Die Magd Zerline reicht die Kündigung ein
09.11.2007 | 20:59 Uhr 2007-11-09T20:59:54+0100Kammerschauspielerin Helga Uthmann hat als Magd Zerline gekündigt. Mit der 180. Vorstellung morgen um 18 Uhr im Harenberg City-Center ist Schluss. Endgültig. ...
... Helga Uthmann hat damit nicht nur für das Theater Dortmund einen ganz beachtlichen, tollen Rekord aufgestellt. Premiere war vor fast genau zwanzig Jahren, am 19. Dezember 1987 im Bremer Zimmer des Museums für Kunst und Kulturgeschichte. "Mit 35 Besuchern", weiß Helga Uthmann noch genau. Damals hätte niemand daran geglaubt, dass die Inszenierung von Guido Huonder zu einem Dauerbrenner wird.
Monolog geht über 80 Minuten
Mehr als hitverdächtig ist "Die Erzählung der Magd Zerline" ebenso für das Harenberg City-Center. Im Clubraum in der 18. Etage, wo das Stück des österreichischen Schriftstellers Hermann Broch seit dem 7. Juni 1995 zu sehen ist, wird die 50. Aufführung gefeiert. Hausherr Bodo Harenberg, der fast alle Vorstellungen gesehen hat lobte: "Ich habe mich nie gelangweilt. Das Stück ist ungeheuer spannend. Immer entdecke ich andere Nuancen". Fast 80 Minuten dauert der Monolog der Magd Zerline, nur an wenigen Stellen von Herrn A. unterbrochen. Dieser Herr A., meist gespielt von Kammerschauspieler Claus Dieter Clausnitzer, sitzt schweigsam auf dem Sofa und hört sich still die Geschichte um Giftmord, Spionage, Intrigen und Erpressung an.
Helga Uthmann hat die Magd auch mit Schauspielern wie Hartmut Stahnke oder Jürgen Uter auf die Bühne gebracht. Doch bei allem lag es der Schauspielerin, die seit 1975 in Dortmund tätig ist, daran, dass das Stück immer in kleinen, intimen Räumen aufgeführt wird. Deshalb war sie zunächst erschrocken, als Bodo Harenberg den Clubraum mit den großen Fenstern in der 18. Etage zur Verfügung stellte. Aber auch hier wurde die Magd zum Dauerbrenner. Jede Vorstellung war mit etwa 90 Besuchern (mehr geht nicht) ausverkauft.
Trotz der vielen Aufführungen: Helga Uthmann ist vor Beginn noch immer "ungeheuer aufregt", erzählt sie. Niemals sei es zur Routine geworden. "Das darf es auch nicht werden", sagt die erfahrene Kammerschauspielerin, die sich auf Herrn A. als stillem Begleiter verlässt. Ständiger Begleiter ist das längst abgegriffene Büchlein mit dem Text: "Ich muss mich schon ein paar Tage vorher wieder einlesen", sagt Uthmann/Zerline, "es ist sehr viel zu behalten und zu beachten".
"Du bist zur Magd Zerline geworden", sagte Claus Dieter Clausnitzer zu seiner langjährigen Kollegen vertraut. Wie Recht er damit hat.
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