Dortmund hat zu wenig Klinikbetten für Grippewelle

Die Grippewelle greift um sich, in  Dortmund musste bereits eine Schule geschlossen werden.
Die Grippewelle greift um sich, in Dortmund musste bereits eine Schule geschlossen werden.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Dortmund erlebt eine der schlimmsten Grippewellen der vergangenen Jahre - mit dramatischen Folgen für Patienten, die einen Klinikplatz brauchen.

Dortmund.. Dortmund erlebt zurzeit eine der schlimmsten Grippewellen der vergangenen Jahre. Das hat dramatische Folgen für Patienten, die in Krankenhäusern der Stadt behandelt werden müssen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Gibt es zu wenige Krankenhausbetten in Dortmund, sodass bei akuten Infektions-Wellen selbst Patienten mit anderen Krankheiten nicht befriedigend versorgt werden können?

Es gibt zu wenige allgemeininternistische Betten. Zwischen Soll- und Ist-Zahlen klafft stadtweit eine Lücke. Nach dem Krankenhausbedarfsplan erfüllt Dortmund mit über 1300 internistischen Betten den errechneten Bedarf sogar über. Aber: Sehr viele Betten müssen aus dieser Zahl herausgerechnet werden, da sie Spezialgebiete abdecken wie die Kardiologie, Nephrologie oder Onkologie.

Dr. Frank Renken, Vize-Chef des Gesundheitsamts, schaute in die Statistik: Danach sind 171 Betten von 400 internistischen im Klinikum Spezialgebieten vorbehalten. Am St.-Johannes-Hospital bleiben von 215 Betten in der Inneren Medizin nur 39 für die allgemeine internistische Versorgung. Die reale Situation ergibt stadtweit einen Fehlbedarf von fast 120 Betten. Dazugerechnet werden müssen noch die 80 weggefallenen Betten aus der geschlossenen Inneren Abteilung am früheren Bethanien-Krankenhaus und jetziger Ortho-Klinik in Hörde. Die fehlen nun empfindlich.

Warum stellen die Krankenhäuser nicht mehr allgemeininternistische Betten bereit?

Weil sie die durch die Fallpauschalen der Krankenkassen nicht gegenfinanziert bekommen. Orthopädische Betten bringen mehr Geld ein. Krankheit

Hat das Klinikum zu wenige internistische Betten?

Nein. Das Klinikum nimmt sogar darüber hinaus internistische Patienten auf, weil der Druck so groß ist, sagt der Ärztliche Direktor Dr. Michael Schwarz.

Darf ein Krankenhaus Patienten ablehnen, wenn es voll ist?

Nein. Akutkrankenhäuser machen sich strafbar, wenn sie Patienten nicht annehmen. Das gilt für Notfälle, auch wenn die Häuser randvoll sind. Das sagt Dr. Hans Lemke, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes der Stadt.

Seit wann ist die Situation an den Dortmunder Kliniken so verschärft?

Seit etwa zwei Wochen durch die erhöhte Infektionslage. Der Rettungsdienst hatte in diesen Tagen erstmals innerhalb von 24 Stunden über 60 Notfalleinsätze.

Was sind das für Notfalleinsätze?

Zu 80 Prozent sind es internistische Probleme. Es gibt eine extrem angespannte Situation bei älteren Patienten. Sie haben eine deutlich erhöhte Infektionslage. Dazu kommen Winter-Unfälle. Allein Mittwochmorgen gab es zwei Hubschrauber-Einsätze aufgrund von Glatteis-Unfällen.

In der Unfallklinik kommt es immer wieder zu Engpässen bei Untersuchungsterminen im Magnetresonanztomographen. Auch Patientin Alexandra Haskamp bekam das zu spüren.

Die gibt es jetzt nicht mehr, sagt der Ärztliche Direktor, Prof. Schwarz. Seit zwei Wochen ist ein neues, schnelleres Diagnosegerät am Netz.

Werden Patienten weiter damit rechnen müssen, auf dem Flur zu landen?

Solange die Situation in den Krankenhäusern so angespannt bleibt, ja. Meistens sind dies aber höchstens ein paar Stunden. Es gibt immer wieder Überschneidungen, bis ein Patient entlassen, Betten gereinigt und neu bezogen sind.