Das aktuelle Wetter Dortmund 14°C
Film

Die Wiege des BVB - große Geschichtsstunde für Fußballfans

16.03.2015 | 11:33 Uhr
Die ersten Trikots von Borussia Dortmund waren blau-weiß mit roter Schärpe.

Dortmund.  "Am Borsigplatz geboren - Franz Jacobi und die Wiege des BVB" reist informativ und reich an Anekdoten in die Gründerzeit von Borussia Dortmund.

Fußballfilme haben oft ein Problem: Sie sind schlecht. Entweder zeichnen sie ein Zerrbild von Fans oder sie sie strotzen vor Pathos. Glücklicherweise ist Jan-Henrik Gruszecki, Marc Quambusch und Gregor Schnittker, den Machern von "Am Borsigplatz geboren - Franz Jacobi und die Wiege des BVB", ein ausgesprochen guter Fußballfilm gelungen. Vielleicht, weil das Trio - alle selbst glühende Borussen - es geschafft hat, das Herzblut nicht in Pathos, sondern in Akribie bei der Recherche umzumünzen. Vielleicht auch, weil der Film eigentlich gar kein Fußballfilm ist, sondern eine Dokumentation über eine Gruppe von Männern, die in schwieriger Zeit ihr Ding durchziehen, sich dabei nicht um gesellschaftliche Konventionen scheren und am Ende sogar mit der allmächtigen Mutter Kirche brechen.

Die Geschichte des BVB beginnt mit einem Faustschlag. Im Treppenhaus der Dortmunder Gaststätte Zum Wildschütz liegt der Kaplan der Dreifaltigkeitsgemeinde am Boden, während im Spiegelsaal eine Gruppe fußballverrückter Jugendlicher einen Verein gründet: den Ballspielverein Borussia Dortmund. Wie es soweit kommen konnte, dass fromme Kirchgänger zu Revoluzzern wurden, erklärt der Film ausführlich und macht das Spannungsverhältnis, in dem die Jugendlichen Anfang des 20. Jahrhunderts gelebt haben, nachvollziehbar. In erster Linie mag es den Jungs um Fußball gegangen sein, doch nicht minder wichtig waren Freundschaft, Solidarität und der Glaube an eine gemeinsame Sache.

Video
Für den Film "Am Borsigplatz geboren" wurde die Gründung von Borussia Dortmund nachgestellt.

"Kämpferischer und widerborstiger Verein"

Jan-Henrik Gruszecki sieht den Film als Beleg dafür, dass "der BVB seit seiner Gründung ein grandioser Verein" war und ist. Das Werk zeige, "wie wichtig es ist, dass ein Verein auf eine echte Geschichte zurückblicken kann". Der BVB habe bereits bei seiner Gründung die DNA eines kämpferischen und widerborstigen Vereins in die Wiege gelegt bekommen.

 

Borussia Dortmund
Eine Reise in die Zeit, als der BVB noch falsche Farben trug

Ein Filmprojekt soll tief in die Gründungsgeschichte von Borussia Dortmund eintauchen. Dazu stellten am Wochenende Hobbyfußballer historische Spiele...

Natürlich ist der Film auch eine Familiengeschichte, denn die Gründungs- und Anfangsjahre der Borussia sind untrennbar mit der Person Franz Jacobi verbunden. Dessen Urenkel Gerrit zeigt sich nach der Premiere beeindruckt über die "grandiose Art und Weise, wie der Film ein Stück der Familienchronik aufarbeitet". Dabei hat auch der Urenkel noch etwas gelernt: "Die Originalzitate meines Uropas kannte ich selber noch nicht."

Die Lage der Weißen Wiese ermittelt

Und nicht zuletzt ist "Am Borsigplatz geboren" auch Heimatkunde. Die Entwicklung der Stadt und ihrer sozialen Verhältnisse wird anschaulich und eindrucksvoll animiert erzählt. Es fällt schwer, sich die heutige Nordstadt als sumpfiges, bäuerliches Gebiet vorzustellen. Der Film hilft dabei. Er zeigt aber auch, wie wichtig die Gegend - heute würde man sagen: der Kiez - um den Borsigplatz für den BVB war. Auf seiner Spurensuche spürte das Recherche-Team um Gregor Schnittker am Ende sogar die genaue Lage von Borussias allererster Spielstätte auf: der Weißen Wiese. Lange wurde vermutet, dass dieser Platz irgendwo zwischen dem heutigen Hoeschpark und dem Freibad Stockheide gelegen haben muss. Jetzt ist klar: Die südliche Spielfeldhälfte der Weißen Wiese lag unter der heutigen Brackeler Straße, gleich hinter dem Schwimmerbecken des Freibads.

