Die Wiedergeburt des Holzes

Holzbildhauerin Pia Bohr Foto: Jochen Linz
Holzbildhauerin Pia Bohr Foto: Jochen Linz
Foto: Jochen Linz

Orte und Menschen finden sich manchmal. Einst war im Hinterhof der Dudenstraße die Geburtsstation der Städtischen Kliniken. Jetzt schenkt die Bildhauerin Pia Bohr dort Holz ein neues Leben.

Wenn sie über ihre Kunst spricht, tut sie es leise, sanft, als habe sie eine Schatztruhe geöffnet und müsse den Inhalt nun mit Worten beschreiben. Sie hat auch noch eine andere Stimme, eindringlicher, selbstbewusster nach außen gerichtet, die sie mit Phillip Boa und dem Voodooclub auf der Bühne freilässt. Deswegen gibt es auch zwei Namen: Pia Bohr, die Bildhauerin, und Pia Lund, die Sängerin. Zwei Namen, ein Mensch, „und zwei künstlerische Leben, die ich lebe.“

Ihr Leben als Bildhauerin hat sehr unterschiedliche Lautstärken. Pia Bohr kann nur mit sehr alten Hölzern arbeiten, weil die so getrocknet sind, dass sie bleiben, wozu sie unter ihren Händen wachsen. „Oft bekomme ich 50 bis 100 Jahre alte Hölzer. Sie haben eine eigene Geschichte. Das ist wertvoll.“ Pia Bohr tritt in einen Dialog mit den Holzstücken, fühlt sich ein, lauscht, was Oliven-, Walnuss- oder Eukalyptusholz in sich tragen an Geschichten, an Formen. „Ich möchte sie wieder zum Leben erwecken.“

Manchmal schauen die Gestalten sie schon an, manchmal muss Pia Bohr einfach anfangen zu arbeiten. Hart, laut, kraftvoll. Die zarte Künstlerin, umgeben von Schraubstöcken, Feilen, Meißeln, sägt und gräbt mit speziellen Fräsmaschinen aus Australien in das Holz. Körperliche Arbeit mit körperlichen Ergebnissen.

Frauentorsi mit sinnlichen Rundungen, selbstbewusst gestreckt oder verinnerlicht, Urtiere, die nichts gleichen und doch leben, ein männlicher Oberkörper, der auf der Werkbank auf seine Vollendung wartet. Die glatten Oberflächen schimmern im Licht, die Maserungen wirken wie Tätowierungen. „Ich gebe den Sachen gerne Namen, das ist wie eine Wiedergeburt“, sagt Pia Bohr.

Erst vor gut drei Jahren hat sie mit der Bildhauerei begonnen. Sie wollte erst Steinskulpturen fertigen, war dann vom Material Holz fasziniert. „Das riecht so toll und ist haptisch genial. Ich wünsche mir, dass die Menschen meine Sachen anfassen. Da passiert ganz viel.“ So, wie bei Pia Bohr während der Arbeit an ihren Werken: „Da bin ich ganz für mich“, beschreibt sie. „Das ist der große Unterschied zur Musik, mit der Band auf der Bühne. Hier kann ich mich ganz fallenlassen.“

Was mit so viel Emotion entstanden ist, gibt Pia Bohr nicht einfach weg: „Ich bringe den Leuten meine Sachen persönlich vorbei, damit ich sehe, wo sie stehen.“ Und wo sie ihr neues Leben führen.

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