Die Protestwelle gegen Streichung von Schulsozialarbeitern rollt an

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Was wir bereits wissen
Beim Protest gegen die auslaufenden Verträge von 81 Schulsozialarbeitern ist Dortmund offenbar Vorreiter. Die Forderung: Der Bund soll sie weiterfinanzieren, das Land soll seinen Einfluss geltend machen. Eltern, Schüler und Lehrer schlagen Alarm.

Dortmund.. Vorreiter ist die Weingartenschule am Phoenix-See. Die Schulpflegschaft hat in gut einer Woche rund 450 Unterschriften für den Erhalt ihrer Schulsozialarbeiterin gesammelt. Gestern wurden die Unterschriften an Schuldezernentin Waltraud Bonekamp im Rathaus übergeben.

Warum die Schulpflegschaft Alarm schlägt? Warum man auf die Schulsozialarbeiterin nicht verzichten will? Schulpflegschaftsvorsitzende Mareen Gehrken erklärt es: „Die Schulsozialarbeiterin ist ein Bindeglied zwischen der Schule und der städtischen Jugendhilfe“. Sie sei vieles in einer Person: Streitschlichterin, Vertrauensperson, Ansprechpartnerin für Kinder, Eltern, Lehrer. „Sie hilft mit, die Konflikte vor Ort zu lösen“, sie habe ein Gefühl für die familiäre Situation, in der ein Schüler stecke.

Unterschriften-Aktion ist angelaufen

Sie sei: die Vertrauensperson schlechthin an der Schule mit ihren rund 130 Schülern. Anke Staar, Sprecherin der Grundschulen, weiß, wie wichtig der Job der Sozialarbeiterin ist: „Die Problemfälle an der Schule nehmen zu, wir haben mehr Auffälligkeiten, auch mehr Gewalt.“

450 Unterschriften sind noch nicht viel. Aber ein Anfang. „Wir wollen das ausbauen“, möglichst alle Schulen sollten mitziehen. Je stärker die Stimme, desto lauter das Echo. Stadtelternvorsitzende Monika Landgraf will ebenfalls auf die rund 170 städtischen Schulen zugehen: „Ende Februar starten wir einen Aufruf an alle“, man könne es nicht hinnehmen, wenn eine so wichtige Arbeit einfach wieder gestrichen werde.

Nicht locker lassen

Bei der grünen Schuldezernentin Waltraud Bonekamp rennen die Eltern offene Türen ein: „Wir müssen die Stellen erhalten. Sie sind vernetzt mit dem Thema Sprachförderung und dem Programm ‘Kein Kind zurücklassen’“.

Gehen die Schulsozialarbeiter Ende des Jahres, verlieren die Projekte an Kraft. Auch wenn die Landesregierung noch keine positiven Signale gegeben habe, Bonekamp will nicht aufgeben. „Wir arbeiten auf allen Ebenen: Es gibt einen Ratsbeschluss zum Thema und wir tragen es auf dem Städtetag vor. Wir müssen jetzt Druck machen, bevor es zu spät ist.“

"Hörde bleibt Höre"

Geldgeber und Entscheidungsträger bleibt aber der Bund. Das Geld für die 81 Stellen in Dortmund, immerhin fünf Millionen Euro, stammt aus dem Bildungs- und Teilhabepaket. Und genau dessen Chancen für die Eltern vermitteln die Schulsozialarbeiter auch.

Dagmar Tillmann, stellv. Schulpflegschaftsvorsitzende der Hörder Grundschule, weiß ,warum dieses Wissen so wertvoll ist: „Wir haben jetzt zwar einen schönen See, aber Hörde bleibt Hörde“, sagt sie. Mit allen Problemen. Mit vielen Kinder, die nicht gerade auf der Sonnenseite des Lebens stehen.

81 Schulsozialarbeiter. Viel Vertrauen wurde an den Schulen aufgebaut. Es zu enttäuschen, wäre fatal, da sind sich alle einig.