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Die Nummer gegen Kummer

17.01.2013 | 17:24 Uhr
Die Nummer gegen Kummer
Manche sind regelrecht verzweifelt, wissen nicht weiter, andere brauchen einfach mal jemanden zum Zuhören.Foto: Jörg Schimmel

Dortmund.  Manche sind regelrecht verzweifelt, wissen nicht weiter, andere brauchen einfach mal jemanden zum Zuhören. Und wählen. Die Nummer gegen Kummer.

Manche sind regelrecht verzweifelt, wissen nicht weiter, andere brauchen einfach mal jemanden zum Zuhören. Und wählen. Die Nummer gegen Kummer . Die gibt es bundesweit; auch in Dortmund sitzt ein knappes Dutzend Ehrenamtlicher am Telefon, um ein Ohr und auch einen Rat für Kinder und Jugendliche zu haben.

„Es fängt oft ganz belanglos an“, sagt Bärbel Pelzer. Da erzählt ein Junge von Zuhause, von der Freundin seines Vaters – und irgendwann kommt ‘raus, dass diese Frau, der Mutterersatz, den Jungen sexuell missbraucht. Oder ein 15-Jähriger schüttet ihr das Herz aus – er hat ein Verhältnis mit seiner Tante. „Manchmal sind das wirklich schlimme Dinge. Die nimmt man dann auch mit nach Hause“.

Zwischen Scherz und Schmerz

Oft genug drehen sich die Gespräche der jungen Klientel um Beziehungsprobleme: Ärger mit der Freundin, eine Sechs in Mathe und keine Traute, es den Eltern zu beichten, frisch verliebt sein. Bei den 9- bis 12-Jährigen, sagt Martina Furlan vom Kinderschutzbund , spiele sich an die 30 Prozent der Gespräche in diesem Dunstfeld ab, meist sind es da Mädchen, die einen anonymen und erwachsenen Ansprechpartner suchen. Mobbing in der Schule, übers Internet – ein weiteres junges Thema der heutigen Zeit. Die Anrufe – eine bunte Mischung. Und die Ehrenamtlichen sitzen immer im Spannungsfeld – zwischen Scherz und Schmerz. „Mal sind es locker, leichte Gespräche und dann geht es wieder um Dinge, die einem die Schuhe ausziehen“, sagt Furlan.

„Ich bin oft genug auch Casting-Jury“, schmunzelt Sven Jütte. „Kannst Du mal zuhören, fragen die dann und trällern los. Einer hat sogar mal Trompete gespielt“. Was die Menschen am anderen Ende des Hörers immer tun: Die jungen Anrufer ernst nehmen. Mit allem, was sie gerade bewegt. „Lapidare“ Probleme gibt es nicht. Und: „Kinder öffnen sich schnell, wenn man zuhören kann“, sagt Uwe Ahlers. Sie finden am Telefon eben das, was im Alltag oft fehlt: Jemanden, der einfach Zeit für sie und ihre Probleme hat.

Schulung der Ehrenamtlichen

Die Ehrenamtlichen werden geschult; zwei bis drei Mal im Monat sollten sie sich für zwei Stunden in den Dienstplan eintragen. „Eigentlich sollte das Telefon von 14 bis 20 Uhr, montags bis freitags besetzt sein“, sagt Furlan. Das schaffen die Dortmunder zurzeit nicht – es fehlen Mitarbeiter.

5000 Anrufe in 2012 – ungefähr die Hälfte des normalen Aufkommens; das liege an den fehlenden Telefonzeiten. Viele, die sich engagiert haben, werfen nach einiger Zeit das Handtuch. Vielleicht auch, weil sie nur punktuell zusprechen können, nie aber eine „Qualitätskontrolle“ haben. Denn die Kinder werden aus allen Teilen der Republik an jeden freien Telefonplatz zugeschaltet.

„Man weiß eben nicht, was daraus wird“

„Man weiß eben nicht, was daraus wird“. Aus der 15-Jährigen, die bekennt, dass sie im Hospiz liegt und nur noch wenige Wochen zu leben hat. Aus dem Mädchen, das verliebt ist, deren Auserwählter aber nichts von ihr wissen will. Aus der Clique, die die Nummer nur mal kichernd ausprobieren will. Fakt ist: das Telefon steht selten still.

Und über eine solche telefonische Begegnung, wie Bärbel Pelzer sie hatte, können dann auch alle schmunzeln: „Ein kleines Mädchen rief an. Fragte: Kannst Du auch Mathe? Ich sagte: Ja. Wieviel ist denn 18 plus 7. Na: 25. Oh, super! Danke! Tschüss!“

Von Anja Schröder



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