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"Der Live-Code"

Dieses Theaterstück lässt den Terminator alt aussehen

20.02.2013 | 18:59 Uhr
Keine Trennung zwischen Bühne und Saal zeigen diese Proben-Bilder: Bei 'Live-Code' stehen die Zuschauer frei im Raum, zwischen den Leinwänden und den Technik-Tisch der drei Akteure.
Keine Trennung zwischen Bühne und Saal zeigen diese Proben-Bilder: Bei 'Live-Code' stehen die Zuschauer frei im Raum, zwischen den Leinwänden und den Technik-Tisch der drei Akteure.Foto: Birgit Hupfeld

Dortmund.  1818 erwachte Frankenstein, 1984 das Skynet im Film Terminator, 1999 die Matrix - Technik entwickelt ein Bewusstsein. Etwas Ähnliches scheint Daniel Hengst im Sinn zu haben. Im Vergleich zu seinem Theaterstück Live-Code wirken die berühmten Vorgänger ziemlich angestaubt.

Das Stück hat einen sehr technischen Körper, ein gedankliches Fundament und ein ästhetisches, vielleicht auch poetisches oder philosophisches Potenzial. "Wir erschaffen da ein Lebewesen", sagt Daniel Hengst.
Der Körper besteht aus acht Computern, fünf Beamern, acht Boxen und einer Kinect-3D-Kamera. Auf den Computern laufen Programme wie Fluxus, Ableton Live, OSC, Quartz Composer. Was über die Computer entsteht, projizieren Beamer auf halbdurchsichtige Leinwände.

Gedanken kreisen um die Technologie
Bei Daniel Hengst sind das Video-Einspielungen. Einige davon sind 3D-Aufnahmen der Schauspielerin Eva Verena Müller. Während des Stücks verändert Hengst diese, verfremdet und moduliert sie. Rolf Meinecke produziert dazu grafische Objekte. Die Steuerbefehle, die er dazu eingibt, werden ebenfalls projiziert. Der dritte Akteur, Martin Juhls, macht mit den Computern live Musik, den Soundtrack des Stücks.Die Gedanken dazu kreisen um die Technologie, die uns umgibt und die für viele Menschen immer mehr die Funktion von Körperteilen übernimmt: Smartphones zum Beispiel. Und um die Gefahr, die darin liegt: "Wir gewinnen Körperteile dazu, aber verlieren gleichzeitig an Kontrolle über sie", sagt Hengst.
Eingefrorenes Lächeln

Zum Beispiel durch die tatsächlich vorhandene Funktion mancher Smartphone-Kameras, Fotos so zu manipulieren, dass die Gesichter der Aufgenommenen möglichst immer lächeln. Ganz automatisch, unmerklich, ohne Abschalt-Funktion.

"Diese Technik verändert unsere Wahrnehmung der Welt - und wir merken es nicht", sagt Programmierer Meinecke. So vieles werde uns heutzutage nur vorgegaukelt - Platons Höhlengleichnis im Jahr 2013.
Was passiert hier?

Im Stück ist vieles von dem, was sie tun, durchschaubar, erklärt Hengst. Zum Beispiel angesichts der Programmierbefehle, deren Auswirkungen die Zuschauer direkt beobachten können. Hengst will zeigen, wie diese Technik funktioniert und dass damit etwas Künstlerisches geschaffen werden kann.
Das Wesen aus Bildschirmen, Prozessoren und drei Menschen erwacht zu Beginn des Stücks und beginnt, mit dem Gesicht und der Stimme Eva Verena Müllers von den Leinwänden Fragen zu stellen: Wo endet der Mensch, wo beginnt die Maschine? Was passiert hier?
Wer bin ich?

Das müssen Sie wissen:

  • Premiere am Donnerstag (21. 2.) um 20 Uhr im Studio.
  • Weitere Termine: 28. 2., 8.,23. 3., 20. 4, jeweils 20 Uhr.

Von Tilman Abegg

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