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Die Angst geht um im Spielcasino

22.08.2008 | 20:56 Uhr

Was mit Glücksspiel zu tun hat, muss noch lange nichts mit Glück zu tun haben: Die 332 Mitarbeiter des Casinos Hohensyburg stehen möglicherweise vor harten Zeiten. Nicht nur, dass die Tarifverhandlungen stocken. ...

Sieht die Dortmunder Spielbank auf dem Weg in schwierige Zeiten: Sascha Tiefenbach. Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende kritisiert u.a., dass das Haus planvoll unattraktiv gemacht wird. (Foto: Knut Vahlensieck)

... Vor allem macht ihnen eine Personalentscheidung zu schaffen. Denn dem wahrscheinlich neuen Bereichsleiter Spiel, Konrad Schulze, geht der Ruf eines harten Sanierers voraus. Was der neunköpfige Betriebsrat des Westspiel-Casinos an Informationen zusammengetragen hat, macht ihn misstrauisch. Schulze käme aus dem Bad Oeynhausener Casino nach Dortmund. "Das hat in den letzten Jahren etwa 80 Prozent der langjährig unbefristet Beschäftigten abgebaut", so der stellv. Betriebsratsvorsitzende Sascha Tiefenbach. Unternehmensweit sei die katastrophale Stimmung unter den Mitarbeitern im Oeynhausener Casino bekannt. Eingestellt wurden stattdessen befristet Beschäftigte, die nicht länger als zwei Jahre dort arbeiteten.

Der Grund sei offensichtlich. Alle drei Jahre sei ein Gehaltssprung üblich, "und wenn ich die Leute nur zwei Jahre beschäftige, wird natürlich Geld gespart". Angenehme Nebenwirkung für das Unternehmen: "Bei ständiger Fluktuation gibt es weniger Zusammenhalt, einen schwächeren Betriebsrat und eine einfachere Akzeptanz der Führung." Alles in allem erkennen die Personalvertreter System hinter dem Vorgehen.

Westspiel betreibt vier Casinos in NRW: In Dortmund, Aachen, Oeynhausen und Duisburg. Wie berichtet, hatte Westspiel letztens ein Aussetzen der Tarifverhandlungen gefordert - wegen angeblich schlechter wirtschaftlicher Entwicklung. Auch hinter dieser Argumentation vermuten die Betriebsräte System. Durch das neu eröffnete Duisburger Casino werde der Kuchen nun durch vier geteilt. Klar, dass die etablierten drei schlechtere Ergebnisse lieferten. Ferner gelte für den Glückstempel am Rhein eine andere Gesellschaftsform, und die 249 Mitarbeiter unterlägen keiner Tarifregelung. Mit anderen Worten: 2007 zogen die Duisburger 585 000 Kunden ab - und arbeiteten zudem wesentlich kostengünstiger.

Dort gebe es noch Parkkarten für Stammgäste, freien Kaffee etc., "aber bei uns ist die Mehrzahl der Vergünstigungen weggefallen". Planvoll werde das Syburger Haus unattraktiv gemacht, was wirtschaftlichen Druck hervorrufe. Die Mitarbeiter leiden darunter, "aber insgesamt", so Tiefenbach, "war der Westspiel-Abschluss 2007 ganz prima - mehr Bruttospielertrag, mehr Besucher..."

"Hier werden drei Standorte für ein neues Geschäftsmodell geopfert", sagt er, "und nach dem was in Oeynhausen gelaufen ist, herrscht hier ganz klar die Angst um den Arbeitsplatz."

Von Dirk Berger

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Kommentare
24.08.2008
15:28
Die Angst geht um im Spielcasino
von runningvalentino | #1

Westspiel ist , da zur West LB und zu Lotto gehörend, keine wohltätige Einrichtung. Gewinnmaximierung ist folgerichtig die Philososphie des Unternehmens gewesen. Wer etwas anderes vermutet hat, ist recht naiv. Ziel aller Casinos ist es, die Gäste spielerisch um ihr Geld zu erleichtern . Die Gehälter der Beschäftigten der Spielbank Hohensyburg sind in der Vergangenheit für eine Anlerntätigkeit sehr gut gewesen.
Wenn nun die Gäste ausbleiben- warum auch immer- ist es aus Sicht der Unternehmensleitung nur naheliegend, das Personal auszudünnen, oder aber die Arbeitsbedingungen so unattraktiv zu machen, dass es sich nicht mehr lohnt die Kugel zu drehen oder ein neues Blatt zu geben.
Amerikanische Verhältnisse im Casino- war das denn jemals anders ?

Allerdings kann ich aber auch die Ängste der Mitarbeiter um den Arbeitsplatz und die Wahrung eines möglichen Besitzstandes durchaus verstehen. Aber: 17% der Dortmunder sind sicherlich mehr zu bedauern.

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