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„Die betenden Hände vom Phoenixsee“ - Drehbuch-Vorschlag für ersten Tatort in Dortmund

12.10.2011 | 12:00 Uhr

Dortmund. Tatort Dortmund: junge Anhalterinnen, traditionsreicher Straßenstrich, Kokain-Affäre im Rathaus – hier muss aufgeräumt werden. Soeben hat sich wieder ein Mord ereignet... So könnte der neue Dortmunder Tatort 2012 aussehen, die Idee dazu treten wir bei Bedarf gern an den WDR ab. Lesen Sie selbst unser fiktives Drehbuch zur Folge „Die betenden Hände vom Phoenixsee.“!

09 Fehler, die der Dortmunder Tatort nicht machen sollte

Es steht fest: Dortmund wird 2012 zur Tatort-Stadt , der gebürtige Hagener Jörg Hartmann, aufgewachsen in Herdecke , spielt den Kommissar. 80.123 Straftaten haben sich 2010 in Dortmund ereignet. Tendenz: leicht steigend. Viel Raub, viel Sachbeschädigung, viel Ladendiebstahl und Schwarzfahrerei. Nichts, was aus dem Rahmen fällt, graue Realität eben. Dass sich in Dortmund plötzlich lauter seriöse Menschen – vom Oberbürgermeister bis zu den Stadttouristikern – auf ein paar handverlesene, ausgefeilte Kapitaldelikte freuen, kann mit der Realität also nichts zu tun haben. Die Freude ist allein der Tatsache geschuldet, dass Westfalens größte Stadt endlich in den Krimi-Adel aufsteigt und zur Kulisse für den „Tatort“ in der ARD wird.

Leichen pflasterten schon viele Wege im Ruhrgebiet. Nur nicht im WDR-Tatort. Dortmund war bislang die einwohnerstärkste Stadt Deutschlands, in der noch nie eine Folge der seit 40 Jahren erfolgreichen ARD-Krimi-Reihe abgedreht worden ist.

Als schließlich ruchbar wurde, dass der WDR einen neuen Revierkrimi für die Tatort-Reihe entwickeln will, schaltete sich sogar Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau ein . Er plädierte für seine Heimatstadt als Schauplatz künftiger Verbrechen und schlug ein erstes Drehbuch vor: „Junger Wissenschaftler aus der Region schafft über die Hochschule den Aufstieg, gründet ein Start-up-Unternehmen, hat bahnbrechenden Erfolg – und finstere Typen heften sich an seine Fersen.“

40 Jahre Tatort

Sierau, auch wenn er nicht als Autor verpflichtet wird, gehörte Dienstag zu der Schar der Dortmunder, die die Entscheidung des WDR äußerst beglückt aufnahmen: „Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass mein Werben für Dortmund als Krimischauplatz so erfolgreich ist."

Wir stellen dafür schon mal unseren Vorschlag für ein Drehbuch vor. Titel der Folge: „Die betenden Hände vom Phoenixsee.“

Der Fall

Walter Bee, Sportreporter einer großen Tageszeitung, wird leblos am Nordufer des Phoenixsees gefunden. Die Auffindesituation ist grotesk: Bee kniet tot im Wasser, jemand hat ihm die Hände gefesselt und drapiert, so dass er sie betend vor sich hält. Eine fast sakrale Stellung. Noch im Tod strahlt Bee eine demütige Aura aus, wenn da nicht ein Fan-Schal um seinen Hals wäre. Leider zu fest angezogen.

Die Ermittler

Jan Krafczyk (36), genannt Krafczyk Zwo. Schon sein Vater war ein genialer Kriminaler. Krafczyk Zwo – ein Lebemann und Verschwender vor dem Herrn – wollte alles anders machen. Mit Ende 20 versenkte er ein Startup-Unternehmen für Mikrostrukturtechnik, das auf den wachsenden griechischen Markt setzte. Nun ist er notgedrungen in Papas Fußstapfen unterwegs. Baut am Phoenixsee, doch der Rohbau will kaum wachsen. Krafczyk Zwo hat vergeblich auf Kredite aus einem EU-Topf für den Bau von Niedrigenergiehäusern in strukturschwachen Feuchtgebieten gehofft.

Zülfiye Coskun (31), beste Fallanalytikerin im Dortmunder Präsidium und von Krafczyk Zwo in einer Anwandlung restkolonialen Gehabes „Hilde“ genannt. Da Zülfiye auf deutsch schöne Haare bedeutet, muss sie sich den Spott von Kollegen anhören. Hilde hat aber nicht nur die Haare schön, sondern auch ein Einser-Abi am katholischen Mallinckrodt-Gymnasium und einen Doktor in Psychologie. Sie wäre längst beim LKA, wenn sie sich aus der Anziehungskraft ihrer Familie befreien könnte. Hilde kann, wie geniale Fußballer ein Spiel, einen Tatort „lesen“.

