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DFB-Museum als Gefahr für Dortmunds klamme Kassen

05.06.2012 | 04:00 Uhr
Auf dem Gelände des zukünftigen DFB-Fußballmuseums am Königswall, bislang Standort des Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB), sind die ersten vorbereitenden Arbeiten für den Museumsbau angelaufen.Foto: Helmuth Voßgraff

Dortmund. Bislang hatten alle Ratsfraktionen stets zugestimmt, als es galt, das Fußballmuseum an den Königswall zu holen . Doch: Die Standortentscheidung für Dortmund könnte den Haushalt der Stadt teuer zu stehen kommen. Als erste politische Kraft bekommen nun die Grünen kalte Füße.

Damit das neue Mekka der Fans tatsächlich in 2014 seine Tore öffnen kann, müssen die Bauarbeiten im Spätsommer 2012 beginnen. Noch aber hält die Stadt den Daumen auf ihr Filet-Grundstück auf der Sonnenseite des Hauptbahnhofs; der Erbbaupachtvertrag ist noch nicht unterzeichnet. Dazu müsste entweder der Rat grünes Licht geben, wozu er frühestens im September/Oktober in der Lage wäre. Oder der Landesbeauftragte Harald Heinze stellt der Verwaltung die nötige Vollmacht aus.

Grüne erwarten Zwischenbericht

Bei der Gelegenheit erwarten die Grünen einen Zwischenbericht. Daraus soll hervorgehen, ob die Stadt die Risiken für künftige Haushalte, die aus den eingegangenen Verpflichtungen erwachsen, hinsichtlich der Eintrittswahrscheinlichkeit inzwischen noch genauso gering einschätzt, wie sie es bei der Beschlussfassung im Stadtparlament vor zwei Jahren getan hatte.

„Angesichts der knappen Haushaltsmittel und der neu erlassenen Haushaltssperre gehen wir davon aus, dass vor Unterzeichnung des Erbbaupachtvertrages offen gelegt wird, in welchem Umfang die vertraglich vereinbarten Sponsorengelder in Höhe von 350.000 Euro eingeworben werden konnten“, sagt Ingrid Reuter, frühere Sprecherin der Grünen im Rathaus.

Zudem soll die Verwaltung die Kosten für die äußere Erschließung des Grundstücks, die Anpassung des Geländes an die Architektur des Museums, die Bereitstellung von Parkplätzen sowie für die weiteren vereinbarte n Maßnahmen beziffern. „Wir hoffen“, so Ingrid Reuter, „dass sich der Bau des Fußballmuseums nicht zu einem finanziellen Desaster für die Stadt auswächst.“

"Museen schreiben rote Zahlen"

„Tatsächlich wird der finanzielle Spielraum der Stadt von Jahr zu Jahr enger, so dass die von der Stadt eingegangenen Verpflichtungen zum heutigen Zeitpunkt vermutlich anders bewertet werden müssten als vor drei Jahren“, fügt Hilke Schwingeler, Sprecherin des Grünen-Kreisverbands, hinzu. Sie hoffe, dass „der Fußballhype die erwünschten Besucherzahlen bringt und Verluste vermieden werden können.“

Das DFB-Museum

Alarmiert hat der Bund der Steuerzahler NRW auf die Aussage der Geschäftsführung der Stiftung DFB Fußballmuseum gGmbH reagiert: „Es ist beinahe ein Gesetz: Museen schreiben rote Zahlen.“ Auf einen Fragenkatalog vom März 2012 , der auf detaillierte Kostenangaben abzielt, reagierte die Stadt im April teils ausweichend. Die Kosten für die Verlagerung der Zentralen Omnibusbahnhofs vom Königswall an die Steinstraße gab die Stadt mit 1,2 Mio Euro an.

Auf Fragen etwa zu den Kosten für Baureifmachung und Erschließung des Grundstücks und den zu kalkulierten Betriebskosten teilt die Stadt nichts mit. Die gegenseitigen Pflichten und Rechte zwischen den Gesellschafter der Stiftung seien in Verträgen vereinbart worden, die allesamt im nichtöffentlichen Teil der Ratssitzung behandelt worden seien. „Wir sind enttäuscht“, hätte sich Sprecherin Miriam Drescher detailliertere Kostenangaben gewünscht.

