Kommentar
Der Enkel an der Macht
09.11.2009 | 05:50 Uhr 2009-11-09T05:50:00+0100Dortmund. Dortmunds CDU kürt sich den 25-jährigen Politik-Youngster Steffen Kanitz zum neuen Parteichef. WAZ-Redakteur Rolf Maug kommentiert diese nicht ganz überraschende, gleichwohl spektakuläre Entscheidung:
Seit Jahrzehnten rennt die CDU gegen die rote Bastion an. Von Achtungserfolgen (1999) abgesehen trugen die Christdemokraten immer nur blaue Köpfe davon.
Am liebsten hätten die von Dauerfrust geplagten Schwarzen das Ruder schon früher herumgeworfen. Sie taten es nicht. Mit Rücksicht auf Erich G. Fritz. Der Bundestagsabgeordnete brauchte den Kreisvorsitz für einen sicheren Platz auf der NRW-Reserveliste.
Das war auch bei der letzten Bundestagswahl so. Deshalb konnten die Schwarzen beim Projekt „Neue CDU” vor zwei Jahren nur halbe Sache machen und zwei von drei stellvertretenden Kreisvorsitzenden austauschen.
Die Rechnung dafür, dass es selbst gegen eine krisengeschüttelte SPD wieder nicht gelang, den Genossen Stimmen abzujagen, muss allein Uwe Waßmann bezahlen. Doch ohne Härten geht es nicht ab, wenn man bei der Erbfolge die Generation der Söhne übergeht und die Macht direkt einem Enkel überträgt.
Will Dortmunds CDU Volkspartei bleiben und zumindest perspektivisch die Chance gewinnen, das rote Rathaus zu besetzen, muss sie das Ende der Ära Fritz nutzen, schon personell die Weichen zu stellen für einen möglichst durchgreifende Neubeginn.
Insofern waren für den Kandidaten Steffen Kanitz sein vergleichsweise zartes Alter von 25 Jahren und seine Unerfahrenheit im politischen Alltagsgeschäft keine Nachteile. Im Gegenteil: Das hatte er seinen Konkurrenten voraus.
Kanitz hat jede Menge Zeit, in die Schuhe, die ihm sicherlich noch viel zu groß sind, hineinzuwachsen. Er wird den Bedeutungsverlust, unter denen beide Volksparteien zu leiden haben, für die CDU nicht stoppen können. Bestenfalls kann er ihn bremsen. Jedenfalls bringt Kanitz die Voraussetzungen dafür mit, sich menschlich wie politisch zu einer Führungspersönlichkeit zu entwickeln, die eine Partei mehr denn je braucht, um Wahlen zu gewinnen.
14:35
Das ist mal ein deutliches und positives Signal für einen Neuanfang. Vielleicht sollten andere Parteien und Kreise auch mal darüber nachdenken die Zukunft ans Ruder zu lassen, insbesondere um Zukunftsthemen wie Bildung, Umweltschutz und nachhaltiges Wirtschaftswachstum auf die Tagesordnung zu setzen und größtmöglichen Abstand zu nehmen von Kungelei und politischem Konsenzwahnsinn, sofern möglich...
14:08
Da sieht man, was die CDU in Dortmund vor hat. Machtübernahme frühestens im Jahr 2029.