Die Motive

Walter Bee galt in seiner Redaktion als so untrainierbar wie Schalke 04. Bei der Obduktion findet sich eine BVB-Dauerkarte in seiner Luftröhre, mit Wucht hineingerammt. Vieles deutet auf eine Tat quasireligiöser Fanatiker (Gelsenkirchen?) oder einen Fall von fehlgeleiteter Verherrlichung des eigenen Vereins (Profiler-Fachbegriff: „Götze-Verehrung“) hin. Zülfiye legt sich früh auf Ritualmord fest: „Der Täter ist weiß, männlich, 18 bis 45 und durchgeknallt.“ Doch Krafczyk glaubt nicht an den Unbekannten in Königsblau.

Er findet heraus, dass Bee einer Kroaten-Connection auf der Spur war, die Männerhandel betrieb und Frauenfußballspiele verschob. Oder war es umgekehrt? Leider ist die Flaschenpost, die eines der Opfer der Menschenschlepper noch in den Phoenixsee werfen konnte, nicht lesbar.

Die Locations

Die besten Gedanken kommen den Dortmunder Ermittlern an einer Tanke mit „Heißer Theke“ in der Nordstadt. Dort konsumieren sie ständig Snacks für zwischendurch (Bifi, Fleischwurst, auf keinen Fall die notorische „Tatort“-Currywurst). Die Lösung ihrer Fälle feiern Krafczyk und Zülfiye im noblen Restaurant unter der Kuppel des Dortmunder U – und zwar auf ganz großem Fuß. Krafczyk Zwo erweist sich als ein Meister des Spesentopf-Plünderns.

Sonne und Bauen am See

Den düsteren Kontrast zum neuen Dortmund der Reichen und Schönen setzt der feuchte Rohbau am Phoenixsee. Dort hat Krafczyk Zwo, um ein Steuersparmodell anwenden zu können, seinen Vater einquartiert. Mindestens einmal pro Folge treffen am lehmigen Seehang die beiden Ermittlergenerationen aufeinander.

Die Nebenrollen

Krafczyk I, von einem Lungenleiden an sein karges Feldbett gefesselt, liest seinem Sohn bei jedem Baustellenbesuch die Leviten. Er hält Profiling für „Kokolores“ und zieht jeden schlechten Fingerabdruck einer neumodischen DNA-Spur vor. Lieblingsspruch: „Mörder fassen ist wie Bergbau. Du musst graben, graben, graben – und dann hacken!“

Blick in die Nordstadt

„Willi“, Faktotum von der Heißen Theke an der Nordstadt-Tanke. Hat eine Phobie vor Autos mit ausländischem Kennzeichen. Lieblingssatz: DO, EN und HSK – die lieb ich, die sind wunderbar!“

Die Lösung

Ist ziemlich banal: Walter Bee hat bei einem misslungenen Zaubertrick – er wollte seiner neuen Flamme imponieren – seine BVB-Dauerkarte verschluckt und ist erstickt. Das erklärt natürlich einiges, nur nicht Bees betende und gefesselte Hände.

Tatort Dortmund

Also noch mal ganz von vorne beginnen. Oder, am besten, gleich echte ARD-„Tatort“-Kommissare in Dortmund ermitteln lassen. Jörg Hartmann, übernehmen Sie!

Jürgen Potthoff, Michael Schmitz



Kommentare
19.10.2011
14:18
„Die betenden Hände vom Phoenixsee“ - Drehbuch-Vorschlag für ersten Tatort in Dortmund
von vaikl | #28

@ #27

Aus dem guten alten Team mit und um Schimanski hatte Niemand Ruhrgebiets-Deutsch gesprochen (Ruhrpott sagen nur die, die nicht von hier sind). Vielleicht war dieser Tatort deshalb so erfolgreich...

19.10.2011
13:01
„Die betenden Hände vom Phoenixsee“ - Drehbuch-Vorschlag für ersten Tatort in Dortmund
von Sporty71 | #27

Ich fände es klasse, wenn man Bruno Knust als weiteren Ermittler gewinnen würde. Sein Äußeres ist recht markant und sein Ruhrpott-Slang einfach passend...

13.10.2011
16:36
„Die betenden Hände vom Phoenixsee“ - Drehbuch-Vorschlag für ersten Tatort in Dortmund
von Jan_van_Beauregard | #26

Wie ich es mir bereits gedacht habe:

Wenn Ihnen diese gelüfteten Geheimnisse
und vorab verratenen Details reichen, um
über die Qualität eines zukünftigen, noch nicht
gedrehten Tatortes zu urteilen, sollten Sie schon-
mal mit dem Verfassen einer ausführlichen
Filmkritik beginnen und diese hier veröffentlichen.
Zuvor sollten sich sich aber noch einmal mit der
Verwendung von Passivsätzen im Konjunktiv-
Futur 1 beschäftigen.
Davon wimmelt es nämlich in Ihren Quellen,
Sie Textversteher !

Bedenken Sie bitte auch, dass Ratschläge
auch als Verbalattacken aufgefasst werden
könnten.