Rolf Maug


Kommentare
13.06.2012
00:14
DFB-Museum als Gefahr für Dortmunds klamme Kassen
von Ratsmitglied | #11

Alle Ratsfraktion waren dafür ? Nein, eine kleine und unbeugsame Fraktion hatte von Beginn an dagegen gestimmt, weil sie einfach nicht glauben mag, dass Löws Blauer Pulli eine solide Geschäftsgrundlage darstellt. Die haben zwar keinen Zaubertrank, aber recht haben sie trotzdem, die Linken. Nur die Berichterstattung läßt mal wieder zu wünschen übrig.

06.06.2012
09:43
Die Stadtoberen...
von hamicha | #10

erinnern mich bei der Finanzierung des DFB Fußballmuseums und der Folgekosten irgendwie an meine Frau : alles haben wollen,weil es doch so schön aussieht und sie es immer schon haben wollte ,obwohl keine Knete mehr in der Kasse ist !
Um dem Museum die bereits angespochenen "rote Zahlen" zu ersparen folgender Vorschlag : alle auswertigen Fußballfans die mit dem Zug am Hbf anreisen werden per Polizeieskorte zum Museum geleitet um eine Eintrittskarte zu kaufen.Die paar Euros werden sie - nach der BvB-Preiserhöhung - auch noch verkraften,wenn sie unbedingt ein Spiel sehen wollen.
Die Bettensteuer wurde ja auch erfolgreich eingeführt.

05.06.2012
19:52
@xxyz | #8
von vaikl2 | #9

Ihr Kommentar gleicht dem Slogan "Currywurst ist SPD" und ist der typische Beleg dafür, dass diese Stadt auch noch in Jahrhunderten eine kleine, miefige Provinzbutze bleiben wird - die auch dann wieder erst nach Konsequenzen schreit, wenn alles Geld futsch ist und die Personalien unter Amnesie leiden.

2 Antworten
DFB-Museum als Gefahr für Dortmunds klamme Kassen
von xxyz | #9-1

@vaikl2: Mögen Sie das Museum im U?
Finden Sie, dass es mit vielen anderen Museumsneubauten konkurrieren kann?

Ich hatte das Gefühl, das ich im Eingangsbereich des Museums in der Fernsehabteilung des lokalen Elektro-Discounters bin, und die eigentliche Ausstellung erinnert an alte Kellergebäude.

Ich kann Ihnen auch versichern, dass ich schon andere Länder und Museen gesehen habe. Das U ist einfach schlecht gemacht und uninteressant.

Das DFB-Museum hat ein Alleinstellungsmerkmal und passt zu Dortmund. Ich freue mich darauf. Wenn es dann noch eine gute Curry-Wurst und ein Pils gibt, passt das doch zur Region.

DFB-Museum als Gefahr für Dortmunds klamme Kassen
von vaikl2 | #9-2

Ich weiß nicht, warum ich jetzt zwei völlig unterschiedliche Konzeptionen vergleichen soll.

Wenn in meiner Stadt ein Museum inkl. dessen Ausstellungs-Konzeption gut gemacht ist, gehe ich dort gern auch mehrfach im Jahr hin. Also scheiden sowohl U-Turm (bislang) und DFB-"Museum" schon mal aus, denn ein rein marketing-technisches "Alleinstellungsmerkmal" allein zieht noch keinen Hering vom Teller.

Ein Museum sollte schon viel mehr beinhalten als eine touristische Devotionalien-Schau. Aber Kunst in der Kultur heißt in Dortmund halt Currywurst...

05.06.2012
17:47
DFB-Museum als Gefahr für Dortmunds klamme Kassen
von xxyz | #8

Was geht hier noch transparent und warum melden sich die Politiker so spät?

Ich sehe das DFB Museum als große Chance. Wenn die Kosten wieder explodieren, hoffe ich, dass endlich auch personelle Konsequenzen gezogen werden.

Eine Lösung ist bspw. das U zu schließen und eine Konzentration auf die Stärken durchzuführen. Dortmund kann Fußball, und die Menschen wollen Fußball sehen.

Dortmund kann kein Kunst-Museum. Das erkannt man sofort beim Besuch des Us. Deshalb weg damit, es interessiert sowieso keinen.

05.06.2012
14:13
DFB-Museum als Gefahr für Dortmunds klamme Kassen
von Hagrid | #7

Fast bin ich versucht, zu fragen: "Wer braucht dieses Museum? Entscheidend is aufm Platz."
Dass die CDU hier keine Einwände erhebt, ist verständlich; sie ist beim DFB seit jeher reichlich vertreten unter den Funktionären.

