der dritten Folge. In der der zweiten war es Hardcore-Nordstadt — in der ersten kam natürlich auch ein Hobby-Taubenzüchter vor.

Samenraub-Urteil

Eingefrorenes Sperma benutzt

Ärzte müssen nach Samenraub zahlen

Von Kathrin Melliwa

Nach dem „Samenraub“ in einer Kinderwunschpraxis müssen zwei Ärzte für Zwillinge Unterhalt bis zu ihrem 18. Lebensjahr zahlen. So lautete das Urteil der Arzthaftungskammer. Der Vater der Kinder hatte die Ärzte verklagt, weil die künstliche Befruchtung ohne sein Wissen geschah. Im Jahr 2004 ließ er sein Sperma einfrieren – vorsorglich, falls er einmal schwer krank werde. Die Laufzeit des Vertrags betrug ein Jahr.

Drei Jahre später, als das Paar längst getrennt war, bekam seine Ex-Freundin Zwillinge. Das Sperma, so das Gericht in seinem Urteil, hätte nach dem einen Jahr Laufzeit vernichtet werden müssen. Stattdessen sei es weiter benutzt worden.

PCB-Skandal bei Envio

Endloser Envio-Prozess

Verfahren im PCB-Skandal bisher bis 2014 terminiert

Von Kathrin Melliwa

Der Prozess des Jahres begann am 9. Mai 2012. Wann das Verfahren gegen Ex-Envio-Chef Dr. Dirk Neupert und weitere drei Mitarbeiter des stillgelegten Recyclingunternehmens am Hafen endet, ist absolut ungewiss. Bisher hat die 35. Große Strafkammer Verhandlungstage bis Januar 2014 terminiert. Körperverletzung von 51 Arbeitern sowie schwere Umweltverstöße wirft die Staatsanwaltschaft Dr. Neupert und einem weiteren Manager vor, die anderen beiden ehemaligen Mitarbeiter sind wegen Beihilfe zu Umweltverstößen angeklagt.

Sieben Gutachter werden nach bisherigem Verfahrensstand zu der potenziellen Gefährlichkeit von PCB gehört – jenem Gift, dem die Arbeiter laut Anklage ungeschützt ausgesetzt waren. Das Problem: Bisher konnte kein Sachverständiger eine Kausalität zwischen erhöhten PCB-Werten und gesundheitlichen Schädigungen feststellen.

Dortmunder Krankenkassen in Bewegung

Skandale und Rettungen

Krankenkassen BKK Hoesch, BIG und AOK schrieben Schlagzeilen

Von Gerald Nill

Kurz vor dem Untergang gerettet worden ist die traditionsreiche BKK Hoesch. Die Krise, ausgelöst durch ein unerwartetes Millionen-Defizit Ende 2010, kostete letztlich jedes zweite Mitglied, weil die nicht bereit waren, den hohen Zusatzbeitrag von 15 Euro im Monat aufzubringen.

Doch in diesem Jahr gab es ein Happy End: Die BKK Vor Ort übernahm die deutlich kleinere Schwester und rettete den Bestand. Mit dem Übernahmedatum 1. 10. entfiel auch der Zusatzbeitrag. Erst da wurde bekannt, dass Tausende Mitglieder diesen Beitrag nicht bezahlt hatten. Erstaunlich vielen Mitgliedern gelang es dann noch, den erhobenen Säumniszuschlag nicht zu zahlen. Jetzt wird allerdings nach vorne geblickt.

In turbulentem Fahrwasser ist auch die Direktkasse BIG. Und das trotz blendender Bilanzen. Trotzdem musste der Vorstand Frank Neumann im Sommer seinen Hut nehmen. Erst später sickerte durch, dass die BIG eine Prüfung durch den Bundesrechnungshof und durch die Aufsichtsbehörde BVA hatte - mit wenig schmeichelhaften Rügen. Vor allem ging es um die horrenden Kosten durch zu üppig angemieteten Büroraum unterm „U“. Gerügt wurden auch die Annahme von wertvollen Weihnachtspräsenten, die der Gebäudeentwickler für eine Tombola geschickt hatte. Inzwischen hat die BIG ihrem Vorstand eine Regressforderung von über einer Million Euro zugestellt.

