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Hans-Georg Hovermann

Die Platte war zunächst nicht so sein Medium

10.09.2009 | 16:35 Uhr

Dortmund. Manchmal wird man erst spät wachgeküsst, und bei Hans-Georg Hovermann war das so. Nicht, dass er nicht früher als mit 24, 25 Jahren etwas mit Musik zu tun gehabt hätte - er hat schließlich in seiner Jugend Klavier gelernt. Und später Radio gehört. Aber Schallplatten waren uninteressant.

Schallplatte, das war nicht so sein Medium. „Ich hab' lieber selber Musik gemacht", sagt er. Bis zum Erscheinungsjahr von Rod Stewarts „Sailing" 1975, als Hovermann seine Abneigung gegen den Tonträger über Bord warf.

Wahre Musik ist weiter die Politik

„Inhaltlich kein besonders hohes Bildungsideal, aber total angenehm" - so der 58-Jährige über das, was Stewart damals sang. Wer weiß, dass der Bauingenieur 2003 nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten die Politik verlassen hat (er war lange Jahre ein schwer polarisierender Fraktionsvorsitzender der CDU in Dortmund), der ahnt, dass Hovermanns wahre Musik auch heute noch die Politik ist. Kein Amt mehr, aber „ich trage auch heute noch meine kleinen Gefechte aus und vertreibe als Dorfpolitiker meine Meinung im Internet".

Hans-Georg Hovermann mit seiner ersten LP (Platte) Rod Steward Foto: Knut Vahlensieck

Das zwangsweise Loslassen hat ihm damals wehgetan. Zur Erklärung: Hovermann hatte einige Entwicklungsprojekte (u.a. das Gelände der Kronenbrauerei an der Märkischen Straße) übernommen, die sich nicht - wie erhofft - in dem Zeitrahmen entwickeln ließen, wie er sich das vorgestellt hatte. „Man hängt an Krediten, an Zinsen und kann die Projekte nicht verkaufen - sie glauben gar nicht, in welch' kurzer Zeit da Riesensummen zusammenkommen." Erst war es ein Fehler, dann eine Niederschlag. „Ich hab' das Marktrisiko unterschätzt", sagt er. Er teilte aus, er steckte ein. Das war 2003, aber aufräumen tut er immer noch. „Man kann nicht in guten Zeiten dicke Gehälter einstreichen und in schlechten heulen." Es geht weiter: „Man muss ackern - kleiner, einfacher, vorsichtiger."

Aufräumen zehrt

Klar, dass das Aufräumen seine ganze Kraft erfordert. Hovermann ist heute Geschäftsführer des Unternehmens Grundtransfer. Die Firma verwaltet große Wohnungsbestände, arbeitet mit einer Anwaltsgesellschaft zusammen, berät Eigentümer, die mit ihren Immobilienbeständen in Krisen geraten sind. Er weiß schließlich einiges darüber.

Jetzt noch mal zum Loslassen von der Politik. „Wenn man in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät, gehört es sich von politischen Ämtern zurückzutreten, um sich nicht erpressbar zu machen. Aber es war eine schmerzhafte Sache", meint Hovermann, „ich hab' gut 25 Jahre jeden zweiten Abend und zwei, drei Termine am Tag der Politik geopfert. Aber die Power ist vorbei, wenn man geschwächt ist." Dass er aber kürzlich sechs, sieben SMS auf sein Handy gekriegt hat mit dem Hinweis, ja zur Wahl zu gehen, hält er dann doch für lachhaft.

Rod Stewart ist Geschichte

Hovermann sitzt in dem Büro der Firma auf der Stadtgrenze zwischen Mengede und Castrop. Politik ist Erinnerung und immer noch Gegenwart, Rod Stewart aber Geschichte. Sein CD-Stapel im Auto umfasst derzeit die „Philosphiegeschichte des Abendlandes", das „Festival der Militärmusik", Udo Lindenberg und Trompetenkonzerte von Haydn. Durchaus vielfältig, da spielt sich nix in den Vordergrund.

Musik hat aber bei ihm ohnehin nie den Status des klingenden Hintergrunds verlassen. Inzwischen läuft sie aber wieder als Ausdruck guter Laune.

Dirk Berger

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