Das aktuelle Wetter Dortmund 13°C
Ausbildung

Deutschlands erste Zirkuskinder machen Abi in Dortmund

24.06.2012 | 17:02 Uhr
Deutschlands erste Zirkuskinder machen Abi in Dortmund
Ministerin Löhrmann (Bündnis 90 Die Grünen) übergibt am Westfalenkolleg Abiturzeugnisse. Darunter auch an die Zirkuskinder Lesslie Maatz (Zirkus Proscho) und Adele Alvarez (Zirkus Roncalli), die ihr Abi online gemacht haben. Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund. Berufsbegleitend das Abitur nachzuholen, das ist wohl ein Balanceakt. Jedes Jahr starten knapp 60 Schüler am Westfalenkolleg diesen Versuch. Eine besonderer Drahtseilnummer waren die letzten drei Jahre aber für Leslie und Adela. Die beiden sind die ersten Zirkuskinder in Deutschland, die ihr Abi gemacht haben.

„Es war hart“, sagt Leslie Maatz. Während ihre Familie mit dem Zirkus Proscho auf Reisen war, musste sie zeitgleich Hausaufgaben machen und sich auf Prüfungen vorbereiten. Die 19-Jährige hat das Training für die Auftritte in der Manege heruntergeschraubt. Die Artistin hat schon von klein auf im Zirkus gearbeitet. Mit fünf Jahren hatte sie ihre erste eigene Nummer und auch heute ist sie noch als Akrobatin und sogenanntes Schlangenmädchen aktiv. „Wenn man so früh anfängt, hat man schon Disziplin gelernt“, sagt Leslie.

Auch Adela Alvarez kann es kaum glauben, dass sie es geschafft hat. „Wir sind ständig unterwegs“, erzählt sie. „Es war eine gut Zeitplanung nötig.“ Alle zwei Wochen hatten sie einen Tag Präsenzpflicht in der Schule - anders als die anderen Schüler des Kurses „Abitur Online“. Sie mussten jede Woche zwei Mal zur Schule.

Für Adela und Leslie gab es ohnehin eine Sondergenehmigung vom Bildungsministerium. Denn eigentlich dürfen nur Schüler das Abitur am Westfalenkolleg nachholen, die älter als 18 Jahre sind. „Es war erst jetzt möglich, Bildung und Zirkus zu verbinden“, sagte NRW-Schulministerin Silvia Löhrmann bei der Zeugnisausgabe am Samstag. „Die Schüler haben eine riesige Leistung gezeigt und sind ein Vorbild.“ Löhrmann war nach Dortmund gekommen, weil es das Online-Abitur zehn Jahre gibt.

Direkt nach der Zeugnisverleihung muss Adela zum Bahnhof. Der Zirkus Roncalli hat sein Zelt in Luxemburg aufgeschlagen. Die 20-Jährige wird dort gebraucht. Doch sie hat jetzt ein neues Ziel. „Ich will noch ein Jahr im Zirkus arbeiten und dann studieren.“ Für ein Vollzeitstudium möchte Adela fest in Deutschland wohnen bleiben. Ihre Eltern zieht es nach Spanien. „Das ist alles vollkommen neu: Ich bin die erste in der Familie, die Abitur hat und ich kenne auch niemanden, der sowas gemacht hat.“ Leslie dagegen versucht es so zu machen wie bisher. Ein Fernstudium und die Zirkusarbeit zugleich.

Nach den ersten beiden Zirkuskindern, die ihr Abitur gemacht haben, folgen nun weitere. Auch Leslies jüngere Schwester Lara ist am Westfalenkolleg angemeldet.

Oliver Körting



Kommentare
Aus dem Ressort
Unheimliche Einbruchsserie in der Gartenstadt
Seit Juli
Zwei maskierte Männer stehen spätabends in einem Jugendzimmer in der Gartenstadt. Das ist der Auftakt einer unheimlichen Einbruchserie in der südlichen Gartenstadt. Seit Juli folgt dort ein Einbruch auf den anderen.
Stadt plant Rückkehr von Katastrophenschutz-Sirenen
Für große Gefahrenlagen
Ältere Dortmunder kennen die Heultöne noch - wenn nicht aus dem Krieg, so doch zumindest von den regelmäßigen Probealarmen, die es bis in die 1990er Jahre gab. Jetzt könnte es eine Rückkehr der Sirenen auf Dortmunds Dächer geben. Wir haben eine Hörprobe.
Messerstecherei in Nordstadt - Mann schwer verletzt
Schüchtermannstraße
Erst gab es Streit, dann wurde das Messer gezückt: Bei einer Messerstecherei ist am Freitagmorgen ein 36 Jahre alter Dortmunder schwer verletzt worden. Das Opfer war in einem Caf in der Nordstadt mit einem 24-Jährigen aneinander geraten. Nach ersten Erkenntnissen schwebte der Mann zwischenzeitlich...
Jesiden-Demo mit 1000 Teilnehmern zieht zum Friedensplatz
Protest gegen IS-Miliz
Es könnte die bisher größte Jesiden-Demo in Dortmund werden: Für heute Nachmittag ist ein Protestzug mit 1000 Teilnehmern von der Nordstadt in die City angemeldet. Es wird voraussichtlich zu Verkehrsbehinderungen kommen, besonders auf dem Wall.
Haus in der Nordstadt nach Brand unbewohnbar
Schillerstraße
Ein schwerer Brand hat ein Mehrfamilienhaus in der Nordstadt unbewohnbar gemacht. Mehrere Meter hoch schlugen die Flammen am frühen Donnerstagabend aus den Fenstern einer Wohnung im zweiten Obergeschoss. 56 Feuerwehrleute kämpften eine Stunde lang gegen das Feuer. Nun ermittelt die Polizei die...
Fotos und Videos
Phoenix-See und Weihnachtsbaum - Dortmund von oben
Bildgalerie
Aus der Luft
Gedenkstätte vor dem Haus an der Hangeneystraße
Bildgalerie
Fotostrecke
Der Hansemarkt 2014 ist eröffnet
Bildgalerie
Fotostrecke
DFB-Museum testet LED-Leinwände
Bildgalerie
Fotostrecke