Dortmund - fast das Schlusslicht in NRW?
16.04.2009 | 19:05 Uhr 2009-04-16T19:05:00+0200
Udo Mager, oberster Wirtschaftsförderer der Stadt, bleibt entspannt: Bei einem Vergleich unter bundesweit 409 Kreisen und Städten landet Dortmund, was Wohlstand, Arbeitsmarkt und Wirtschaftskraft betrifft, im unteren Drittel auf Rang 335.
In der NRW-weiten Hitliste zählt Dortmund sogar zu den Schlusslichtern und findet sich unter 54 Städten und Kreisen abgeschlagen auf Rang 50 wieder. Nur Hamm, Duisburg, Herne und Gelsenkirchen schneiden schlechter ab. So liest sich die aktuelle Studie der vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall finanzierten „Neue Initiative Soziale Marktwirtschaft”.
Leider, so Mager, komme den Faktoren „Wohlstand” und „Arbeitsmarkt” das größte Gewicht zu. „Dass eine Stadt, die im Strukturwandel steckt, dabei eher schwächere Daten aufweist, liegt auf der Hand.” Bei anderen, in die Zukunft gewandten Kriterien wie Firmengründungen, Bruttoinlandsprodukt und Qualifaikation der Arbeitskräfte erreiche Dortmund durchweg gute Noten. „Nur leider werden sie nicht so stark gewichtet.”
Fettes Minus bei Wohlstand und Arbeitsmarkt
Tatsächlich sammelt Dortmund bei Wohlstands- und Arbeitsmarktdaten fette Minuspunkte. Die Kaufkraft (17 794 Euro/Einwohner) liegt unter dem Mittel von bundesweit 18 541 Euro. Entsprechend bescheiden der Gemeindeanteil an der Einkommensteuer: Mit 280 Euro/Einwohner kommt Dortmund soeben über dem Schnitt von 282 Euro. Kräftig ins Kontor schlägt die hohe Arbeitslosenquote mit 15,1 Prozent in 2008. Gerade 53,8 Prozent aller Erwerbsfähigen (bundesweit 60 Prozent) haben einen Job, und die Geringfügig Beschäftigten sind da bereits eingerechnet. Die hohe Dichte an ALGII-Empfängern und die nicht minder hohe Zahl junger Arbeitsloser bringen weitere Punktabzüge . Auch wundert es nicht, dass mit 13,8 Prozent deutlich mehr Bürger verschuldet sind als bundesweit (9,6 Prozent). Mit dieser Quote reiht sich Dortmund auch in NRW in die unteren Zonen ein - Platz 44 von 54.
- Trotz der relativ bescheidenen Wirtschaftsdaten werde Dortmund von der Konjunktukrise „eher schwach betroffen” sein, sagt die Studie.
- „In Sachen Marketing ist Dortmund spitze”, urteilt Michael Bahrke, IWConsult, „aber die wirtschaftlichen Daten sehen anders aus.”
- NRW-weit belegt Dortmund den 50. von 54 Plätzen. Sogar Oberhausen (49), Bochum (44) und Essen (43) liegen vor Dortmund.
- Auf dem ersten Platz in NRW: der Landkreis Olpe.
Die Spitze des Schuldenturms erreicht Dortmund zwar nicht. Aber mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 1921 Euro liegt die Stadt über dem Schnitt von 1456 Euro, kann aber in NRW zumindest mit Rang 37 einen Mittelfeldplatz belegen. Nachholbedarf sieht die Studie bei der Kinderbetreuung. Der Anteil der betreuten Sprößlinge unter 8 Jahren beträgt 48,1 Prozent, deutschlandweit 54,3 Prozent. Sogar in NRW rangiert Dortmund an gerade 21. Stelle.
Gut bei Hightech-Jobs
Obschon es einen hohen Anteil Niedriglöhner gibt, kommt der Vergleich zu dem Schluss, dass die Arbeitskosten (Arbeitnehmerentgelt) mit 34 806 Euro pro Beschäftigtem/Jahr höher ausfallen als in vielen anderen Städten. Neben einer großen Zahl an ALGII-Empfängern und Geringverdienern arbeiten in Dortmund auch 10,8 Prozent Hochqualifzierte (bundesweit 7,8 Prozent) in High-Tech-Branchen: Belohnung: Platz 8 in NRW und Platz 59 im Bund.
