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Der menschliche Blick auf die Kohle

29.08.2008 | 19:09 Uhr

Drei Länder, drei Regionen, eine gemeinsame Basis: Kohle. Mit der Industrie und ihrem Abbau in den Montanregionen Frankreichs, Polens und Deutschlands setzen sich 18 Künstler in der Ausstellung "C.O.A.L." auf der Kokerei Hansa auseinander. ...

Eine Ausstellung des Projekt C.O.A.L. findet auf der Kokerei Hansa vom 31. August bis 28. September statt. Auf dem Bild ist eine Arbeit von Silvia Liebig zu sehen. (Foto: Franz Luthe)

... Ein künstlerischer Blick auf Industriegeschichte und ihre menschliche Seite. Bei der Pressekonferenz müssen die Künstler in der zweiten Reihe sitzen. Dabei sind sie doch die eigentlichen Malocher dort, die Grundlage für alles, worüber gesprochen wird, was zu sehen ist. Angefangen hat alles mit einem Spaziergang, den die beiden Dortmunder Kreativen Uta C. Schmidt und Richard Ortmann in Kattowitz unternahmen - einem Ort in Polen, in dem noch heute zahlreiche Bergwerkschlote rauchen. "Was in Oberschlesien läuft", dachten sie, "ist bei uns schon Vergangenheit. Und was bei uns läuft, ist für Oberschlesien die Zukunft." Die Grundidee für "C.O.A.L." war geboren. Als feststand, dass die EU das Projekt fördert, besuchten je sechs Künstler aus dem Ruhrgebiet, Nordfrankreich und Oberschlesien einander, um eine Art Zeitreise zu absolvieren - von der aktiven Kohle-Industrie bis zum Umgang mit den postindustriellen Landschaften etwa als Museum. Was sie mitgenommen haben, ist nun zu bewundern.

Christian Psyk etwa blieben die strahlend hellen Augen in den schwarzen Gesichter der Kumpels in Erinnerung: Sie hat er auf 1000 bunte Fähnchen gebannt, die tibetischen Gebetsfahnen gleich an einem Turm der Kokerei flattern: Sie sollen sich langsam auflösen - der Transformation gleich, die die Natur in der Rückeroberung der Alt-Industrie vollzieht.

In scherenschnittartige Piktogramme hat Silvia Liebig ihre Erinnerungsbildmassen gepresst und in durchsichtigen Plastik-Pferde-Schablonen aufbewahrt, die von der Decke hängen - "Pity Pony" heißt die Installation: In ihrer Fragilität, die im harschen Kontrast zu Staub, Schwärze und Härte der Anlage steht, verweist sie auf die Flüchtigkeit von Erinnerungen.

Gudrun Kattke beweist sich als Sammlerin und lässt papierne Fundstücke in einem Förderband am Betrachter vorbeiziehen - Kohlegesellschaft im Schnipselformat.

Das sind Beispiele aus Dortmund - spannende Kohlekreativität aber kommt auch aus Frankreich und Polen. Auf zur Entdeckungstour.

Von Nadine Albach

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