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CDU-Kreisvorsitzender Steffen Kanitz

Die Wähler wollen Mehrwert

30.11.2009 | 17:43 Uhr
Die Wähler wollen Mehrwert

Steffen Kanitz (25) ist erst seit wenigen Tagen Vorsitzender der Dortmunder CDU. Die WR sprach mit ihm über Wählerschwund, Koalitionen und seine Pläne.

 Herr Kanitz, Sie haben ein überzeugendes Ergebnis hingelegt, Ihre Partei allerdings nicht. Wo sehen Sie Ihre Aufgabe?

Wir haben einen enormen Erneuerungsbedarf. Die Analyse zeigt, dass wir viele ältere Mitglieder haben, die Jüngeren auch wieder kommen, aber der Mittelbau fehlt uns.

Das heißt?

Wir streben einen Erneuerungsprozess an, um attraktiver zu werden. Da geht es um neue Beteiligungsformen, da geht es auch darum, Parteilose einzubinden. Die müssen und sollen sich inhaltlich einbringen. Die Wähler fragen uns: Was bietet ihr denn? Die Wähler wollen einen Mehrwert. Darauf müssen wir gute Antworten finden.

Erich G. Fritz

hat das erkannt

Heißt das, dass es Versäumnisse unter dem jahrelangen Vorsitzenden Erich G. Fritz gab?

Der jetzt notwendige Prozess wurde schon früher angestoßen. Fritz hatte das erkannt, er ist in die Ortsunionen gegangen und hat Kontakt zum Nachwuchs aufgenommen. Aber es ärgert ihn schon, dass seine Schlussbilanz nicht besser war als seine Eröffnungsbilanz.

1999 hatte die CDU ein herausragendes Ergebnis mit gut 41 Prozent. Warum ist dieser Wert nicht zu halten?

Gute Frage. Habe ich mir auch schon gestellt. Trotz unserer guten Konzepte konnten wir uns nicht als Alternative darstellen. Wir konnten es offenbar nicht transportieren. 1999 war ein Sonderfall, der aber gezeigt hat: Dieses Potenzial von 100 000 Stimmen können wir bekommen. Es gilt nun, neue Wählerschichten anzusprechen und dabei aber nicht alles auf den Kopf zu stellen.

Was bedeutet dies für die politische Farbenlehre im Rat?

Schwarz-Rot halte ich derzeit für falsch. Wir hatten bei der Wahl auf den Wechsel und einen Neustart gesetzt, da wäre es jetzt unredlich, das auszublenden.

Wir müssen nach den Inhalten entscheiden. Für eine Regierungsbeteiligung im Rat werden wir uns auf jeden Fall nicht verbiegen.

Herr Kanitz, können Sie sich vorstellen, dass die CDU nach dieser Kommunalwahl nochmals einen OB-Kandidaten aufstellt, der für zwei läuft: für die CDU und für die FDP?

Ich glaube, es war ein guter Ansatz und ein gelungenes Experiment. Unser Kandidat Joachim Pohlmann hat mehr Stimmen geholt als CDU und FDP zusammen. Allerdings gab es im Wahlkampf gewisse Probleme bei der Umsetzung. Ob die CDU das beim nächsten Mal wiederholt, wird die Diskussion in der Partei zeigen.

Die aktuelle politische Debatte wird bestimmt von der Finanz- und Haushaltslage...

Ja. Hier muss es um Nachhaltigkeit gehen, weg von der Rasenmähermethode. Man muss den demografischen Wandel im Blick haben und fragen, was wann notwendig ist. Familien, Bildung, Infrastruktur und Arbeit müssen im Mittelpunkt stehen.

Das sagen doch alle.

Ja, es wird versucht, aber ich bin mir nicht sicher, wohin die anderen Parteien im Detail wollen. Es wird viel von Schwerpunktsetzung geredet, aber niemand hat den Mut, Schwerpunkte zu identifizieren und entsprechend zu fördern. Die Bürger sind bereit, einen Weg mitzugehen, wenn man ihnen das Ziel aufzeigt.

Idealistisch vielleicht,

aber nicht blauäugig

Was halten Sie von einer parteiübergreifenden Kommission in dieser Notlage.

Ob so etwas nötig ist, weiß ich nicht. Aber vielleicht muss die Parteipolitik auch mal in den Hintergrund treten. Und vielleicht sollten sich die Parteien dabei weniger fragen, wie bringe ich dem politischen Gegner eine Abstimmungsniederlage bei.

Das hört sich sehr idealistisch an.

Das mag sein. Vielleicht idealistisch, aber nicht blauäugig. Die taktischen Spielchen in der Politik gehen den Menschen doch auf die Nerven.

Herr Kanitz, ihr Vorgänger Erich G. Fritz hatte zur Frage des Flughafenausbaus eine sehr klare Meinung. Wie sehen Sie das?

Wir müssen es schaffen, von den Defiziten herunterzukommen, ohne damit neue, hohe Risiken einzugehen. Man muss schauen, ob die Ausweitung der Start- und Landezeiten eine wirtschaftliche Verbesserung bringt. Für eine Verlängerung der Startbahn aber sehe ich keinen Spielraum. Dafür stehe ich auch persönlich.

Auch das Klinikum ist ein Problemfall.

Ja. Ich glaube, wir müssen alle denkbaren Varianten ideologiefrei diskutieren. Auch die Möglichkeit einer privaten Beteiligung, die ja durchaus eine Minderheitsbeteiligung sein kann, so dass die Stadt nach wie vor das Sagen hat.

Gregor Beushausen/Frank Bußmann

Kommentare
17.11.2009
21:42
Die Wähler wollen Mehrwert
von Lethar Ommerich | #5

@stickeund andere:Dass sich ein leistungsbereiter, sympathischer und hoffnungs-voller Jungpolitiker von irgendwelchen Leuten als BWL-Yuppie...
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2009-11-30 17:43
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