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Die Protestwelle gegen Streichung von Schulsozialarbeitern rollt an

24.01.2013 | 00:11 Uhr
Die Protestwelle gegen Streichung von Schulsozialarbeitern rollt an

Dortmund.   Beim Protest gegen die auslaufenden Verträge von 81 Schulsozialarbeitern ist Dortmund offenbar Vorreiter. Die Forderung: Der Bund soll sie weiterfinanzieren, das Land soll seinen Einfluss geltend machen. Eltern, Schüler und Lehrer schlagen Alarm.

Vorreiter ist die Weingartenschule am Phoenix-See . Die Schulpflegschaft hat in gut einer Woche rund 450 Unterschriften für den Erhalt ihrer Schulsozialarbeiterin gesammelt. Gestern wurden die Unterschriften an Schuldezernentin Waltraud Bonekamp im Rathaus übergeben.

Warum die Schulpflegschaft Alarm schlägt? Warum man auf die Schulsozialarbeiterin nicht verzichten will? Schulpflegschaftsvorsitzende Mareen Gehrken erklärt es: „Die Schulsozialarbeiterin ist ein Bindeglied zwischen der Schule und der städtischen Jugendhilfe “. Sie sei vieles in einer Person: Streitschlichterin, Vertrauensperson, Ansprechpartnerin für Kinder, Eltern, Lehrer. „Sie hilft mit, die Konflikte vor Ort zu lösen“, sie habe ein Gefühl für die familiäre Situation, in der ein Schüler stecke.

Unterschriften-Aktion ist angelaufen

Sie sei: die Vertrauensperson schlechthin an der Schule mit ihren rund 130 Schülern. Anke Staar, Sprecherin der Grundschulen , weiß, wie wichtig der Job der Sozialarbeiterin ist: „Die Problemfälle an der Schule nehmen zu, wir haben mehr Auffälligkeiten, auch mehr Gewalt.“

450 Unterschriften sind noch nicht viel. Aber ein Anfang. „Wir wollen das ausbauen“, möglichst alle Schulen sollten mitziehen. Je stärker die Stimme, desto lauter das Echo. Stadtelternvorsitzende Monika Landgraf will ebenfalls auf die rund 170 städtischen Schulen zugehen: „Ende Februar starten wir einen Aufruf an alle“, man könne es nicht hinnehmen, wenn eine so wichtige Arbeit einfach wieder gestrichen werde.

Nicht locker lassen

Bei der grünen Schuldezernentin Waltraud Bonekamp rennen die Eltern offene Türen ein: „Wir müssen die Stellen erhalten. Sie sind vernetzt mit dem Thema Sprachförderung und dem Programm ‘Kein Kind zurücklassen’“.

Gehen die Schulsozialarbeiter Ende des Jahres, verlieren die Projekte an Kraft. Auch wenn die Landesregierung noch keine positiven Signale gegeben habe, Bonekamp will nicht aufgeben. „Wir arbeiten auf allen Ebenen: Es gibt einen Ratsbeschluss zum Thema und wir tragen es auf dem Städtetag vor. Wir müssen jetzt Druck machen, bevor es zu spät ist.“

"Hörde bleibt Höre"

Geldgeber und Entscheidungsträger bleibt aber der Bund. Das Geld für die 81 Stellen in Dortmund, immerhin fünf Millionen Euro, stammt aus dem Bildungs- und Teilhabepaket. Und genau dessen Chancen für die Eltern vermitteln die Schulsozialarbeiter auch.

Dagmar Tillmann, stellv. Schulpflegschaftsvorsitzende der Hörder Grundschule, weiß ,warum dieses Wissen so wertvoll ist: „Wir haben jetzt zwar einen schönen See, aber Hörde bleibt Hörde“, sagt sie. Mit allen Problemen. Mit vielen Kinder, die nicht gerade auf der Sonnenseite des Lebens stehen.

81 Schulsozialarbeiter. Viel Vertrauen wurde an den Schulen aufgebaut. Es zu enttäuschen, wäre fatal, da sind sich alle einig.

Peter Ring


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Kommentare
Kommentare
24.01.2013
18:45
Die Protestwelle gegen Streichung von Schulsozialarbeitern rollt an
von HerrderFliegen | #2

Dumm nur, dass Bund, Land-NRW und Stadt Dortmund alle nahezu Pleite sind bzw ihr letztes Geld regelrecht verschleudern und teilweise sogar Unsummen wie zB 10,2 Millionen Euro pro Jahr allein in das Dortmunder U stecken. Sollen doch die gut bezahlten Verwaltungsspitzen und die gewählte Ppolitik nun mal dem Volk zeigen, was sie so drauf haben - oder kommt da mal wieder nichts?

6 Antworten
Stronzo:
von mellow | #2-1

Da kommt einiges. Zum Beispiel wird das Büro der Neonazis unter neuem Namen (NW/Die Rechte) in Huckarde wieder dichtgemacht, dann die neugegründete Partei verboten. Im Übrigen haben Fliegen mikroskopisch kleine Hirne und werden magisch angezogen von - na?

@ merdow
von HerrderFliegen | #2-2

Oh - da hat mein Kommentar aber den Nerv getroffen - aber Hallo! Und - Parteiverbote waren hier nicht Thema und sind an ganz besondere Verfahren beim Bundesverfassungsgericht gebunden. Dumm gelaufen - oder?

Stronzo:
von mellow | #2-3

Haben Sie vor einem Jahr bezüglich der NW-Trottel nicht genauso getönt? Noch dümmer gelaufen - oder?

