Der Michael Jackson der Brieftauben
14.02.2010 | 17:27 Uhr 2010-02-14T17:27:00+0100
Dortmund. Mandy Kaletka hat einen Vogel, noch dazu einen recht teuren: 600 Euro hat sie das Tier gekostet. Tatsächlich hat die Recklinghäuserin sogar 100 Vögel, sie züchtet Brieftauben.
Am Samstagmorgen war sie in der Westfallenhalle 5 die einzige Frau, die bei der Brieftauben-Versteigerung zu Gunsten des Prof. Dr. Kohaus Fördervereins des Verbands Deutscher Brieftaubenzüchter (DBA) ein Tier ersteigerte.
„Die Brieftaubenzucht wurde hier meist von Bergleuten betrieben, aus dieser Tradition ist der Brieftaubensport eher ein Männersport.” Den betreiben die Kaletkas in der vierten Generation. Ein paar ihrer Tauben sind sogar noch vom Großvater gezogen und logieren mit Familienanschluss im ausgebauten Dachgeschoss. Bei der Ersteigerung war der Vater noch beratend tätig. „Er hat ja viel mehr Erfahrung als ich.” Die Erwartungen an den Familienzuwachs sind bescheiden: „Sie soll in unserer Zucht das Blut auffrischen. Hier ging es vor allem um den Spaß beim Mitbieten und um den guten Zweck.”
"Kannibal"
Die Ansprüche von Robert Hacker aus Oberbayern sind da schon andere. 1600 Euro war ihm ein Enkel von „Kannibal” wert: „Kannibal, den muss man sich als Michael Jackson unter den Brieftauben vorstellen.” Also nicht als Schimmeltaube mit aufgehellter Feder-Färbung, sondern als Superstar. „Ein echter Kämpfer war das.” Darauf und auf die Schnelligkeit beim Fliegen und Orientieren kommt es für Brieftauben an. Hacker plant eine Brut mit einer Halbtante seines neuen Vogels, aber: „Man kann sagen, dass von zehn Nachkommen nur zwei wirklich gute Leistungsvögel dabei herauskommen, die dann im Training oder Wettkampf keinem Greifvogel begegnen dürfen.”
Die Versteigerung gleicht einer Lotterie, auch weil die Vögel, die versteigert wurden, Herbsttauben sind. Gezogen aus den besten Leistungstauben, die im Sommer an Wettbewerben teilnehmen, kommen Herbsttauben zu der Zeit, wo sie fliegen lernen, gleich in die Mauser. Deshalb können sie ihren Orientierungssinn niemals so ausprägen, wie die Frühlingszucht. Erst die Nachkommen der ersteigerten Vögel zeigen ihre Qualität. Man könnte also sagen, Walter Blümer aus Niedersachsen hat für 5500 Euro eine Katze im Sack gekauft, aber er zieht einen anderen Vergleich vor: „Manche haben Motorräder, ich habe die Rennpferde des kleinen Mannes.”
08:10
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
12:10
Schon erstaunlich,was Luftratten(=Tauben) so wert sind!?!
07:11
Stadttauben sind entflogene Haus- oder Rassetauben und ausgebliebene Brieftauben sowie deren Nachkommen. Das bedeutet, Mitverursacher des Elends von Stadttauben und den Problemen mit ihnen sind Taubenzüchter, vor allem Brieftaubenzüchter und ihr Hobby. Angaben von Experten zufolge betragen die Verluste bei den weiten Wettflügen, welche die Kräfte der Tiere übersteigen, bis zu 30%. Da es in Deutschland knapp 80.000 Brieftaubenzüchter gibt, die etwa 10 Millionen Tauben halten, gehen also Hunderttausende von Tauben jährlich elendig zugrunde oder stranden in den Städten und bleiben teilweise dort. Leider lehnen die meisten (Brief-) Taubenzüchter noch immer jede Verantwortung ab und ändern nichts an ihren Gewohnheiten und den Richtlinien ihrer Liebhaberei.