Das aktuelle Wetter Dortmund 12°C
Einzelhandel

Der Handel klagt nicht, er hofft

15.04.2011 | 17:28 Uhr
Der Handel klagt nicht, er hofft
So richtig rund soll es - auch mit Hilfe des neuen Kreisverkehrs - in den die Straßen Silberstraße, Hövelstraße, Eisenmarkt und Propsteihof gehen, wenn Mitte September die ECE Thier-Galerie öffnet. Foto: Helmuth Voßgraff

Dortmund.   Die Stimmung bei der Verbandsspitze ist demonstrativ entspannt. Dabei verraten die nackten Zahlen, dass die Entwicklung im deutschen Einzelhandel und auch vieler Betriebe des Einzelhandelsverbands (EHV) Westfalen-Münsterland 2010 nicht so gut verlief wie erhofft.

Die Stimmung bei der Verbandsspitze ist demonstrativ entspannt. Dabei verraten die nackten Zahlen, dass die Entwicklung im deutschen Einzelhandel und auch vieler Betriebe des Einzelhandelsverbands (EHV) Westfalen-Münsterland 2010 nicht so gut verlief wie erhofft. Wenn die Prognose des Bundesverbands (HDE) einträfe, hätte man 2011 erst das reale Umsatzniveau von 2008 erreicht. Und Probleme könnte schon schnell das Wachstum beim großflächigen Einzelhandel im Umfeld bringen.

Thomas Schäfer, EHV-Hauptgeschäftsführer beobachtet „mit Sorge“, dass der Konsens und das Konzept bei der Entwicklung der Einzelhandelsflächen in der Region von Kommunalpolitikern ausgehebelt werden könnte. Wenn in Hamm Möbel Finke (60000 qm) öffne, sei mit einer „nachhaltigen Beeinträchtigung“ des Innenstadthandels und von Vorortbetrieben dort zu rechnen. Andernorts drohe ähnliches.

ECE-Center "Thier-Galerie" wird positiv gesehen

Nach wie vor positiv wird der Öffnung der ECE-Thier-Galerie Mitte September entgegen gesehen. Schäfer: „Das kann nur positiv für die Innenstadt sein. Das wird im ersten Öffnungshalbjahr der Renner werden.“ Man müsse „nicht ganz pessimistisch sein“, die Thier-Galerie werde anderen Händlern Umsatz abgraben, auch wenn es an den Rändern der Goldmeile Westenhellweg durchschlagen könnte. Aber die Händler beispielsweise am Ostenhellweg dächten bereits über einen verstärkten und gemeinsamen Auftritt nach.

Positiv wertet EHV-Vorsitzender Michael Radau, dass es „eine Renaissance von Qualität“ im Handel gebe. Die Discounter-Umsätze wuchsen 2010 nicht mehr weiter in den Himmel. Die Erkenntnis, dass qualitativ gute Waren ihren Preis wert seien, setze sich bei immer mehr Verbrauchern durch, nicht nur bei Bio-Lebensmitteln.

Forderung nach 6,5 Prozent mehr Lohn "überzogen"

„Für deutlich überzogen“ hält Schäfer die aktuellen Gewerkschaftsforderungen nach 6,5 Prozent mehr Lohn bzw. mindestens 130 Euro im Monat. Man sei sich aber mit den Gewerkschaften einig, dass die Branche ein „Basisentgelt“ verabreden will, das am Ende für allgemeinverbindlich in Deutschland erklärt werden soll und die Wirkung eines Mindestlohns habe. Der Unterschied: Den Mindestlohn setzt der Bund fest; das Basisentgelt handeln die Tarifpartner autonom aus.

„Das Image der Branche ist nicht so, wie sie es verdient hat“, geht Schäfer auf die Einkommen im Einzelhandel ein. Hungerlöhne würden in der Öffentlichkeit angeprangert, seien aber ein Problem nur in einigen Betrieben. Der Einzelhandel sei der drittgrößte Arbeitgeber in Deutschland. In Dortmund wuchs 2010 die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Einzelhandel um 1595 Personen. Auch im Jahr 2011 werde sich diese Zahl nach aktuellem Stand erhöhen.

Klaus Buske

Facebook
 
Kommentare
15.04.2011
22:59
Der Handel klagt nicht, er hofft
von Kalki | #2

Wenn alles sich in dem rahmen weiterbewegt ...wenn alles dem level des gewollten unterworfen wird ..und man nicht bereit ist, breitere schichten am konsum teil haben lassen zu wollen ,dann ist all dieses gejammere dummdreiste phrasendrescherei und dazu bedarf es keinerlei wissenschaftlich dokumentierter systematik......

15.04.2011
18:30
Der Handel klagt nicht, er hofft
von HeinrichLeue | #1

Regierung, Medien und Verbände hatten doch für 2010 den Aufschwung vorausgesehen und nun geben die realen Zahlen das doch nicht her? Kann es sein, dass man sich da etwas zurecht gelogen hatte um Optimismus zu erzeugen? Es war ja auch kaum zu glauben - global geht die Krise in ihr drittes Jahr - nur in Deutschland da geht es steil aufwärts - jaah neeh iss klah.

Und dann diese Zwickmühle bei den Tarifverhandlungen: Entweder man sagt, dass die positiven Meldungen doch nur gelogen waren - wer wird es glauben? - und blamiert sich oder man macht weiter auf dicke Hose und muss tiefer in die Gehaltstaschen greifen - dumm nur, wenn die ob der Umsatz- und Gewinnlage nicht prall gefüllt sind, was die Mitarbeiter aber derzeit annehmen dürfen ob der falschen Hurra-Meldungen aus dem Vorjahr.

Wer sich dabei noch demonstartiv entspannt zeigen kann, der ist sicher in jeder der oben genannten Sichtweisen ein Profi - oder?

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/4548757/create

UMFRAGE

Sollen Stehplätze in Fußballstadien abgeschafft werden?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Layla Zoe in Dortmund
Bildgalerie
Piano
Hitze am Phoenix-See
Bildgalerie
Wetter
Achtung, Dortmund — hier droht Bußgeld!
Bildgalerie
Bußgeld-Katalog
Aus dem Ressort
Wohnraum für Arme: Knapp und schlecht saniert
Soziales
Auf dem Wohnungsmarkt haben Menschen mit wenig Geld das Nachsehen. Zum einen gibt es immer weniger Sozialwohnungen. Zum anderen lassen privater Finanzinvestoren günstige Wohnungen verkommen.
Aus Amerika direkt nach Hörde
Germany's next Topmodel
Model Diana hätte Germanys next Topmodel werden können, Model-Mama Heidi Klum rechnete ihr große Chancen fürs Finale aus. Diana aber entschied sich gegen die Show und schied aus familiären Gründen freiwillig aus. Mit ihrer Familie ist die 17-Jährige nach ihrem Ausstieg von Hagen nach Hörde gezogen.
Foto