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Rechtsextremismus

Dortmund braucht einen langen Atem

01.12.2009 | 20:40 Uhr
Dortmund braucht einen langen Atem

Dortmund. Die rechtsextreme Szene in Dortmund ist im Vergleich zu anderen Städten sehr auffällig. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Uni Bielefeld, die die Stadt Dortmund in Auftrag gegeben hatte. Nur in Berlin sei eine größere Ansammlung von Autonomen Nationalisten zu beobachten.

Prof. Wilhelm Heitmeyer von der Uni Bielefeld hat am Dienstag seine von der Stadt Dortmund in Auftrag gegebene Studie zur „Analyse des Rechtsextremismus in Dortmunder Stadtbezirken” vorgestellt. Es gebe ein "breites Band" rechtsextremer Strukturen, so Heitmeyer. „Die Dortmunder Szene der Autonomen Nationalisten ist im Bundesvergleich sehr bemerkenswert. Neben Dortmund ist nur noch in Berlin eine größere Zusammenklumpung zu beobachten.”

Es sei außerordentlich zu begrüßen, so der Professor vom Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG), „dass die Stadt so offensiv mit dem Thema umgeht.” Oft werde so getan, als könne man solche Probleme wegschreiben. Doch man benötige, auch hier in Dortmund, einen langen Atem.

Heitmeyer kommt zu dem Schluss, dass der Dortmunder Rechtsextremismus in Bewegung sei, zum Teil mit konkurrierenden rechtsextremen Strukturen. Von besonderer Relevanz seien die relativ neuen Strukturen der Autonomen Nationalisten. Sie seien die treibende Kraft in Dortmund, verbreiteten ihre Ideologien zeitgemäß und finden bei Jugendlichen Anklang. Zahlen über die Größe dieser Gruppe konnte Heitmeyer nicht nennen, „da sie keine Vereinsstrukturen aufweisen.” Fakten, die schon seit 2005 in Dortmund bekannt sind.

Prof. Wilhelm Heitmeyer (re.) und OB Ullrich Sierau stellten die Studie vor.

Da man an die Kader nicht herankomme, „muss man die Aktivitäten verbessern, um das sympathisierende Umfeld zu beeinflussen”. Man müsse sich die Frage stellen, ob die Stadtgesellschaft dieser Gruppe etwas anbieten könnte, das den Eventcharakter haben, den ihnen die Rechten bieten. Das sei ein ganz wichtiger Punkt. Das versuchen allerdings u.a. das Bündnis Dortmund gegen Rechts oder auch der Aktionskreis gegen Rechtsextremismus schon seit geraumer Zeit.

Bei der Analyse der „gruppenbezogenen Menscheinfeindlichkeiten” haben sich die Wissenschaftler bei der 50 000 Euro teuren Studie auf zwei Stadtbezirke konzentriert: Eving und die Innenstadt-West, in der allerdings auch - völlig unverständlich - das alternative Kreuzviertel mit einbezogen worden ist. „So äußerten beispielsweise in Eving 39,6 Prozent fremdenfeindliche Einstellungen, während dies in Innenstadt-West nur auf 17 Prozent zutrifft”, so Heitmeyer. Und an diese Einstellungsmustern knüpften die Rechten an. Dabei sei Rechtsextremismus kein ausschließliches Jugendproblem. Man müsse auch in Kirchengemeinden oder Schützenvereine rein, um an die ältere Generationen zu kommen. Wichtig: Rechtes Gedankengut dürfe nicht zur Normalität werden.

Netzwerke gut aufgebaut

Die Netzwerke gegen Rechtsextremismus „sind in Dortmund ganz gut aufgebaut”. Allerdings sei es wünschenswert, mehr junge Leute und Frauen in diese Netzwerke einzubinden, um ein Abbild der Gesellschaft zu schaffen. Auch sei ein bestimmter Institutionalisierungsgrad für die Netzwerke wünschenswert.

Hartmut Anders-Hoepgen von der Koordinierungsstelle für Vielfalt, Toleranz und Demokratie beim OB zeigte sich sehr froh darüber, dass die Studie nun da ist. Man werde diese auf einem Bürgerforum Anfang 2010 einer breiten Öffentlichkeit vorstellen und sie mit dem Netzwerk diskutieren. Man werde nun mit allen Beteiligten Strategien entwickeln, „die auch tatsächlich treffen, die wir jetzt jedoch noch nicht vorstellen werden”, sagte OB Ullrich Sierau.

Andreas Winkelsträter

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