Positives gab es von der AOK Nordwest. Die Kasse baute auf der Stadtkrone Ost neu - „ein Kassenmodell“ hieß es anerkennend bei der Eröffnung. City-Mitarbeiter wechselten vor Weihnachten vom Altbau am Königswall ins Harenberg-Haus.

DFB-Fußballmuseum

Baubeginn fürs Fußballmuseum

DFB bittet zum „ersten Spatenstich“ am Hauptbahnhof

Von Gregor Beushausen

Gruppenbild mit Dame: Im September versammelt sich eine illustre Schar von Ex-Bundesligaprofis und Sportfunktionären um NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft auf dem Platz des früheren Busbahnhofs und greift zum Spaten.

Es ist eine Inszenierung, die den Baubeginn fürs DFB-Fußballmuseum markieren soll - tatsächlich rücken die Arbeiter erst 2013 an. Der Rummel ist groß, mit jeder Frage nach den finanziellen Folgen für die Stadt erreicht OB Sierau höhere Betriebstemperatur. Den Offiziellen schmeckt nicht, dass der Bund der Steuerzahler hartnäckig lanciert, Dortmund fahre hohes Risiko: Während der schwerreiche DFB mit höchstens 250 000 Euro haftet, falls das Haus Verluste erwirtschaftet, hat die Stadt für sich keine Obergrenze in die Verträge einziehen können.

Offen ist auch, wer einspringt, falls die Baukosten aus dem Ruder laufen: 36 Mio. Euro soll das 6000 qm große Museum kosten, das mit 18,5 Mio. Euro vom Land getragen wird. Der DFB selbst steuert 7,9 Mio. Euro bei, weitere 10 Mio. fließen von Sponsorenkonten. Die Stadt kommt bei der Freilegung des Baufeldes mit rund 5 Mio. Euro ins Spiel, die vom Land gefördert werden.

Ungeachtet der Kritik des Steuerzahler-Bundes, der das Haus sogar im „Schwarzbuch“ erwähnt, soll die Pilgerstätte der Fußball-Jünger Ende 2014 eröffnet werden. DFB-Präsident Niersbach rechnet mit 250 000 Besuchern pro Jahr. Und die Stadt mit zusätzlichen Umsätzen in der Gastro- und Einzelhandelsbranche.

Arbeitsmarkt-Zahlen

Einschläge auf dem Arbeitsmarkt

Schlechte Zahlen auch durch Schlecker, Continental und van Netten

Von Frank Bußmann

2013 war auf dem Arbeitsmarkt ein durchwachsenes Jahr für Dortmund. Die Arbeitslosenquote liegt nach wie vor bei rund 12,6 Prozent. Eindeutig zu viel, ähnlich wie der hohe Sockel an Langzeitarbeitslosen. Jener großen Gruppe Dortmunder, an denen seit mehr als zwei Jahren die Bewegungen des Stellenmarktes vorbei gehen.

2013 blieb von schlechten Nachrichten nicht verschont. Auch in Dortmund sorgte Schlecker für negative Schlagzeilen. In beiden Entlassungswellen haben sich knapp 180 Frauen arbeitslos gemeldet. Im Herbst hatten 43 von ihnen wieder einen neuen Job gefunden.

Kurz vor Weihnachten dann der nächste Schlag. Van Netten, ein Unternehmen in der vorläufigen Insolvenz, teilte auf einer Betriebsversammlung in Brackel mit, dass 115 der 250 Beschäftigten gehen müssen. Man will sich ab Januar auf die Produktion eines ausgewählten Süßwaren-Sortiments konzentrieren. Die Gesellschaft selbst soll in einem Insolvenzplanverfahren saniert werden. Das ist die Absicht.

Auch bei Conti beginnt in diesen Monaten der Kahlschlag. Der Automobilzulieferer Continental (früher VDO) will bis zum Jahr 2014 400 Stellen der aktuell 1100 abbauen. Das beinhaltet auch die Trennung von Leiharbeitern und von Kollegen mit befristeten Verträgen.