Auf 100 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte kommen 3,2 Ingenieure - deutschlandweit sind es 2,2 Pluspunkte gibt's für die Produktivität. Jeder Erwerbstätige erwirtschaftet Güter und Dienstleistungen im Wert von 66 437 Euro - das liegt über dem Bundesschnitt von 58 299 Euro. Den Durchmarsch bis auf Platz 2 in NRW macht Dortmund bei den Unternehmensgründungen: Pro 1000 Einwohner gibt es 3,3 Gewerbeanmeldungen. Auch die Bevölkerungsentwicklung spricht für Dortmund: Die Einwohnerzahlen gehen langsamer zurück als andernorts. Und: Als Oberzentrum bietet Dortmund Arbeitsplätze für Menschen aus dem Umland. Auf 100 Einwohner kommen 3,9 Einpendler. In vielen anderen Städten sieht es umgekehrt aus: Rang 9 in NRW.
11:56
@16 Wie? Echt nicht? Dabei gibt es täglich Fehlgeleitete, die sogar gern hierher ziehen *gg*.
Die kommen wahrscheinlich alle obdachlos aus Bielefeld *scnr*
18:32
Wer es noch nicht gemerkt hat: es gibt keine Wohnpflicht in Dortmund. Wem es hier nicht passt, der soll doch einfach nach Düsseldorf ziehen - wir werden niemanden vermissen.
10:50
Samtlebe, Langemeyer und nun vielleicht Sierau, wer sich die Pest in die Stadt holt, darf sich nicht wundern daran zu sterben! Ich sage nur Thier Gelände, Hauptbahnhof usw. Alle samt Versager, aber die Dortmunder wachen ja nicht auf!
19:19
Ist Standard, ist Dortmund! Aber mal im erst, sollte man die Auftragbeber der ominösen Studie, die börsen(ver)zockenden Arbeitgeber von Gesamtmetall, überhaupt ernst nehmen???
14:14
#murphy42,
Wer auf wen reinfällt, müsste sich noch testen lassen. Man kann z.B. im Revier auch auf die sozialdemokratischen Beschwichtiger hereinfallen, die den eigenen Saftladen noch loben, wenn er schon vor der Pleite steht. Jeder, wie er kann. Sie können natürlich auch jegliche Studie negieren. Dann quatscht halt jeder daher, wie er kann. Wen interessiert es, außer ein paar arbeitslosen Dauerschreibern im Forum? Ich muss jetzt wieder Geld verdienen - allerdings nicht im Revier.
14:05
@Marktwirtschaftler: Hi, hi, genau darum geht es. Das Rankings irgendwie Kritik sind. Nur weil die Äpfel in Nachbarsgarten runder sind, bedeutet dass noch lange nicht, das meine Birnen schlecht sind. Das ist nämlich definitiv zu einfach, aber so arbeiten die Meinungsmacher mit solchen Rankings und Sie fallen darauf rein. Das ist genau das, was neuerdings ein mündiger Bürger ist. Mach ein Ranking und dann ist klar was gut und schlecht ist.
13:53
Komisch, dass immer nur die anderen Wahlkampf machen, gell? Selbst ist man die Objektivität in Person. Und wer kritisiert, ist eben ein Dämlack, gell? Mit Kritikfähigkeit haben es die Menschen im Ruhrgebiet nicht viel. Da wird gleich die Keule zum Gegenschlag herausgeholt. Wen interessierts? Der Wohlstand entsteht woanders.
13:26
@ vaikl: da brauchen sie keine Angst zu haben. Ich hoffe das Herr Mager das Geld für Wirtschaftsförderung sinnvoller ausgibt.
Und wer unbedingt Rankings braucht, um Sachen mit einander zu vergleichen, kann ja auf die Bundesligatabelle ausweichen. Da wird noch echte Leistung miteinander verglichen, Da kann ein Punkt bei der Tordifferenz ausschlaggebend für den Tabellenplatz sein :).
12:20
Ich kann nur hoffen, dass diese Entrüstung über soviel Ranking-Schwachsinn genauso hoch ist, wenn Herr Mager seine Gegenstudie veröffentlicht.
11:03
Muss man sowas ernst nehmen? Wenn eine von Arbeitgebern finanzierte Studie u.a. feststellt, dass die Arbeitskosten zu hoch sind ? Ist dies tatsächlich eine ernsthafte Studie, oder werden hier einfach die unterschiedlichsten Daten solange durcheinander geworfen und miteinander verglichen, bis das gewünschte Ergebnis rauskommt?
So viel wissenschaftlich angestrichenen Datenmüll bekommt man sonst selten zu lesen.
Die Betreuung der unter 8 jährigen liegt unter dem Bundesschnitt, die Arbeitslosenquote ist mit über 15 % über dem Bundesschnitt. Ob es da vielleicht einen Zusammenhang gibt? Möglicherweise betreuen arbeitslose Eltern ihre Kinder zu Hause.
Diese Studie zeigt eigentlich nur wie unsinnig solche Rankings sind und wie leicht sich diese für politische Ziele benutzen lassen. Schade nur das die WR dieser Studie soviel Raum gibt. Sie ist es nicht wert.