Disco- und Party-Veranstalter in Dortmund fürchten neue Gema-Gebühren

Mit ihren Plänen könnte die Gema der Partylandschaft auch in Dortmund ihren Stempel aufdrücken. Montage: Vahlensieck
Mit ihren Plänen könnte die Gema der Partylandschaft auch in Dortmund ihren Stempel aufdrücken. Montage: Vahlensieck
Foto: Knut Vahlensieck
Was wir bereits wissen
Die Gema plant eine neue Tarifordnung ab 2013: Disco- und Party-Veranstalter wie das FZW und die Nightrooms in Dortmund befürchten, dass achtfache Kosten auf sie zukommen. Die höheren Preislisten für Live-Musik und Tanzabende werden wohl zu Einsparungen führen.

Dortmund.. Die Bühnen-, Disco- und Partylandschaft steht möglicherweise vor harten finanziellen Einschnitten und Sparprogrammen – die Kunden vor höheren Eintrittsgeldern. Grund: Die Pläne der Musikrechte-Verwertungsgesellschaft Gema. Der Verein aus München hat vor, Anfang 2013 seine Tarife zu ändern. Vor allem die Preislisten für Live-Musik und Tanzabende treiben Dortmunder Veranstaltern wie Holger Schmidt (Nightrooms) oder Till Hoppe (FZW) langsam den Schweiß auf die Stirn.

Die Tarife etwa für Musik aus der Konserve sollen so deutlich steigen, dass der Bundesverband des Gastgewerbes, die Dehoga, schimpft, mit den neuen Tarifen komme es zu „existenzgefährdenden“ Erhöhungen von bis zu 1400 Prozent.

Ein Problem: Viele Veranstalter buchen junge und unbekannte Bands, die wenig einspielen – manchmal zahlen die Veranstalter sogar noch drauf. Das Prinzip: Disco- und Konzertveranstalter lassen eine noch unbekannte Band bei sich auftreten. Die Kosten, die das Konzert verursacht, fangen diese Einrichtungen mit anderen Veranstaltungen auf, zum Beispiel mit Disco-Abenden oder Partys. Doch auch dabei hält die Gema die Hand auf, schließlich soll von der Musik, die per CD oder Laptop gespielt wird, auch etwas bei den Komponisten, Textern, Produzenten ankommen. Doch die neuen Tarife für die Disco-Abende verteuern sich offenbar dramatisch. Und das bedeutet, dass den Veranstaltern die Luft wegbleibt, um weniger ertragreiche Konzerte mit jüngeren Bands zu buchen. Auch die Tarife für Live-Konzerte sollen steigen.

Realistische Erhöhung wäre okay

Gegen eine realistische Erhöhung hat Holger Schmidt vom Nightrooms nichts. Gleichzeitig hofft er, dass die neue Tarifordnung der Gema nicht durchkommt. Denn dann: „Muss ich die Kosten vielleicht an die Kunden weitergeben“ - über Eintrittspreise und Getränke. Warum? „Wir zahlen derzeit rund 18 000 Euro an die Gema pro Jahr“, sagt Schmidt. Stimmen seine Berechnungen wären es ab 2013 115 500 Euro - „das ist brutal“, findet er.

Till Hoppe, Chef vom FZW, hat sich schon mal einen Termin von der Gema geben lassen, um genauer zu verstehen, was da auf ihn zukommt. Aktuell geht er davon aus, dass sich seine Zahlungen an die Gema (für Ruby, FZW und View) vervier-, wenn nicht verachtfachen könnten. Heißt, so Hoppe: „30 000 bis 40 000 Euro mehr im Jahr“. Das sei ziemlich genau der Gewinn, der damit wieder verpuffe, so Hoppe. „Finstere Aussichten“ bei 250 Öffnungstagen im Jahr.

Einsparungen als Konsequenz

„Wir wissen noch nicht, wie wir der Sache Herr werden sollen, wir werden wohl einsparen müssen.“ Am Programm zu sparen, sei allerdings nicht so einfach im wettbewerbsintensiven und „schwierigen Nightlife-Business“.

Die Gema verteidigt sich und weist darauf hin, dass die Tarife vereinfacht werden sollten – was sogar stimmt. Aber der Verein räumt auch ein: „Discotheken und Clubs trifft es tatsächlich negativ“, so Gema-Sprecher Franco Walther, „aber das liegt daran, dass der alte Tarif so günstig war.“ Nun regt sich Widerstand. Eine Petition, die auch Till Hoppe unterschrieben hat, geht an den Bundestag. Die Dehoga prüft eine Klage. Die Hoffnung: Die Tarife sind noch keine beschlossene Sache, sie liegen noch bei der Schiedsstelle, beim Patent- und Markenamt in München.