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Die Fremde ist heute das Zuhause

25.12.2011 | 10:00 Uhr
Die Fremde ist heute das Zuhause

Dortmund.   „Rancho Folclorico St. Antonio Dortmund“ – ein gewaltiger Name. Einer, hinter dem sich viel verbirgt. Ein Name, der Heimat bedeutet – seit 40 Jahren ein Zuhause in der Fremde für die große portugiesische Gemeinde in Dortmund.

„Rancho Folclorico St. Antonio Dortmund“ – ein gewaltiger Name. Einer, hinter dem sich viel verbirgt. Ein Name, der Heimat bedeutet – ein Zuhause in der Fremde. Aber die Worte grenzen nicht ab, sondern führen zusammen: die portugiesische Tradition und das Leben in Deutschland. Die Folkloregruppe ist ein Teil Dortmunds, seit 40 Jahren gibt es sie – beheimatet im Herzen der Nordstadt.

Und genau dort schlug auch Manuel Teixeira auf, als er vor 25 Jahren nach Deutschland kam. Die Liebe hatte ihn nach Dortmund geführt. Seine heutige Frau lebte bereits mit ihrer Familie hier. Als sie zu Besuch in Portugal war, lernten sich die beiden kennen. Mit Anfang Zwanzig entschied Teixeira sich, seinem Herzen zu folgen und nach Deutschland auszuwandern. „Lange bleiben wollte ich aber eigentlich nie“, erzählt er.

Doch das Leben baute sich ganz von selbst auf. Er machte eine Lehre als Schweißer, fand einen Job, bekam Kinder. Die Tochter ist heute 23 Jahre alt, der Sohn ist sieben.

„Es ist viel gefährlicher geworden.“

In der Nordstadt fühlte er sich schnell ziemlich wohl . „In den 80er Jahren gab es sehr viele Portugiesen in Dortmund“, sagt der heute 47-Jährige. 80, 90 Prozent hätten in der Nordstadt gelebt. Heute seien die meisten wieder weg gezogen. Wie er selbst auch, der nun ein Haus in Brackel hat.

Doch die ersten Jahre lebte er mit seiner Familie am Nordmarkt. Seine Tochter ging dort zur Grundschule, wo es regelmäßig Unterricht auf Portugiesisch gab. „Die Mallinckrodtstraße war früher so eine schöne Straße“, schwärmt er. Seine Tochter habe dort immer mit Freunden gespielt, bis zehn oder elf Uhr abends manchmal. Heute könne er sich das nicht mehr vorstellen. „Es ist viel gefährlicher geworden.“

Von dem alten Leben ist trotzdem einiges geblieben. „Es gibt immer noch viele portugiesische Cafés in der Nordstadt“, sagt Teixeira. Und natürlich das Portugiesische Zentrum. Es gehört zur Gemeinde St. Antonius in der Holsteiner Straße. Und dort ist auch die Folkloregruppe mit dem endlos langen Namen zuhause.

Sie ist eine weitere Herzensangelegenheit von Manuel Teixeira. Die Gruppe war eine der ersten Anlaufstellen, als er neu in Dortmund war. 13 Jahre lang hatte er dort getanzt, machte dann eine Pause. Als sich die Gruppe vor zwei Jahren aufzulösen drohte, übernahm er. „Jetzt bin ich 1. Vorsitzender und Trainer“, sagt er stolz. Und Sänger und Akkordeonspieler, fügt er achselzuckend hinzu.

Den Kindern geht es gut

Jedes Wochenende treffen sich die Tänzer – 40 junge Menschen, zwischen 8 und 30 Jahren. „Ich habe einfach Spaß an der Musik, und bin dadurch viel mit anderen Menschen zusammen“, sagt Teixeira mit einem breiten Lächeln im Gesicht.

Wieviel er schon mit der Folkloregruppe erlebt hat, belegen die vielen Zeitungsartikel, die er in einem Fotoalbum sammelt – Texte und Bilder von interkulturellen Festen, auf denen die Tänzer aufgetreten sind, von Wettbewerben mit anderen Gruppen aus ganz Deutschland.

Der jungen Generation diese Tradition weiter zu geben, das bedeutet Manuel Teixeira viel. „Wir haben unsere Kinder streng erzogen“, sagt er und ist stolz drauf. Denn den Kindern geht es gut. Die Tochter arbeitet als Medizinische Assistentin im Krankenhaus. Beide Kinder kennen ihre Wurzeln, aber das, was für ihren Vater einst Fremde war, ist für sie schlicht ihr Zuhause. „Portugal ist die Urlaubs-Heimat.“

Christina Römer

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2011-12-25 10:00
Dortmund, Portugal, Sankt Antonius, Nordstadt, Einwanderer
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