Jan-Henrik Gruszecki, Marc Quambusch, Sebastian Kehl und Gregor Schnittker (v. li.) bei der Premiere des Films "Am Borsigplatz geboren - Franz Jacobi und die Wiege des BVB". Foto: Stefan Reinke

Getragen wird der Film jedoch von zum Teil bärenstarken Zeitzeugen, wenn Angehörige der BVB-Gründer mit viel lebendigem Lokalkolorit erzählen, wie wichtig der Ballspielverein im Leben seiner Väter war. Das sorgt für Lacher, für Emotionen und macht die Geschichte des BVB begreifbar. Daher wird Gruszecki nicht müde, zu betonen, wie wichtig es war, den Film jetzt noch zu drehen: "Wir waren zur richtigen zeit am richtigen Ort und haben noch viel Geschichte gerettet."

Schlüsselszenen der Vereinsgeschichte nachgestellt

Einige Schlüsselszenen der Anfangsjahre werden mit wohldosierten Reenactment-Szenen nachgestellt. Dazu zählen natürlich die turbulente Gründungsversammlung, die samt Faustschlag am Oringalschauplatz gedreht wurde, sowie die ersten Spiele des jungen Ballspielvereins. Und eine Szene, die dem heutigen BVB-Präsidenten Dr. Reinhard Rauball "an diesem hochemotionalen schwarz-gelben Abend eine Gänsehaut" beschert hat: Von Heimweh geplagt hockt der Gründungspräsident des BVB Heinrich Unger im Schützengraben des Ersten Weltkriegs und schmettert das von ihm getextete Vereinslied: "Aber eins, aber eins, das bleibt bestehn: Borussia Dortmund wird nie untergehn!" Hier kommt dann doch Pathos ins Spiel, aber offenbar ist es verbürgt, dass sich diese Szene tatsächlich so abgespielt hat.

Video
Für den Film "Am Borsigplatz geboren - Franz Jacobi und die Wiege des BVB" drehte das Team mit Komparsen historische Spielszenen nach.

"Am Borsigplatz geboren - Franz Jacobi und die Wiege des BVB" dreht sich zwar naturgemäß um den schwarz-gelben Kosmos, steht jedoch sinnbildlich für die gesellschaftlichen Konflikte, die sich im frühen 20. Jahrhundert ankündigten. Er erzählt von der Entstehung einer Identität und ist somit ein Film für alle Fans, die einen Traditionsverein in ihren Herzen tragen.

Wann der Film im Kino zu sehen sein wird, ist noch offen. Noch liegt er bei der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft und wartet auf seine Altersfreigabe. Ist die erfolgt, wird der Streifen im Dortmunder Kino "Roxy" in der Nordstadt laufen. Am 23., 24. und 26.4. soll er im Kino im Dortmunder U aufgeführt werden. Fanclubs, die Interesse an einer Privatvorführung haben, können sich bei den Produzenten melden. Sobald die Altersfreigabe vorliegt, wird der Film auch auf DVD zu haben sein.

 

Am Borsigplatz geboren

Ein Blick in die Wiege des BVB

Stefan Reinke

Kommentare
23.03.2015
08:37
Die Wiege des BVB - große Geschichtsstunde für Fußballfans
von Firefighter77 | #3

Im Jahre 1909, da wurd ein Stern geborn
Und man sah sofort an seinem Schein,
er kann nur aus Dortmund sein

Dieser Stern, der heißt Borussia
und er...
Weiterlesen

Funktionen
Fotos und Videos
Juicy Beats: Der Festival-Samstagnachmittag
Bildgalerie
Fotostrecke
Brennende Strohballen
Bildgalerie
Fotostrecke
article
10462338
Die Wiege des BVB - große Geschichtsstunde für Fußballfans
Die Wiege des BVB - große Geschichtsstunde für Fußballfans
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/die-wiege-des-bvb-grosse-geschichtsstunde-fuer-fussballfans-id10462338.html
2015-03-16 11:33
Dortmund