13.10.2011
16:05
„Die betenden Hände vom Phoenixsee“ - Drehbuch-Vorschlag für ersten Tatort in Dortmund
von vaikl | #25

@ #24

http://www.ruhrnachrichten.de/lokales/dortmund/Erstes-Tatort-Opfer-stirbt-auf-der-Halde;art930,1435427

http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,791317,00.html

http://www.ruhrnachrichten.de/lokales/dortmund/Geheimnisse-gelueftet-Wenig-Stadtbilder-mehr-Schreibtischarbeit;art930,1435397

Lesen und am besten auch noch verstehen, dann müssen Sie das Thema auch nicht mehr auf Ihre persönlichen Verbalattacken reduzieren.

Mit Ihrem Gehabe sollten Sie sich vielleicht um die Rolle des Dortmunder OB im Tatort bewerben. Charakterlich passt das.

13.10.2011
14:55
„Die betenden Hände vom Phoenixsee“ - Drehbuch-Vorschlag für ersten Tatort in Dortmund
von Jan_van_Beauregard | #24

@ 23

Dass ausgerechnet das zu derartigen Vorverurteilungen führen kann,
demonstrieren Sie hier in einer für mich
überraschenden Weise. :-))
Die spekulative Verwendung Ihres Begriffs
überwiegend scheint Ihnen selbst wohl
nicht ganz klar zu sein.
Hauptsache Sie kennen schon Themen und
dramaturgische Gestaltung der Sendungen
im NÄCHSTEN Jahr. Sie Glücklicher :-)))

Trotzdem möchte ich mir aber Ihre guten???
Rätschläge verbitten.

13.10.2011
14:33
„Die betenden Hände vom Phoenixsee“ - Drehbuch-Vorschlag für ersten Tatort in Dortmund
von vaikl | #23

@ #21

Ich informiere mich halt noch aus anderen Medien außer dem WDR-Partner WAZ. Sollten sie auch mal machen.

13.10.2011
12:42
„Die betenden Hände vom Phoenixsee“ - Drehbuch-Vorschlag für ersten Tatort in Dortmund
von Kronenschmeckt | #22

Wenn ich so an Balko und vor allem an Krapp zurück denke, muss ich immer noch schmunzeln.
Diese Serie besaß nicht nur in Dortmund Kultstatus.
Also, warum nicht mal einen Tatort?
Denn dass unsere Stadt TV Krimi tauglich ist hat sie nicht nur einmal bewiesen.

13.10.2011
10:16
„Die betenden Hände vom Phoenixsee“ - Drehbuch-Vorschlag für ersten Tatort in Dortmund
von Jan_van_Beauregard | #21

@ 20

Zitat:
Tja, Wörter für Visionen haben wir hier überreichlich, das stimmt. Wohl auch deswegen wird der Plot des neuen Tatorts überwiegend am Schreibtisch gedreht.


Und HELLSEHER und MECKERFRITZEN gibt es
hier ebenfalls überreichlich, die jetzt schon
genau wissen, wo und wie, und vor allem mit
welchen Themen gedreht wird, ohne bisher
ein Drehbuch gelesen oder gar eine Sendeminute
des neuen Tatorts gesehen zu haben.

Meine Güte, wartet doch erst einmal die ersten
drei Folgen ab und bildet euch dann eine Meinung.
Dann kann man immer noch BEGRÜNDET
kritisieren.
Und wer eine pathologische Einstellung zur
Stadt Dortmund hat, kann ja immer noch seine
Qualitätssendungen auf RTL 2 oder Neun Live
sehen. Es zwingt ihn ja keiner den Tatort
zu schauen.

Ich bleibe dabei:

Dortmund ist so vielschichtig, dass sich daraus
ein breites Spektrum an interessanten Tatort-
themen ergeben KANN (Konjunktiv !!!).
Ich hoffe, dass das genutzt und erfolgreich
umgesetzt wird.
Schau´n wir mal !

13.10.2011
01:37
„Die betenden Hände vom Phoenixsee“ - Drehbuch-Vorschlag für ersten Tatort in Dortmund
von vaikl | #20

@ #19

Tja, Wörter für Visionen haben wir hier überreichlich, das stimmt. Wohl auch deswegen wird der Plot des neuen Tatorts überwiegend am Schreibtisch gedreht. Wenn der verantwortliche WDR-Redakteur schon in der Stadtmitte überall Fördertürme sieht, naja.

Nehmen Sie sich ruhig mal Zeit für die anderen Ruhrgebietsstädte - letztes Jahr war ja eigentlich die beste Gelegenheit dafür, aber was nicht ist...

13.10.2011
01:20
„Die betenden Hände vom Phoenixsee“ - Drehbuch-Vorschlag für ersten Tatort in Dortmund
von Jan_van_Beauregard | #19

@ 18

Na, dann biete ich noch ein paar weitere
Adjektive an, die meines Erachtens auch
ganz gut passen:

vielschichtig, verschiedenartig, mannigfaltig, vielfältig, mannigfach, vielseitig,....

Eigentlich doch eine gute Basis für spannende
Tatorte.

Ich möchte hier aber keine Vergleiche zu
Gelsenkirchen oder Bochum ziehen, da ich
diese Städte einfach nicht gut genug kenne.

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