Die Spielsucht nimmt zu

Vor allem an Automaten arbeiten sich Spielsüchtige ab.
Vor allem an Automaten arbeiten sich Spielsüchtige ab.
Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund,.  „Ich sehe solche Einrichtungen mit extrem großer Skepsis. Sie sind sehr schlecht für pathologische Spieler, sagt Prof. Hans-Jörg Assion, ärztlicher Direktor und Chefarzt der LWL-Klinik in Aplerbeck.

Obwohl den Spielsüchtigen der Eintritt verwehrt werden sollte, setzten Spielbanken sehr viel Geld mit dieser Klientel um, so der Mediziner: „Es ist ein hoch lukratives Geschäft für sie. Denn keinem Casino-Besucher steht es auf der Stirn geschrieben, dass er süchtig ist.“ Spielsucht sei eine Erkrankung, die massive Folgen für den Patienten im privaten und beruflichen Bereich nach sich ziehe.

Sind mehr Frauen oder mehr Männer betroffen?

Assion: Meist sind es Männer, die verführt werden und diesem Drang nachgeben. Erst kommt die innerliche Erregung, dann ist das Geld weg, dann folgt die Ernüchterung.

Gibt es vom Typ her bestimmte Menschen, die dazu neigen?

In der Regel sind es Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl, sie sind von der Ich-Struktur her labil. Sie halten sich für Verlierer – möchten aber der Sieger sein. In ihrer Fantasie gewinnen sie beim Spiel. Probleme werden ausgeblendet, Familienangehörige belogen und betrogen.

Ab wann beginnt die Spielsucht?

Wenn ein Mensch nicht mehr gelassen und kontrolliert spielen kann; wenn das Spielen soziale Folgen hat; wenn er Familie und Beruf für seine Abhängigkeit vernachlässigt. In Deutschland sind bis zu 300 000 Menschen von dieser Krankheit befallen.

Nimmt die Spielsucht zu?

Ja. Nicht Stoff gebundene Süchte haben deutlich zugenommen. In diesen Bereich fallen auch die verstärkt auftretende Internetsucht oder Sexsucht.

Was bringt die Therapie?

Der Patient muss wollen und einsichtig sein – das ist das A und O. Im Vordergrund steht dann die Verhaltens-Therapie. Der Patient muss erkennen, welche Situationen er meiden muss, er muss sein Selbstwertgefühl stärken. Manchmal werden auch Medikamente eingesetzt. Aber er bleibt immer gefährdet und kann nie mehr so gelassen spielen, wie ein gesunder Mensch.