Der rastlose Rocker Bülent Ceylan kommt nach Dortmund
19.01.2012 | 18:16 Uhr 2012-01-19T18:16:00+0100
Dortmund. Bülent Ceylan spricht im Interview über seine Zeit als Student, seine Fernsehshow und das Gefühl, eine 10. 000er-Halle zu füllen. Am 28. Januar gastiert der deutsch-türkische Komödiant in der Dortmunder Westfalenhalle.
Bülent Ceylan ist nicht zu bremsen: 70 Vorstellungen in diesem Jahr, eigene Fernsehshow, Auftritt im Stadion und sogar ein gemeinsames Konzert mit Xavier Naidoo. Am 28. Januar kommt der deutsch-türkische Komödiant und zweifache Comedy-Preisträger in die Westfalenhalle. Mats Schönauer sprach mit ihm über sein neues Programm, über seine Rucksackreise durch Kuba und über die Angst, das Studium abzubrechen, um sich ganz der Bühnenkarriere zu widmen.
Herr Ceylan, Sie sind derzeit auf Tour durch die größten Hallen Deutschlands, im Sommer wollen Sie sogar ein komplettes Stadion füllen. Anders formuliert: Sie gehen richtig ab im Moment. Welche Seite in Ihnen sorgt dafür, dass Sie dabei die Bodenhaftung nicht verlieren? Eher die deutsche oder eher die türkische?
Bülent Ceylan: (überlegt) Ich glaube, das kann man nicht genau sagen. Das hat ganz einfach mit dem Umfeld zu tun: Welche Menschen sind um dich herum, wie bist du aufgewachsen, hast du eine bodenständige Erziehung gehabt – all das macht sehr viel aus.
In Ihrem neuen Programm treffen wir auf viele alte Bekannte: auf Anneliese und Aslan, Harald und Mompfred – was ist neu, was ist das Besondere an „Wilde Kreatürken“ ?
Ceylan: Es ist auf jeden Fall viel mehr Rock’n’Roll. Es geht mehr ab, das Bühnenbild ist wesentlich aufwendiger, wir haben viel mehr Pyrotechnik. Am Ende kommen alle Leute nach vorne, um zu headbangen und zu tanzen, und später weißt du dann nicht mehr: War das jetzt ein Rockkonzert oder ein Comedy-Programm? Das ist das, was das Programm so ausmacht. Das wird auch in Dortmund so passieren. Ich war ja 2010 schon mal bei Euch in Dortmund, in der Westfalenhalle 2. Damals war die Halle brechend voll, deshalb hab’ ich da gesagt: Beim nächsten Mal gehen wir in Halle 1. Genau das machen wir jetzt. Und ich freue mich ganz besonders darauf.
Sie haben in Ihrer Jugend zunächst angefangen, Philosophie und Politikwissenschaften zu studieren. Wäre da nicht eigentlich politisches Kabarett die logische Folge gewesen?
Ceylan: Ich lasse ja hier und dort ein paar Sachen einfließen, aber politisches Kabarett à la Hildebrandt oder Urban Priol, das ist es auf jeden Fall nicht. Ich rede jetzt nicht darüber, was gerade in der SPD abgeht oder in der CDU, das will ich auch nicht. Ich bin Entertainer, ich will Spaß, bin Rock’n’Roller, und ich will ab und zu mal eine Message abgeben. Mit Hilfe meiner Figuren stelle ich ja auch die Gesellschaft dar und zeige ihr ein bisschen den Spiegel vor.
Gibt es denn noch irgendetwas aus Ihrer Zeit als Student, das Sie heute noch gebrauchen können?
Ceylan: Das war eine wunderschöne Zeit. Damals habe ich mit zwei anderen Studenten zusammen eine Rucksackreise durch Kuba gemacht. Klar, wir waren politische Studenten, wir wollten wissen: Ist das in Kuba wirklich so krass, oder ist es doch schöner? Und es war wirklich so krass. Das sind alles Erfahrungswerte. Es war irgendwo eine Art Selbstfindungsweg, auf dem ich mir irgendwann gesagt habe: Comedy, das ist das, was du machen musst. Selbst der Dozent hat irgendwann gesagt: „Bülent, du bist zwar ein guter Student, aber ich glaube, das andere, das du da als Hobby machst, das ist mehr dein Ding.“
Das hat er gesagt?
Ceylan: Ja, das fand ich super von ihm. Aber da ist natürlich auch eine Angst: Soll ich das jetzt wirklich alles abbrechen, Studium und so, aber ich habe einfach gefühlt: Das ist mein Ding, das will ich, und deshalb hab ich mich auch volle Kanne darauf konzentriert – und jetzt sind Mario Barth und ich im Moment die einzigen, die 10.000er- Hallen füllen, das ist schon krass. Du merkst auf einmal: „Hey, das hat sich alles gelohnt. Du hast dich darauf konzentriert, du bist deinen Weg gegangen.“ Ich genieße das, und ich bin froh drüber, dass es so gelaufen ist.
Ab März sind Sie auch wieder mit der „Bülent-Ceylan-Show“ regelmäßig im Fernsehen zu sehen.
Bülent Ceylan am Samstag, 28. Januar, ab 20 Uhr in der Westfalenhalle 1. Tickets gibt’s für 29,90 Euro unter www.westfalenhallen.de, weitere Informationen zum Tourplan, zum Stadion-Special und zum Konzert mit Xavier Naidoo unter www.buelent-ceylan.de.
Ceylan: Ja, die zweite Staffel meiner Show bei RTL beginnt im Frühjahr. Und im Herbst gibt’s dann die dritte Staffel, beide mit jeweils sechs Folgen. Aber ich werde versuchen, nebenher weiterzutouren, das ist mir ganz wichtig, ich bin ja ein Live-Künstler.
Sie haben so viel vor, sind so viel unterwegs und ständig woanders – was machen Sie denn, um abends mal ein bisschen runterzukommen?
Ceylan: Manchmal schaue ich fern im Hotel, oder eine DVD, oder ich lese ein Buch. Oft sitze ich auch noch mit meinem Team zusammen, dann reden wir, oder wir spielen Poker…
…um Geld?
Ceylan: (zögert) Hm…najaaa…minimal. Um ein paar Euro nur. Es soll ja Spaß machen. Nur dass es um was geht. Aber mehr nicht. Ehrlich.

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