Die Welt passt in die Hosentasche
18.07.2007 | 10:51 Uhr 2007-07-18T10:51:55+0200Olympische Sommerspiele 2008 in Peking. Wenn einem dann Chinesisch ziemlich Spanisch vorkommt, kann eine Erfindung aus Dortmund Wunder wirken: Von der Hotelsuche zum Feilschen, vom Sightseeing zum Essen, vom Vergnügen zum Notfall - "Compass 2008" heißt di
Deutsche Sprache - schwere Sprache? Von wegen. Wer schon mal in China war, weiß, wie schwer Sprachen wirklich sein können. Das weiß auch der Dortmunder Informatiker Manfred Wojciechowski. Sechs Monate war er in Beijing. Dort hat er am eigenen Leibe erfahren, wie kompliziert es ist, auch nur ein Mittagessen zu bestellen. Nichtsahnend traf er eine Wahl, schon hatte er den Salat: gekochte Entenfüße. Das vergisst man nie.
Wojciechowski weiß, dass Taxifahrer Touristen gern den zehnfachen Fahrpreis abknüpfen. Er weiß, wie leicht man sich im dortigen Sprach-Dschungel mit seinen über Zehntausend Schriftzeichen verheddern kann. Deshalb ist er genau der Richtige, um die Entwicklung des "Compass 2008" voranzutreiben.
Der Navi fürs Auto, der "Compass"
für den Touristen
Mit Blick auf die Olympischen Spiele 2008 war die Idee schnell geboren. Die Forschergruppe um Wojciechowski wollte Touristen eine ebenso praktische wie informative Hilfe an die Hand geben, um sich in China zurechtzufinden. Schnell folgte den theoretischen Überlegungen die konkrete Software-Entwicklung. Dem zwölfköpfigen Entwicklerteam des Dortmunder Fraunhofer Institutes für Software- und Systemtechnik (ISST) folgten Kooperationspartner aus der Wirtschaft und Wissenschaft (beispielsweise das Deutsche Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz) und nicht zuletzt aus dem Austragungsort der Spiele. Kurz: Deutsch-Chinesisches Teamwork.
Der Clou des Projektes: Die Forscher stellen einfach nur eine Plattform im Internet bereit. Mit der Software aus dem Netz wird der Tourist mit seinem Smart Handy, PDA (Personal Digital Assistant) oder Palm mit vielen sinnvollen Internetseiten verbunden. Doch das System kann weit mehr als ein digitaler Reiseführer.
Per GPS werden dem Nutzer, abhängig von Uhrzeit und Standort, unaufgefordert sinnvolle Angebote gemacht. Da kann mittags eine Restaurant-Empfehlung auf dem Display auftauchen. Die Sprachausgabe kann auf Chinesisch nach einem Tisch fragen oder ein Gericht in Landessprache bestellen, erklärt Wojciechowski.
Da kann man sich auf einem Markt eines Feilsch-Programmes bedienen, um vom Händler nicht übers Ohr ge-hauen zu werden. Egal, ob man die richtige U-Bahn oder die richtigen Worte sucht - Stadtplan und Übersetzungsprogramm machen's möglich. Einen ersten erfolgreichen Test gab es schon, wie Wojciechowski erzählt. 15 Touristen traten 2006 im Selbstversuch den Beweis für die Effizienz des Systems an. Ein System, das sich keineswegs nur auf chinesische Verhältnisse anwenden lässt. "Die Inhalte sind beliebig", sagt Britta Schmitz, Pressesprecherin des Fraunhofer Institutes. Derzeit teste man den digitalen Helfer auch in Bocholt und Umgebung - bei Radfahrern. Die könnten sich mit wenigen Klicks über Sehenswürdigkeiten, Gaststätten oder Routen informieren. Und was wäre wenn Dortmund Touristik anruft? Kein Problem. Das System funktioniere weltweit. Anders gesagt: Die Welt passt in die Hosentasche.
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