Trauer um drei ermordete Kinder

Drei kleine Kinder ermordet

Feuer in Fichtestraße — Haftbefehl gegen Lebensgefährtin des Vaters

Von Andreas Winkelsträter

Es war eines der grausamsten Verbrechen der letzten Jahre in Dortmund: Drei kleine Kinder mussten sterben. Auf die Frage „Warum?“ gibt es bislang keine Antworten. Eine Tatverdächtige, die 29-jährige Milka D., sitzt in Haft und schweigt. Sie soll Mustafa, Mehmet und Zilan, die Kinder ihres Lebensgefährten, nachts getötet und anschließend Feuer in der Wohnung an der Fichtestraße gelegt haben.

Um 5 Uhr morgens wird die Feuerwehr alarmiert. Flammen schlagen schon aus dem Fenster der Erdgeschosswohnung. Den Rettern bieten sich grauenvolle Bilder. Sie finden den kleinen Mustafa (4) tot in der Wohnung ebenso wie seine 12-jährige Schwester Zilan. Ihr 10-jähriger Bruder Mehmet überlebt zunächst, erliegt jedoch wenig später seinen schweren Verletzungen im Krankenwagen.

Noch am selben Tag steht fest: Die Kinder starben nicht beim Feuer, sondern wurden vorher erstochen. Dann erst wurde der Brand gelegt. Schnell gerät die 29-jährige Lebensgefährtin ins Visier der Ermittler. Sie war nachts bei ihrem Freund aufgetaucht, der sich bei seinem Onkel einen Wagen leihen wollte - und sie soll eine blutende Verletzung am Arm gehabt haben. Der Vater wollte die Reisepässe seiner drei Kinder in der Botschaft verlängern lassen. Die drei sollten für immer in die Türkei gebracht werden. Denn ihre Mutter war vor ein paar Jahren bei einem tragischen Unglück vom Balkon gestürzt und gestorben.

Gegen die Lebensgefährtin des Vaters wird Haftbefehl wegen dreifachen Mordes und besonders schwerer Brandstiftung erlassen. Bislang schweigt die Frau zu den Vorwürfen.

In einer bewegenden Trauerfeier nehmen Verwandte, Freunde und viele Bürgerinnen und Bürger Abschied von Mustafa, Zilan und Mehmet. Noch in derselben Nacht sind die Leichen der Kinder in Begleitung ihres Vaters in die Türkei ausgeflogen worden. Hier sind die Kinder auch beerdigt worden.

Überfüllte Flüchtlingsheime

Notquartiere für Flüchtlinge

Aufnahmestopp in Hacheney — Flüchtlinge in Derne und Loh-Grundschule

Von Christina Römer

Aufnahmestopp in Hacheney. Unzählige Menschen stehen mit ihren Habseligkeiten vor der Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) des Landes für Flüchtlinge und warten auf Einlass. Die Kapazitäten von höchstens 350 Menschen in der EAE in Hacheney war bei weitem überschritten. Am 9. Oktober war klar: In der EAE kann niemand mehr aufgenommen werden. Mit 880 Menschen war die Einrichtung hoffnungslos überfüllt. Notunterkünfte mussten her. Bereits im September war die alte Hauptschule Derne als Ausweichquartier für Flüchtlinge geöffnet worden.

Am 9. Oktober musste noch mehr Platz geschaffen werden: In der Brügmann-Turnhalle wurden Feldbetten aufgestellt. Einige Tage später wurde zusätzlich die Loh-Grundschule erschlossen. Das Land musste nun Abhilfe schaffen - mit Erfolg. Täglich wurden nun Flüchtlinge in andere Städte weiter geleitet.

Anfang November kam die Entwarnung. Waren zuletzt noch 100 bis 150 Asylsuchende täglich in Dortmund eingetroffen, verringerte sich die Zahl auf etwa 60 bis 100. Mitte November waren in der Erstaufnahme in Hacheney dann nur noch 245 Menschen registriert – und damit der Regelbetrieb wieder zurückgekehrt.