05.06.2012
13:26
DFB-Museum als Gefahr für Dortmunds klamme Kassen
von Eva-Maria | #6

Wurde die Vertreter der Stadt, die Politik über den Tisch gezogen?
Wer war bei diesem Vertrag, bei diesem Geschäft von der Politik und von der Verwaltung beteiligt?
Öffentliche Gelder unterliegen der öffentlichen Kontrolle!
Was soll die Öffentlichkeit, der Bürger dieser Stadt nicht erfahren und was soll im Verborgenen bleiben?
Wäre die Verschwendung von Steuergeldern nicht ein Thema im Wahlkampf?
Es ist bemerkenswert, dass die Oppositionspartei CDU dazu keine Meinung hat.
Gibt es in der Sache, aber nicht in der Öffentlichkeit, eine große Koalition?
Wer Akzeptanz will, muss Transparenz herstellen!
Es sind diese Hinterzimmer-Geschichten, die den Glauben der Bürger an die Verwaltung und Politik schwinden lässt.
Eine Stadt, die der Pleite entgegen schlittert, sponsert einen reichen Verband.
Es sieht aus wie ein Stück aus dem Tollhaus.
Oder ist es in diesem Fall eine Fahrlässiglkeit oder ist es schon Veruntreuung von Steuergeldern?Diese Frage müsste geklärt werden!
Die Presse macht den Job.

05.06.2012
11:05
@superimpi | #2
von vaikl2 | #5

Im Vorfeld??? Die Verträge sind unterschrieben und die Weigerung der Stadt, die dort gültigen Verpflichtungen offen zu legen, sind Indiz genug für das wiederholte Versagen der "Leuchtturm"-geilen Provinzpolitiker hier.

Wenn noch nicht mal der U-Turm, der für einen viel größeren kulturinteressierten Besucherkreis mit viel größerem TamTam beworben wurde, mit vielen unterschiedlichen Ausstellungen wesentlich mehr als 100.000 echte Besucher in 2011 angezogen hat - woher sollen bitte 300.000/Jahr für ein spezielles, dauer-gezeigtes Thema kommen??

05.06.2012
10:58
DFB-Museum als Gefahr für Dortmunds klamme Kassen
von drengler | #4

Von kein Geld reichlich - das ist mittlerweile Programm in Dortmund, auch wenn es niemand zugeben will. Die Verlagerung des Busbahnhofes auf die Nordseite des Hauptbahnhofes ist ein planerisches Unding, eine bautechnisch manifestierte Zumutung für die Nutzer und eine Schande für Dortmund. Man schaue sich nur einmal Busbahnhöfe in benachbarten kleineren Städten an - so geht Busbahnhof und nicht wie in Dortmund.

Das Museen immer nur mit öffentlichen Zuschüssen "funktionieren" - auch wenn Kulturdezernenten und Kämmerer sie sich im Vorfeld "schön" reden und rechnen - weiss mittlerweile auch der Dümmste. Ganz besonders in Dortmund - der U-Turm lässt grüssen. Das die politische Kaste und speziell die SPD nicht schlau wird, ist ein Dortmunder Problem, dass nun wie gewohnt mit Schönfärberei und mit "Kopp durch die Wand"-Taktik gelöst werden soll.

05.06.2012
10:12
DFB-Museum als Gefahr für Dortmunds klamme Kassen
von randori20 | #3

Warum stellt die Liga nicht das Geld, das ein einziger Spieler verdient für dieses Spielzeug zur Verfügung? Ist der Liga ihr museum das etwa nicht wert?

05.06.2012
08:12
Fußballmuseum unter Kostenkontrolle
von superimpi | #2

Alles hier aufgeführte ist zutreffend - und ich bin wirklich froh, dass erstmals im Vorfeld alle Mitwirkenden offensichtlich die Kostensituation vor Augen haben. Ich glaube, bislang einmalig.
Ebenso gilt aber auch festzustellen, dass in diesem Beitrag nur die eine Medallienseite dargestellt wurde: ich bin ganz sicher, dass die zu erwartenden Besucher (lt. Prognosen ca. 300.000 p.a.) der Stadt sehr, sehr gut tun, denn viele von ihnen übernachten hier, gehen in die Geschäfte und lernen darüber hinaus das "Neue Dortmund" kennen. Eigentlich genau das, was jeder Stadtentwickler sich wünscht.

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