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Doppelmord von Dortmund-Eving lässt Ermittler noch immer rätseln

15.02.2012 | 09:00 Uhr
Doppelmord von Dortmund-Eving lässt Ermittler noch immer rätseln

Dortmund.  Vieles nach dem Doppelmord am 28. Juni 2008 in der Zipsstraße 15 in Dortmund-Eving „sind Spekulationen“, so Staatsanwalt Henner Kruse. Trotz einer operativen Fallanalyse durch das Landeskriminalamt „können uns einige entscheidende Fragen nur die Täter beantworten.“ Eine Analyse.

Waren die Täter so skrupellos, dass sie zwei Menschen kaltblütig umgebracht haben? Oder waren sie überrascht, dass Mutter und Tochter beim Einbruch im Haus waren, aufgewacht sind und sich den Einbrechern womöglich in den Weg stellten? Eskalierte die Gewalt?

Und Edith S. (85) und ihre Tochter Roswitha C. (59) wurden getötet, damit die beiden Einbrecher 10.000 Euro Beute machen konnten? Vieles nach dem Doppelmord am 28. Juni 2008 in der Zipsstraße 15 in Eving „sind Spekulationen“, so Staatsanwalt Henner Kruse. Trotz einer operativen Fallanalyse durch das Landeskriminalamt „können uns einige entscheidende Fragen nur die Täter beantworten.“

Zunächst ging man von einem Tatzeitraum zwischen dem 26. und 28. Juni aus. Nach Zeugenbefragungen konnten die Ermittler den Zeitpunkt ziemlich exakt bestimmen. „Zeugen haben am 28. Juni zwischen 3.20 und 3.30 Uhr laute Schreie gehört“, berichtet der Staatsanwalt. Ein Nachbar habe auf den Wecker geguckt, der 3.22 Uhr anzeigte. Ein anderer Anwohner habe schon zum Telefon gegriffen, wollte die Polizei anrufen. Doch habe keiner der Anwohner genau lokalisieren können, woher die Schreie kamen, die dann auch verstummten.

Freunde wussten über das Geld Bescheid

„Wir gehen davon aus, dass es sich um eine gezielte Tat handelt“, so Kruse. Vermutlich hätten die Täter mitbekommen, dass die beiden Frauen eine hohe Summe Bargeld im Haus hatten. Sie wollten Fenster und Türen erneuern lassen, hatten deshalb 20 000 Euro von der Bank abgeholt. „Vor allem die jüngere der beiden Frauen ist damit offen umgegangen“, erzählt Kruse. So wussten Freunde und Bekannte über das Geld Bescheid. Auch an ihrer Arbeitsstelle, einer Wäscherei, und in der Gaststätte „Stübchen“, einer nahe gelegenen Kleingartenanlage, habe die 59-Jährige hiervon erzählt. „So laut, dass es auch Unbeteiligte hätten hören können“, sagt Henner Kruse. Möglicherweise auch die Täter.

Nach den bisherigen Ermittlungen gelangten die beiden Täter, vermutlich ein Mann und eine Frau, durch ein auf Kipp stehendes Fenster auf der Rückseite des Hauses in die Wohnungen. Ob die Täter erst die 85-Jährige im Erdgeschoss in deren Bett umgebracht haben, dann auf die Tochter stießen, die im Dachgeschoss geschlafen hatte, könne man mit letzter Sicherheit nicht sagen. „Wir konnten DNA-Spuren am Hals der 85-Jährigen sichern, die von einer Frau stammen“, so der Staatsanwalt.

Die alte Dame sei in ihrem Bett im Erdgeschoss durch Gewalt gegen ihren Hals getötet worden. Ihre Tochter, das könne man durch die gesicherten Blutspuren mit Sicherheit sagen, sei zunächst in ihrem im Dachgeschoss stehenden Bett angegangen worden. Sie lag schließlich tot am Fuße der Treppe zur ersten Etage. Eine weitere DNA-Spur, die eines Mannes, konnte man im Dachgeschoss an einer steilen Treppe sichern. „Aufgrund der beiden Spuren gehen wir davon aus, dass es sich bei den Tätern um einen Mann und eine Frau handelt“.

Täter waren offenbar überrascht

Es spreche vieles dafür, dass die Täter von den beiden Frauen überrascht worden seien, als sie aufgewacht sind. Und dann mussten sie sterben. Die Täter hätten das Haus vom Dachgeschoss aus mit Ausnahme des Kellers durchsucht, hatten es offensichtlich auf die 20.000 Euro abgesehen. Denn anderes Bargeld, etwa eine Stammtischkasse in Höhe von 420 Euro oder Bares in Geldbörsen, ließen die Täter am Tatort zurück. Bei der Suche nach dem fünfstelligen Bargeldbetrag wurden sie nur zum Teil fündig. „Die 59-Jährige hatte 10.000 Euro in Keramiktöpfen im Küchenschrank versteckt“, berichtet Kruse. Dieses Geld fanden die Täter und ließen es mitgehen. „Die restlichen 10.000 Euro, die gut im Keller versteckt waren, haben die Täter nicht gefunden“.

Die beiden toten Frauen wurden am 28. Juni gegen 10 Uhr vom ihrem Enkel bzw. ihrem Sohn entdeckt. Er wollte an diesem Morgen den Rasen mähen. Nachdem ihm aufs Schellen niemand geöffnet hatte, schaute er hinter dem Haus nach dem Rechten, entdeckte das auf Kipp stehende Fenster. Ihm fiel zudem eine unordentliche Gardine auf. Daraufhin kletterte er durchs Schwingfenster, öffnete die Terrassentür. Und fand dann die beiden Leichen.

„Da wir von einer gezielten Tat ausgehen und die Täter wohl von den 20 000 Euro wussten, die die beiden Frauen bereits im April abgehoben hatten, haben wir zunächst den Verwandten-, Freundes- und Bekanntenkreis abgeklopft, doch ohne Erfolg“, erklärt Staatsanwalt Kruse. Auch Abgleiche mit DNA-Datenbanken brachten keinen Treffer zu dem Pärchen. Einige Zeit nach der Tat kamen auch sogenannte Mantrailer, spezielle Spürhunde, zum Einsatz. Sie verfolgten eine Spur in Richtung City von Eving, machten auch an einer bestimmten Stelle Halt.

Die Umgebung dieser Stelle wurde abgesucht, Anwohner überprüft und befragt. „Auch das führte nicht zum Erfolg“, so Kurse. Da man diesen Bereich nicht gezielt eingrenzen konnte, komme man hier auch mit einer Reihen-DNA-Untersuchung nicht zum Ziel. Die Veröffentlichung des Falles in „XY ungelöst“ sowie im WDR-Kriminalreport hätten einige Hinweise gebracht, allerdings war keine heiße Spur darunter. Hier und da kämen auch heute, dreieinhalb Jahre nach der Tat, noch Hinweise zu dem Doppelmord in Eving. „Vermutlich werden wir die Täter haben, wenn sie bei einem weiteren Einbruch auf frischer Tat gefasst werden“.

Die Staatsanwaltschaft hat eine Belohnung in Höhe von 5000 Euro ausgelobt. Hinweise an die Polizei unter  132 – 7999.

Andreas Winkelsträter


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