Derby-Experte Schnittker erklärt Mythos zum Kultspiel BVB gegen Schalke
24.11.2011 | 18:31 Uhr 2011-11-24T18:31:00+0100
Dortmund. Am Samstag wird im Signal-Iduna-Park die 139. Ausgabe des Revierderbys angepfiffen. Der Buchautor und Derby-Experte Gregor Schnittker spricht über die Mutter aller Derbys und ist sich sicher: Die Besonderheit dieses Kultspiels lässt sich nicht bis ins Letzte erklären.
Mit seinem Buch „Revierderby“ hat der TV-Journalist Gregor Schnittker in diesem Jahr ein spannendes Werk vorgelegt, in dem er die Geschichte des legendären Duells zwischen dem BVB und seinem Erzrivalen Schalke 04 nachzeichnet. Darin beleuchtet Schnittker 37 brisante Begegnungen zwischen den beiden Revier-Mannschaften. Kurz vor dem 139. Aufeinandertreffen gibt der Autor eine Einschätzung zu dem bevorstehenden Spiel und einen Kurzüberblick, warum das Spiel so hochemotional ist.
Freundschaftliche Rivalität wird zur Hassliebe
Einer Analyse, wie sich die Rivalität, die sich mittlerweile zu einer regelrechten Hassliebe zwischen den beiden Fangruppen entwickelt hat, erklären lässt, steht Schnittker eher skeptisch gegenüber. Natürlich habe es mit der örtlichen Nähe, der Tradition und der leidenschaftlichen Begeisterung der Fans zu tun. Dennoch stellt der TV-Journalist klar, dass die Bedeutung dieses Spiels auch einen gewissen Mythos in sich berge. „Fußball und Fantum sind Dinge, die sich nie bis ins letzte Detail erklären lassen. Manche Dinge sind einfach unerklärlich.“
Und doch wagt Schnittker einen Erklärungsansatz - zumindest, wie sich das anfänglich von wohlwollender, ja fast freundschaftlicher Rivalität geprägte Verhältnis verschärfte und zu dem emotionalen Ereignis entwickelte, das es heutzutage ist. „Die 70er Jahre waren sicher eine Zäsur im Verhältnis beider Vereine“, sagt der Derby-Experte und erläutert die besondere Bedeutung des Bestechungsskandals, in den die Schalker damals verwickelt waren. Gleichzeitig hatte der BVB mit dem Abstieg in die zweite Liga eine schwere sportliche Phase zu verkraften - auf beiden Seiten sorgte das für eine Verschärfung der Animositäten.
Diese sind heutzutage zumindest nicht anhand von Fankrawallen auszumachen. Natürlich gebe es eine große gegenseitige Abneigung, die aber auch immer von einer misstrauischen Faszination füreinander geprägt sei, findet Schnittker. „Aber was sich liebt, das neckt sich“, schiebt er augenzwinkernd nach und freut sich auf ein tolles Fußball-Fest am Wochenende im Signal-Iduna-Park.
Personelle und taktische Fragen
„Ich bin sehr gespannt, ob Götze spielen kann“, sagt Schnittker am Donnerstagnachmittag. Noch steht nicht fest, ob der 19-jährige Borussen-Youngster am Samstag gegen den Erzrivalen auflaufen kann . Zwar äußerten sich die BVB-Physiotherapeuten verhalten optimistisch, Gewissheit gibt es jedoch noch nicht. Fest steht hingegen: Bender wird definitiv nicht spielen können.
„Das beschäftigt die Fans“, ist sich Schnittker sicher; „das ist ein Thema - auf der einen wie auf der anderen Seite.“ Zwar sei von großer Revierderby-Nervosität noch nicht allzuviel zu spüren, die Dortmunder Personalfragen bringen aber taktischen Diskussionsbedarf. Schnittker selbst - unabhängig von seinem Beruf als Journalist begeisterter Fußballfan - ist sehr gespannt, wie Schalke-Trainer Huub Stevens mit dieser neuen Situation umgeht. Wird der Niederländer spielen lassen wie bisher? Wird er die Taktik umstellen? „Die Schalker jedenfalls wollen ganz sicher beweisen, dass sie dem BVB sportlich in nichts nachstehen, gerade nach den durchwachsenen Leistungen in den letzten Derbys.“
Dennoch ist die Stimmung in Dortmund noch eher verhalten, von aufgeheizter Vorfreude noch wenig zu spüren. „Dies ist sicher dem Zeitpunkt geschuldet. Hinter dem BVB liegen jetzt zwei Spitzenspiele gegen die Bayern und Arsenal, da ist das Derby vielleicht etwas untergegangen“, lenkt Schnittker ein. Aber: „Die Stimmung wird noch kommen.“
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