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Diese Extra-Wünsche stellen Künstler in Dortmund

26.01.2016 | 11:21 Uhr
Jazz-Musiker sind oft mit einem guten Rotwein zufrieden.Foto: Uwe Anspach

Dortmund.  Die meisten Künstler sind ziemlich normal und freundlich, manche sogar höflich und bescheiden. Doch es gibt Ausnahmen - wir verraten, welche.

Das Klischee: Künstler sind extrovertiert, selbstverliebt und mindestens ein bisschen gaga. Die Wirklichkeit: Die meisten Künstler sind ziemlich normal und freundlich, manche sogar höflich und bescheiden. Es gibt allerdings Ausnahmen. Wir zeigen die verrücktesten Extra-Wünsche, die Künstler in Dortmund gestellt haben.

Die Wünsche der Künstler werden meistens direkt in den Vertragsunterlagen festgehalten. Zum Vertrag gehört oft ein "Reader", der sowohl die Wünsche für die Bühne umfasst (Licht, Technik, Instrumentenständer usw.) als auch die Dinge, die für die Künstlergarderobe besorgt werden sollen. Im Vertrag steht oft auch, dass diese Wünsche der Künstler nicht veröffentlicht werden dürfen. In diesen Fällen haben wir die Angaben anonymisiert.

Die Wünsche der Stars im FZW

Einen Weihrauchschwenker. Mit Weihrauch, bittschön. Das bestellte die österreichische Musikerin Anja Franziska Plaschg, bevor sie unter ihrem Künstlernamen Soap & Skin im FZW auftrat. Damit wollte sie vor dem Konzert ihre spirituellen Kräfte in Form bringen.

Dortmund von unten
Unter der Westfalenhalle bleibt wenig vom Bühnen-Glanz

Die Westfalenhalle ist eine der größten Arenen Deutschlands. Damit alles reibungslos funktioniert, steckt viel Technik im Keller.

Nicht weniger skurril, aber weitaus aufwendiger war die Forderung der Band My Chemical Romance. Die wollte, dass der komplette Backstagebereich nach ihren Vorstellungen umgestaltet wird: dunkler Teppich mit dem Bandlogo, schwarze und rote Vorhänge an den Wänden, schwere Lederpolstergarnituren und dimmbares Licht. Das verlangten sie von jedem Spielort auf ihrer Tour - es sollte überall gleich aussehen. Immerhin: Der Tourveranstalter übernahm die Kosten.

Abgesehen von diesen Ausnahmen seien die Pop- und Rockmusiker, die im FZW gastieren, meistens sehr unkompliziert, sagt FZW-Programmchef Volker May.

Das verlangen Künstler in der Westfalenhalle

Auf Wünsche bezüglich der Innenarchitektur sind die Westfalenhallen gut eingestellt. Wände und Böden der Künstlergarderoben lassen sich in jeder beliebigen Farbe ausstaffieren, sagt Pressesprecher Dr. Andreas Weber. Entsprechende Anfragen seien häufig. Mit einem technischen System können die Wände komplett mit farbigem Stoff verhängt werden. Eine Couch in Schwarz, Braun, Weiß, aus Leder oder Stoff? Kein Problem. Manche Künstler hätten gern 20 Handtücher, sagt Weber.

Ganz Pingelige bestimmen auch die Farbe und das Waschmittel, mit dem die Handtücher zuvor gewaschen werden sollen. Auch kein Problem, sagt Weber. Künstler seien eben unterschiedlich. Manche wollen absolute Ruhe, andere möchten im Gang Tischtennis spielen. Es sei auch schon vorgekommen, dass das Management eines Künstlers verlangte, dass ein Physiotherapeut in Rufbereitschaft stünde, ein anderes Mal sollte ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt auf Standby sein.

Jazzer trinken gerne Rotwein im Domicil

Hier sind die Wünsche weniger aufwendig: Ein guter Rotwein ist oft alles, was die Jazzer wollen, sagt Produktionsleiterin Amanda Matzka. Manche legen Wert auf schöne Pflanzen, zum Beispiel Zimmerpalmen. Einer wollte mal einen Hutständer, kam dann aber ganz ohne Hut. Ein anderer verlangte per Vertrag Postkarten mit Motiven aus Dortmund, offenbar um sie an Freunde und Verwandte zu schicken. Als dieser Musiker und seine Band die Postkarten dann im Backstageraum vorfanden, lachten sie los, erzählt Matzka: Ganz so aktuell, wie der Vertrag des Managements vorgab, war der Postkartenwunsch wohl nicht mehr. Einige der Bandmusiker schickten trotzdem eine ab.

