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Der lange Traum vom Fußball-Profi - Der Weg von Felix Bastians vom BVB zur Hertha

08.02.2012 | 11:51 Uhr
Der lange Traum vom Fußball-Profi - Der Weg von Felix Bastians vom BVB zur Hertha
Gegen den alten Verein: Felix Basians (re.) im Dress des SC Freiburg gegen Jakub Blaszczykowski von Borussia Dortmund. Foto: sid

Dortmund.  Felix Bastians wechselte 2004 als 16-Jähriger von Borussia Dortmund zur Jugendabteilung von Nottingham Forest – jetzt spielt der 23-jährige Außenverteidiger in der Bundesliga, bei Hertha BSC und lebt seinen Traum vom Dasein als Fußball-Profi.

Wie verfolgt man Träume, wenn einem - wie im Fußball üblich – ständig einer auf dem Fuß steht? Felix Bastians, ehemaliger Juniorenspieler beim BVB und Sohn des früheren BVB-Vereinsarztes Dr. Werner Bastians, hat 2004 einen ungewöhnlichen Weg gewählt, um Wolke 7, für ihn der Profisport, zu erreichen.

Der 23-Jährige wechselte im Juli 2004 als 16-Jähriger vom BVB in die Fußballakademie des Zweitligisten Nottingham Forest nach England. Vier Jahre, sechs Vereine und drei Ligen später wagte er den Sprung zu Young Boys Bern. Am 9. August 2008 realisierte der SC Freiburg schließlich Felix’ Traum und verpflichtete ihn. Robin Dutt setzte Bastians gegen den HSV erstmals in der Bundesliga ein. Der linke Verteidiger war angekommen im Profi-Fußball. Inzwischen hat er einen Vier-Jahresvertrag bei Hertha BSC unterschrieben. Das Verfolgerrennen, was seinen Traum anbelangt, ist noch lange nicht zuende.

Scout aus Nottingham war interessiert

Linker Verteidiger, zwei Spieler pro Verein, 36 Plätze in der Bundesliga: Ein rarer Job. Als Felix 2003 in der Westfalenauswahl gegen den Niederrhein spielte, gab es noch Hunderte wie ihn in den Jugendligen rundherum. Aber der 15-Jährige fiel Andrew auf, einem Scout aus Nottingham. Der Verein trat an Werner Bastians heran, und der Vater wusste sofort, dass er seinen Sohn ziehen lassen konnte. Weil Felix cool genug war, ein Scheitern mit einzubeziehen. „Ich verlass mich nicht auf den Sport“, sagte er damals. Nun weiß er, dass der Sport sich auf ihn verlassen kann.

Ausriss einer WR-Berichterstattung über den Dortmunder Fußballspieler Felix Bastians vom 3. Juli 2004.

„Heimweh hab ich nicht gehabt“, sagt er heute, „Nottingham ist ein sehr familiärer Verein.“ Zwei Jahre Jugendinternat, der Zeugwart kümmerte sich um ihn und die anderen Jungs, danach lebte Felix zwei Jahre in einer Familie. „Es war eine total angenehme Zeit.“ „Merry old England“ nahm ihn very british unter die Fittiche. „Du lernst Lebensart, Kultur, die Sprache.“ Aber auch, den Traum nicht zu vergessen. Das hieß: Rasen auf dem Rasen.

Als 17-, 18-, 19-Jähriger ließ er sich tragen von der Stimmung: „Die war sensationell. Auf den Rängen in den Stadien wird durchweg gesungen, jeder Spieltag ist ein Feiertag.“ In seiner Ausbildung durchlief er Ligen und Vereine: Northwich Victoria, FC Gillingham, FC Chesterfield, Notts County, Milton Keynes Dons. Auf dem Grün war’s rüde. „Du lernst, rechtzeitig hochzuspringen, wenn du den Ball hast.“ Er lernte ständig, nur kurz unterbrochen von einem Knöchelbruch, englischen Hart-und-herzlich-Realismus.

Genügend Geld fürs Studium verdient

2004, als er den BVB verließ, hoffte er, dass er in England genügend Geld für ein Studium verdienen könne. Das hat sich wohl erledigt, und zwar im Guten. Felix Bastians, der auf der Insel sein Abitur gemacht hat, begann parallel an der Universität von Stoke mit einem Sportjournalismus-Studium, Abschluss Bachelor. „Mein Glück ist, dass das Studium auch als Fernstudium angeboten wird“, so konnte er in der Schweiz weiterstudieren. Und auch jetzt von Berlin aus. „Vielleicht werd’ ich in diesem Sommer fertig“, meint er. Ansonsten machten die Jungs von Nottingham an der Universität in Stoke bereits Eindruck. Vorlesung, Hörsaal, Seminar Gesetzgebung, nachmittags, langweilig. Vormittags Training gehabt. Müde. Mit professoraler Milde bat der Gelehrte regelmäßig: „Würden die Herren Profi-Fußballer in der letzten Reihe auch mal wieder aufwachen?“

Felix Bastians spielte für die U 21-Nationalmannschaft zusammen mit Schmelzer und Hummels , er hat nach, wie er sagt, „traumhaften“ Aufenthalten in England, Bern und Freiburg vier Jahre einen Vertrag bei Hertha. Er hat nie in irgendeiner blauweißen, blauen oder schwarzgelben Bettwäsche geschlafen. Er ist einfach dem Ball zugetan: Wo der hinrollt, folgt er nach. So ist es im Mannschaftssport: „Du fängst in jeder Mannschaft wieder bei Null an.“

„Gehöre zu den guten Außenverteidigern“

Seitdem ihn Andrew entdeckt hat und Felix Liga um Liga hinter sich gelassen hat, ist die Luft immer dünner geworden. Wie das so ist im Profifußball. Aber dafür ist man dem Himmel näher. Nationalmannschaft? Außenverteidiger links, zwei Plätze pro Mannschaft, 36 in der ersten Bundesliga. Philipp Lahm ist gesetzt, sagt Felix: „Aber zu den guten Außenverteidigern danach gehöre ich.“

Wer mit 23 Jahren solch einen Weg hinter sich gebracht hat, vertraut sich selbst. Das ist auch eine Voraussetzung für den Profisport. Nächster Traum, nächste Wolke.

Dirk Berger

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