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Ärztestreik

Der harte Arbeitsalltag im Krankenhaus

19.05.2010 | 18:20 Uhr
Der harte Arbeitsalltag im Krankenhaus

Dortmund. Seit Montag streiken bundesweit die Ärzte an kommunalen Krankenhäusern - auch am Dortmunder Klinikum. Sie fordern mehr Gehalt und bessere Arbeitsbedingungen. Aber wie sieht der Arbeitsalltag an deutschen Kliniken aus?

Wer dieser Tage nicht gerade mit Schlaganfall oder Blinddarmdurchbruch ins Klinikum kommt, muss sich auf einige Wartezeit gefasst machen. Die Ärzte der kommunalen Klinik streiken. Für „faire” Vergütung und bessere Arbeitsbedingungen, wie der Landesvorsitzende des Marburger Bundes, Prof. Ingo Flenker, gestern betonte. Aber wie sind sie eigentlich – die Arbeitsbedingungen. Ein Blick in Dortmunder Krankenhäuser.

482 Köpfe zählt der ärztliche Dienst des Klinikums, 292 am Standort Mitte, 117 in Nord, dazu kommen die 73 pendelnden Anästhesisten. Es sollten mehr sein, acht Abteilungen des Klinikums haben derzeit mindestens eine Stelle ausgeschrieben. Nach Tarif arbeitet ein Arzt am Klinikum 40 Stunden in der Woche, durch Dienste und Überstunden (die hier immerhin bezahlt werden), können es auch mal 50 oder 60 sein. „Allerdings gibt es starke saisonale Unterschiede in den einzelnen Abteilungen”, gibt Barbara Matthies, Referentin der Geschäftsleitung des Klinikums, zu bedenken. In der kalten Jahreszeit arbeitet die Kinderklinik am Limit, weil die Kinder krank werden, im Sommer die Chirurgie, weil sie von den Bäumen fliegen.

Lange Arbeitszeiten sind die Regel

Dr. Ingo Flenker (stellvertretender Vors. des Marburger Bundes NRW) sprach heute zu den Streikenden am Dortmunder Klinikum. Foto: WR/Franz Luthe

Dennoch: Mit der Arbeitszeit eines Verwaltungsangestellten ist die eines Arztes kaum zu vergleichen. Anderes Beispiel: „50 Wochenstunden sind es im Schnitt”, sagt Detlef Dreyer, Leiter Personalwesen am Knappschaftskrankenhaus. Durchaus eine Hypothek, gerade vor dem Hintergrund der zunehmenden Zahl von Ärztinnen. An den meisten Krankenhäusern sind Medizinerinnen noch in der Unterzahl, am Klinikum bei etwa 40 Prozent (2008). Irgendwann wird sich das ändern, schon heute liegt an den Unis die Frauenquote im Medizinstudium über 60 Prozent.

Und damit wird die gerade für Ärzte schwere Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch mehr zum Entscheidungsfaktor in der Arbeitsplatzwahl. 55-Stunden-Woche, zwei Nachtdienste, Rufbereitschaft an drei Wochenenden – wer ein kleines Kind hat, überlegt sich zweimal, das im Medizinstudium erworbene Fachwissen vielleicht als Pharmareferentin zeitschonenender und gewinnbringender anzuwenden. Am evangelischen Krankenhaus Lütgendortmund wurde vor zwei Jahren die Geburtshilfe-Klinik geschlossen - auch ein Mitgrund: es fanden sich keine Gynäkologen – eine klassische Frauendomäne in der Medizin – für die Besetzung des erforderlichen Schichtdienstes.

Vier von fünf Kliniken haben offene Stellen

Nach einer Studie des Deutschen Krankenhausinstituts haben heute 80 Prozent aller Kliniken mit offenen Stellen zu kämpfen. Durchschnittlich vier Ärzte fehlen pro Klinik, etwa 5000 sollen es insgesamt sein. „Vier Stellen sind es bei uns zurzeit auch”, bestätigt Detlef Dreyer vom Knappschaftskrankenhaus, wo rund 120 Ärzte beschäftigt sind. „Früher hat der Chefarzt die Schublade aufgemacht und eine Bewerbung rausgeholt, kam der Bewerber nicht in Frage, holte er die nächste hervor”, so Dreyer. Das ist heute anders. „Ist eine Stelle offen, muss die Bewerbungsmaschinerie rattern. Das dauert.”

Andere Studiengänge werden zur Konkurrenz

Im evangelischen Krankenhaus Lütgendortmund stellt sich die Situation ähnlich dar. 55 Mediziner umfasst dort der ärztliche Dienst, drei Stellen sind offen und können nicht besetzt werden. „Ärztemangel”, stellt Geschäftsführer Ubbo de Boer fest, „es werden zu wenige ausgebildet.” Die Gründe seien vielfältig, „aber ein Faktor ist, dass viele junge Leute heute lieber in die IT- oder Bankenbranche gehen.” Mit den Summen, die da gezahlt werden, kann kaum ein Krankenhaus konkurrieren.

Christian Schmücker

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Kommentare
24.05.2010
18:27
Der harte Arbeitsalltag im Krankenhaus
von Vanagas | #6

#5 ppaula

Schon mal was von Leihärzten gehört ?
Diese gibt es zur Zeit nicht zu knapp und können jede Gage verlangen .
Und nicht jeder Arzt leistet 200 Stunden Dienst .

Einstiegsgehalt liegt beim Arzt im Krankenhaus ab 40 . 000 €uro .

