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Schullandschaft Dortmund

„Die Schüler sind unsere Kunden“

29.11.2012 | 16:25 Uhr
„Die Schüler sind unsere Kunden“
Dr. Ernst Rösner (Institut für Schulentwicklungsfoschung von der TU Dortmund)Foto: Caroline Seidel

Dortmund.   Mit Elternbefragungen Wünsche ausloten. Schullandschaft steht vor dem Umbruch.Eine Interview mit Dr. Ernst Rösner.

Wer in Dortmunds Schullandschaft schnell von der Stelle kommen will, sollte auf Effizienz und Energiereserven setzen. Da bietet sich das Tandem aus Dr. Ernst Rösner und Dr. Wilfried Kruse geradezu an. Gestern haben die beiden den Vorsitz der Bildungskommission übernommen – und wollen bei ihrer Arbeit einen neuen, anderen Weg einschlagen. Wohin die Reise geht? Was die beliebstesten Schulen von morgen sind? Schulentwicklungsforscher Rösner gibt einen Vorgeschmack.

Herr Rösner, Sie sind der „Vater der Gemeinschaftsschule / Sekundarschule“ und jemand, der schon 1989 das Ende der Hauptschulen prophezeite. Was haben Sie sich nun vorgenommen?

Dr. Ernst Rösner: Wilfried Kruse und ich kommen als Tandem. Kruse ist Fachmann für Berufsbildende Schulen und den Übergang von der Schule in den Beruf. Ich kenne mich mit dem Allgemeinbildenden Schulsystem aus. Zusammen decken wir wichtige Bereiche ab. Mir liegen besonders die Eltern am Herzen, wenn es um die Gestaltung des Schulsystems geht. Deshalb werden wir Elternbefragungen durchführen und sie beispielsweise fragen: Was wünschen Sie sich für ihre Kinder nach der Grundschule ?

Was vermuten Sie?

Rösner: Ich will den Ergebnissen nicht vorweggreifen. Bundesweit scheinen sich aber Bildungsgänge mit gymnasialen Standards großer Beliebtheit zu erfreuen. Und die gibt es nicht nur auf dem Gymnasium. Die Hauptschulen dagegen haben ein Stigma. In Dortmund würden bei den aktuellen Anmeldezahlen drei ausreichen. Die Sache ist, nicht nur in Dortmund, sondern in NRW, das Problem Hauptschule geordnet zu einem Abschluss zu bringen. Und die Realschulen - sie müssen sich neu erfinden. Ihren Status im System neu definieren.

In Dortmund gibt es bisher eine Sekundarschule in Westerfilde - wie geht es weiter?

Rösner: Auch hier ist eine Elternbefragung sinnvoll. Man kann die Sekundarschule nicht an den Eltern vorbei auf den Weg bringen. Sie braucht Zustimmung – auch die der Realschulen. Man muss Schulen finden, die mitmachen (wollen). Doch die Sekundarschule ist noch immer zu neu und unbekannt. Dabei liegen die objektiven Vorteile auf der Hand. Die Sekundarschule braucht nur drei parallele Klassen und keine Oberstufe im Haus – im Gegensatz zur Gesamtschule mit vier Klassen plus Oberstufe vor Ort. Der Megatrend im Moment ist das zweigliedrige Schulsystem: Mit dem Gymnasium auf der einen Seite und Schulen, die alles anbieten - auch das Abitur - auf der anderen. G8 (das „Turbo-Abi“ in acht Jahren A.d.R.) ist laut neuesten Befragungen extrem unpopulär. Und G8 ohne echte Ganztagsangebote geht nicht. Besser wäre zudem gewesen, wenn man nicht in der Sek. I ein Jahr gestrichen hätte (zu 5 + 3 Jahre Oberstufe), sondern auf 6 Jahre Unterstufe und zwei Oberstufenjahre gesetzt hätte. Womöglich mit flexibler Erweiterung für bestimmte Schüler.

Welche Rolle spielt die Bildungskommission für Sie?

Rösner: Wir sind eine sehr gemischte Gruppe mit vielen unterschiedlichen Positionen. Wir suchen den Dialog. Geben Empfehlungen an den Oberbürgermeister. Aber: Wir sind kein Abnick-Gremium. Ich möchte der Bildungskommission mehr Verantwortung ans Herz legen. Und zwar für die „Endkunden“. Kurz: Die gute Arbeit einer Bildungskommission muss sich an der Zufriedenheit der Schüler messen lassen.

Peter Ring



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