@ merdow
von HerrderFliegen | #2-4

Einfach mal auf das vorläufige Endergebnis des Verbotsverfahrens des NRW-Innenministers Jäger (SPD) schauen ... Muhahahahahaa

Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #2-5

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

@Herrder Fliegenhirne
von mellow | #2-6

Warten Sie einfach die Entscheidung ab.

24.01.2013
18:02
Die Protestwelle gegen Streichung von Schulsozialarbeitern rollt an
von xxyz | #1

"Kein Kind zurücklassen" ?????
Schule ist Ländersache. Die Landesregierung muss Prioritäten setzen, und die Schulen mit den erforderlichen Mitteln ausstatten.
100 000 EUR für Lärmmessung an Autobahnen sind da.
100 000 EUR für die Nutzung von Ökostrom in Essen sind da.
Da kommt es auf Prioritäten an.

Ich frage mich auch, wie wir es in den 70er/80er-Jahren geschafft haben aufzuwachsen, ohne einen Sozialarbeiten oder Therapeuten an der Schule gesehen zu haben.

Werden hier wieder Aufgaben der Eltern, die auch immer mehr Kindergeld bekommen, an den Staat outgesourct? Es wird Zeit, dass die Ämter auch die Eltern in die Pflicht nehmen. Ein Ansprechpartner ist bequem, aber auch wirklich erforderlich?

Dass er sinnvoller ist als die o.g. Geldverschwendung ist klar, aber die hohe Anzahl an Sozialarbeitern wundert mich. Es ist doch wichtig, dass Kinder/Eltern eine Beziehung zu einem Klassenlehrer aufbauen. Für Problemfälle gab es den Vertrauenslehrer. Das sollte auch reichen.

5 Antworten
Die Protestwelle gegen Streichung von Schulsozialarbeitern rollt an
von mehr_schulsozialarbeit | #1-1

Schulsozialarbeit ist nicht umsonst bzw. aus irgendeiner Laune heraus eingerichtet worden und nicht umsonst fordern immer mehr Schulen (Lehrer und Eltern) einen Ausbau der Schulsozialarbeit. Es gibt dazu gute und vor allem wichtige Gründe, die Sie leicht herausfinden können, wenn Sie sich mit Schule und Jugendhilfe nur einmal wirklich näher befassen.

Und... Wir leben eben nicht mehr in den 70er oder 80er Jahren, sondern sind ein paar Jahre weiter und haben allein schon ganz andere Voraussetzungen als früher.

@xxyz
von mellow | #1-2

"Es ist doch wichtig, dass Kinder/Eltern eine Beziehung zu einem Klassenlehrer aufbauen. Für Problemfälle gab es den Vertrauenslehrer. Das sollte auch reichen."

Sollte, hätte, könnte... Tut es aber nicht. Ich empfehle Ihnen ein Schulpraktikum, am besten mit Teilnahme an Elternsprechtagen (an denen Sie dann weniger als die Hälfte, oft auch nur ein Fünftel der eingeladenen Erziehungsberechtigten kennenlernen werden) und anschließender Begleitung der Sozialarbeiter bei Hausbesuchen der Schüler.
Ich garantiere Ihnen, Sie werden nie wieder die Notwendigkeit von Schulsozialarbeitern und -psychologen in Frage stellen.

Die Protestwelle gegen Streichung von Schulsozialarbeitern rollt an
von xxyz | #1-3

in der Diskussion wurde bisher keine sinnvolle/erforderliche Taetigkeit, die Sozialarbeiter erfordert genannt..

Zur Not muss das Kindergeld gekuerzt werden koennen.

Die Protestwelle gegen Streichung von Schulsozialarbeitern rollt an
von mehr_schulsozialarbeit | #1-4

Schulsozialarbeit unterstützt die Möglichkeit, dass außerhalb des (formalen) Bildungsauftrags, Schule die Lebenswelt ihrer Schüler und Schülerinnen ganzheitlich in den Fokus nehmen kann.

Zum Beispiel allein die Möglichkeit von (zeit-)intensiven (Einzelfall-)Hilfen und Beratung in außerschulischen Bereichen, die wiederum in den Schulalltag mit einfließen (wie unentschuldigte und hohe Fehlzeiten, fehlende Unterrichtsbeteiligung, Aggressivität/Gewalt etc.), würde ein Beratungslehrer, der zusätzlich noch Unterricht gibt, kaum schaffen. Er müsste viel früher als ein Sozialpädagoge an andere Stellen vermitteln (Jugendamt, Beratungsstellen etc.). Im Unterschied zu externen Helfern kennt ein Schulsozialarbeiter die Schüler jedoch bereits und/oder hat die Möglichkeit, sie täglich zu sehen. Somit kann mit Problemlagen viel flexibler und direkter umgegangen werden. Sehr bedeutsam wird dies in Bezug auf das Thema Kindeswohlgefährdung und Kindesmissbrauch.

Die Protestwelle gegen Streichung von Schulsozialarbeitern rollt an
von mehr_schulsozialarbeit | #1-5

...ganz davon abgesehen, dass Sozialpädagogen in der Regel eine umfassendere Ausbildung im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit / Jugendhilfe haben und von ihnen daher auch in vielen Fällen andere bzw. weitere Perspektiven eingenommen und Methoden angewandt werden.

Jemand der Schulsozialarbeit für unnötig hält, weiß offensichtlich nicht, wie Jugendliche heute aufwachsen und welche Bedürfnisse sie haben.

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