Konzerthaus hat wenig Probleme mit klassischen Musikern

Klassische Musiker sind weniger anspruchsvoll als andere Musiker. Das ist laut Sprecherin Katharina Kierig die Erfahrung des Konzerthauses. Vielleicht, vermutet Kierig, liege der Grund in der Geschichte: Früher spielten Jazzer oft nur für ein warmes Essen, möglicherweise ist für viele Jazzer eine vom Gastgeber besorgte, richtige Mahlzeit selbstverständlich. Klassische Musiker seien oft mit Wasser und etwas Obst zufrieden, wenn es hochkommt, bittet jemand darum, beim Catering eine bestimmte Allergie zu berücksichtigen.

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Jazzer oder Popmusiker dagegen wollen schon eher einen bestimmten Whiskey oder Wein. Manchmal schreibt der Vertrag eine bestimmte Zimmertemperatur in der Garderobe vor. Im vergangenen Jahr wollte jemand mal Bionüsse, und zwar Macadamia- und Paranüsse, ungesalzen. Als er in seiner Garderobe ankam, warteten sie in einem Schälchen auf ihn.

Regelmäßiger ist der Wunsch nach einem Stellplatz mit Stromanschluss für den Tourbus, in dem auch heute noch viele Ensembles oder Bands reisen. In dem Fall empfiehlt das Konzerthaus zum Beispiel den Wohnmobil-Stellplatz am Revierpark Wischlingen.

Comedians bei Ruhrhochdeutsch legen Wert auf gute Ernährung

Der Trend gehe eindeutig Richtung bewusster Ernährung, beobachtet Horst Hanke-Lindemann, Chef des Kabarettfestivals Ruhrhochdeutsch und des Theaters Fletch Bizzel. Immer öfter müsse er für Künstler Biokost besorgen, auch Vegetarier gebe es mehr als früher. Sehr viel seltener, etwa zwei- oder dreimal im Jahr, sei der Wunsch nach einer Badewanne. Das sei in Dortmund gar nicht so einfach zu erfüllen - die meisten Hotelzimmer haben nur eine Dusche.

Kabarettisten sind also, wenn überhaupt, nur auf der Bühne laut und egozentrisch. Für ein Beispiel für einen außergewöhnlichen Künstlerwunsch muss Hanke-Lindemann lange zurückdenken: In den 90ern sei mal ein belgischer Theaterschauspieler beim Festival Theaterzwang aufgetreten, der wollte drei Flaschen Pastis (je nach Sorte zwischen 30 und 45 Prozent Alkohol). Die habe der Belgier während seines Auftritts ausgetrunken - und anschließend seinen Auftritt abgebrochen.

Kaum divenhaften Diven im Opernhaus

Schauspiel und Oper ruinieren endgültig das Klischee des Künstlers als schrullige Diva. Opernsänger, die als Gast in einer Oper am Theater Dortmund engagiert sind, sind laut Sprecher Alexander Kalouti "bescheiden. Sie bringen sich die Dinge, die sie brauchen, selbst mit." Vielleicht deswegen, weil sie deutlich länger in Dortmund bleiben als ein Musiker, der nur ankommt, abends sein Konzert spielt und am nächsten Morgen weitertourt: Opernsänger proben vor der Premiere zwischen vier und acht Wochen für ein Stück, oft täglich. Währenddessen wohnen sie normalerweise in den Gästewohnungen des Theaters.

Bei Theaterschauspielern ist das ähnlich. Laut Schauspiel-Sprecherin Djamak Homayoun stellen die Schauspieler, die auf der Theaterbühne oft wilde Dinge veranstalten, hinter der Bühne keine großen Ansprüche.

Unter der Westfalenhalle

 

Tilman Abegg

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Diese Extra-Wünsche stellen Künstler in Dortmund
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2016-01-26 11:21
Dortmund