20.05.2010
18:07
Der harte Arbeitsalltag im Krankenhaus
von ppaula | #5

Einstiegsgehälter für Assistenz-Ärzte in öffentlichen Kliniken liegen um die 2000 EUR brutto für Teilzeit. Da kommen noch die Entgelte für die Bereitschaftsstunden oben drauf

Viele Kliniken rechnen die Überstunden/ Sonderschichtstunden nach eigenen Modellen ab.
Von Freizeitausgleich, der faktisch nie gewährt wird, bis Boni, die auf das Gehalt aufgeschlagen werden, ist der Spielraum überschaubar.

Ein Anfänger in Teilzeit geht als Arzt auch schnell mal mit 1500 EUR brutto nach Hause.

Bei 200 Stunden, die ein Arzt im Monat locker leistet, wäre das ja nach vanagas Rechnung locker 110.000 EUR p.a. und das bekommt nicht mal die Klinikleitung, wenn sie goldene Eier legen könnte.

20.05.2010
14:57
Der harte Arbeitsalltag im Krankenhaus
von Vanagas | #4

3 vaikl

Die goldenen Zeiten sind schon wieder da !


Ich weiß ja nicht wann Sie das letzte Mal im Krankenhaus waren aber dort werden zur Zeit Stundenlöhne von 60 - 80 € gezahlt .

20.05.2010
03:50
Der harte Arbeitsalltag im Krankenhaus
von vaikl | #3

ppaula, vor zehn Jahren hat ein DB-Consultant vielleicht 80.000 DMark verdient und das auch nur, weil die IT-NE-Blase solche Gehälter durch Dummheit überhaupt möglich machte. Der Vergleich mit Gehältern in der IT-Industrie ist absoluter Nonsens, schon allein deswegen, weil hier Tarif-Regelungen mit zum großen Teil frei ausgehandelten Entgelten in einen Topf geschmissen werden.

Wir hatten aufgrund der irrigen Annahme weiter Teile der studier-willigen Bevölkerung, reich werde man hierzulande nur als Arzt, bis vor 8 Jahren eine Ärzteschwemme, die die Arbeitslosigkeit unter Ärzten erhöhte und infolge dessen deren Einstiegsgehälter massiv drückte. Daraus resultierte ja auch der Arzt im Praktikum, eine willige Arbeitskraft mit der Hoffnung auf spätere Niederlassung und Geldscheffeln.

Da die Grundversorgung mit niedergelassenen Ärzten mittlerweile mehr als überreichlich gedeckt ist, bleibt für junge Ärzte meistens nur noch der Krankenhaus-Job als Perspektive übrig, wenn sie nicht z.B. in die Pharma-Industrie wechseln.

Und da die KH-Träger unter den aktuellen Prämissen der kollabierenden Finanzierung des Gesundheitswesens keine Anstrengungen unternehmen werden, um Ärzte-Tarife ohne Not wieder stark anzuheben, sind die ehemals goldenen Zeiten des Weißkittels halt ebenso im Winde verweht wie fast alle Träume des gewesenen Wirtschaftswunders einer Nachkriegs-Jubelgeneration.

20.05.2010
01:09
Der harte Arbeitsalltag im Krankenhaus
von ppaula | #2

Konnte ein guter Datenbankanalytiker vor 10 Jahren nocht gut und gerne 80.000 € p.a. verdienen, sind es heute nur noch 35.000 €. Die Gehälter der Ärzte sind, mal abgesehen vom Einstieg, wirklich gut. Lassen wir die Ethik außen vor, ist der Arzt ein Dienstleister wie viele andere auch.

Und da sollten die Regelungen des Arbeitsrechts vor allem in Bezug auf die Wochenarbeitszeiten gelten. Das ist im Fall der Ärzte in der Tat völlig inakzeptabel.

Ich zumindest möchte bei keinem Arzt unters Messer, der eine Doppel- oder Dreifachschicht hinter sich hat. Da kann ich auch russisch Roulette spielen.

Mehr Geld zu fordern, ist aber abwegig und völlig an der Situation in Europa vorbei. Die Arbeitswelt konsolidiert sich und dazu gehört auch ein Anpassen der Gehälter an den europäischen Durchschnitt aller (nicht nur im medizinischen Bereich) Gehälter.

Um den Kreis zu schließen: Mittlerweile kann ein Programmierer in Krakau, St. Petersburg, Moskau etc. mehr verdienen als in Berlin.

Hohe Gehälter werden nur noch da gezahlt, wo das Geld vorhanden ist UND spezialisierte Arbeitskräfte für Wachstum sorgen können.

In der deutschen Krankenversicherungswelt ist beides nicht mehr gegeben und in Deutschland generell nur noch in Nischen zu finden. Somit ist der Beruf des Arztes auf dem Niveau des Verkäufers angekommen. Ausblidungsdauer und Aufwand hin oder her.

Das Krankensystem steht nicht vor dem Kollaps; es ist schon weit darüber hinaus. Wer das nicht erkennt, ist wirklich schwer traumatisiert. Und das mindestens seit den späten 80ern.

Bei wem sich auch immer noch Widerstand gegen diese Aussage regt, empfehle ich, sich unter ökonomischen Gesichtspunkten mit der Altersdemografie in Deutschland zu befassen.

Wer danach eine nur halbwegs diskutable Lösung parat hat, darf sich schon mal imaginär auf die Liste der Nobelpreisträger setzen.

19.05.2010
23:13
Der harte Arbeitsalltag im Krankenhaus
von public_enemy | #1

(..)Mit der Arbeitszeit eines Verwaltungsangestellten ist die eines Arztes kaum zu vergleichen(..)

mag sein, die vergütung aber auch nicht.

und was die summen angeht die im IT bereich einem durchschnittlich fähigem gezahlt werden, so wird wohl kaum ein durchschnittlicher arzt tauschen wollen.

kommt mal auf den teppich leute...

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